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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-12-28 · Heft 53 (28.12.1875) · p. Seite 860

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 53 (28.12.1875)
Date
1875-12-28
Page
Seite 860 (sequence 6)
Language
German
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860 Hebung des Sklaventhums lehren und durchführen muffen. Denn La es sich zur Religion aller Böller machte, so würde es im obigen Falle innerhalb aller Nationen, die sich zu ihm bekannten, die Verwandlung des Sklaventhums in eine Vermierhung auf eine sechsjährige Dienstzeit vornehmen muffen. Allein es that dies nicht, sondern acceptirte das Sklaventhum wie alle bestehenden gesellschaftlichen Institutionen und ebenso ließ es die Leibeigenschaft zu, als diese durch die germanischen Bölkerschasten in den christlichen Staaten erstand. Die kirchlichen Autoritäten, einschließlich Luther, erklärten Sklaventhum und Leibeigenschaft sür einen Theil der von Gott herrührenden Ordnung, welche den Sklaven und Leibeigenen die Pflicht des Gehorsams unbedingt auferlege. Die Kirche hatte daher auch Nichts eiuzuwenven, als einige Zeit nach der Entdeckung Amerikas die Einführung schwarzer Sklaven aus Afrika in das neue Welttheil unternommen, und so das Sklaventhum in dem stärksten Umfange erneuert wurde. Es kostete einen blutigen Bürgerkrieg in unseren Tagen, um cheoretisch verdammte und praktisch aufzuheben suchte.") Unter diesen Umständen kann schließlich es kaum befremden, daß selbst Aristoteles von der Idee des Sklaventhums sich nicht ftei machen 9) Diesen geschichtlichen Thatsachen gegenüber mußte es uns in Verwunderung setzen, daß Ouckeu dennoch wiederholt behauptet, daß die „Abschaffung der Sklaverei die gemeinsame That der christlichen Liebe und des germanischen Frcihcitsgeistes" fei. Wir würden gern zugestehen, daß das Christenlhum die Sklaverei abgeschafft, da wir als-- dann doch berechtigt waren, zu sagen, daß das Lhristenthum auch hierin das Werk das Judenthums fortgesetzt habe. Allein die Geschichte spricht doch zu sehr dagegen und schließlich führt Oncken selbst ans, wie Jesus und seine Jünger sich über Sklaven gar nicht ausgesprochen — ein lebhafter Beweis für die Zustande bei den Juden jener Zeit — daß Paulus erst an die Corinther (l Cor. ", 29) und an anderen Stellen das Sklaventhum für eine göttliche Ordnung erklärt, viele Kirchenväter und auch Luther, der es als eine Berfleischlichung der christl. Freibeit ansah. wenn die Leibeigenen und Sklaven frei sein wollen, in demselben Sinne sich ausdrücken und den Gehorsam der Sklaven als eine sittliche Pflicht erachten — worüber wir auf Oncken selbst verweisen — so daß also der Begriff des Menschenrechts und des Sklaventhums als einer Gewaltthätigkeit der christlichen Kirche nicht aufgegangen ist, wie . , denn auch die Kirche selbst Sklaven und Leibeigene in Menge beseffen selbst aus der uordamerrkanrschen Union das Sklaventhum zu; har. Auch dem germanischen Frciheitsgeiste können wir diese Befreiungsverbannen, das immer noch in ven spanischen Colonien besteht, *°lle nicht zuertheilen denn gerade er war es, der die Leibeigenschaft _ ' ' / erzeugte und fortgesetzt dre freien Bauern zwang, lerbergen zu werden. Ebenso wurde die Leibeigenschaft erst im Lause des vorigen Jahr-! Daß Oncken dennoch zu seiner Behauptung wieder zuriickkehri, bezeugt, Hunderts beseitigt, in Rußland erst durch den gegenwärtigen Kaiser, wie schweres isy sich von einmal verbreiteten Borurtheilen ftei zu 7 ° ' ® macken, eo lagt er auch, daß die christliche Liebe für die Juden neu Mau kann daher nur sagen, daß das Sklaventhum erst durch gewesen (S. 70) — worüber er freilich keine Beweisstelle anführt — den Geist der Humanität, durch de» Begriff des unveräußerlichen J“ den Straßen von Athen sehr genau ' Bescheid wrffeu kann, ohne un Alten Testamente unterrichtet zu sein, Menschenrechtes und die lrberalen Institutionen des modernen und ohne sich zu scheuen, dem Judenthume etwas nachzusagen, wahrend Staates beseitiat worden ist. nachdem Moses unter den Gesetzes gar nicht kennt. Wir haben uns hierüber glücklicher Weise ' ~ \ r ui I i ’S- Nicht mehr blos auf jüdische Autoritäten zu stutzen: cs giebt schon chrrstgebern aller Zeiten der einzige fft, welcher das Sklaventhum > liche Autoren genug, welche die Wahrheit anerkannt haben. Soe/tiiui/Cj 6U/<xcßticßteu/. Deutschland. Bonn, 14. December. (Privatmitth.s Wir hatten dem Comits für die Abgebrannten in Paderborn, sowie dem „Paderborner Kreisanzeiger" eine kurze Gegenerklärung zugesandt, in welcher wir betonten, daß der bett. Pasius in der Privatmittheilung vom Rheine vom 4. Nov. der „Köln. Ztg." vom 3. Nov. entnommen, also, wenn überhaupt, eine Absichtlichkeit nicht der „A. Z. d. I.", sondern der „Köln. Ztg." oder vielmehr vielen anderen Blättern, welche dieselbe Nachricht enthalten hatten, zuznschreiben sei. Hierauf erhielten wir vom gedachten Comitö eine Zuschrift, in welcher es erklärte, daß es den qu. Paffus in der gedachten Rümmer der ,Köln. Ztg." nicht gesunden habe. Wir sandten demselben sofort ein Exemplar dieser Nummer zu, aus welchem es sich von der Richtigkeit unsrer Behauptung überzeugen konnte. Wir fiudeu nun iu der Nummer der „Germania" vom 11. December die gleiche Insinuation, den betr. Paffus in der „Köln. Ztg." nicht zu finden. Wir sandten auch ihr ein Exemplar der „Köln. Ztg." vom 4. Nov. zu und überlaffen es ihr, dies iu ihrem Blatte zu bemerken. Die übrigen Auslaffungen der „Germania" übergehen wir mit Slillschweigeu. Dem Einsichtigen ist es nicht schwer, ihre Unrichtigkeit zu durchschauen. Das Blatt macht zu viel in „Absichten", als daß es nicht jedem anderm Menschenkinde sofort ähnliche unterschieben möchte. Paderborn, 16. Dec. (Privatmitth.j Wenn es nöthig wäre, Ihrem Correspondenten „vom Rheine" ein Zengniß auszustellen, daß er, ganz abgesehen von dem unglücklichen Brande hierselbst und dem, was die Zeitungen fälschlicher Weise darüber verbreiteten, nicht Unrecht gehabt, so ist dies in diesen Tagen von hieraus geschehen. Der hiesige Bouifacius-Berein, der doch eine große Zahl der katholischen Bevölkerung befaßt, hat eine Schmähschrift gegen die Juden veröffentlicht, wie sie scheußlicher wohl noch niemals die Preffe verlaßen und wie sie keine andere Literatur als die deutsche aufzuweisen hat. Dieses saubere Paderborner Erzeugniß betitelt sich: „Nicht Judenhatz — aber Christenschutz'." Es werden darin dem Talmud in grenzenloser Lügenhaftigkeit die sittenwidrigsten, menschengehassigsten Ausspruche untergeschoben, und den Juden die pünktlichste Ausführung derselben zugeschrieben. Alles bei den Juden soll auf eine systematische Schlechtigkeit und auf die Absicht hinansgehen, die Herr-

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