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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-12-21 · Heft 52 (21.12.1875) · p. Seite 847

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 52 (21.12.1875)
Date
1875-12-21
Page
Seite 847 (sequence 9)
Language
German
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847 Bevölkerung von 200 Familien. — Eine weitere Oase in der Landschaft Tafilet ist die speciell mit diesem Samen benannte Oase, in welcher die Stadt Nissani liegt, bei welcher sich ein Judenquartier von 250 Hausern befindet. Ein anderes Ksor in dieser Oase ist Dar el-beida woselbst ebenfalls ein bedeutendes Judenquartier sich befindet. — Viel süd-östlicher, schon im Süden von Algerien, liegt die Landschaft Tuat, eine Sammlung von Oasen in der Wüste. Bon dieser erzählt Rohlfs: „Tamentit ist einer der ältesten Centralpuncte Tuats und war der Ort früher gleich mehreren anderen in Tuat von Juden bewohnt, die jedoch nach dem Hereinbrechen der Mohammedaner und ihrer Religion mit Gewalt bekehrt oder ausgerottet wurden, so daß heut zu Tage wie in ganz Tuat kein einziger Jude mehr vorhanden ist. Auch wenn man die jetzigen Bewohner betrachtet, die sich selbst Abkömmlinge der Juden nennen, läßt Nichts auf ihre Abstammung schließen, denn durch die starke Vermischung mir den Negern Südens sind sie eben so dunkelfarbig geworden wie die übrigen Eingeborenen Tuats. Jndeß hat sich unter ihnen die bekannte Rührigkeit und Betriebsamkeit ihrer Voreltern erhalten, Handel und Wandel und allerlei Handwerker, als die der Schuh- und Kleidermacher, Waffenschmiede und Schlosser, sind noch heut zu Tage stark im Gange." Persien. Paris, im Decbr. Das November-Bülletin der Alliance enthält endlich eine ausführliche Correspondenz über den traurigen Vorfall in Hamadan. Um diesen weiter aufzuklären, geben wir dieselbe wörtlich: H. Lurion, Präs, des Comitös von Bagdad, theilt einen aus Hamadan in der Todesangelegenheit des Israeliten Jehuda (s. October-Ber. S. 128) an dieses Comit6 gerichteten persischen Brief in der Uebersetzung mit: „Wir wollen hiermit der Alliance über unsere Lage Bericht erstatten und von dem in der israelitischen Gemeinde zu Hamadan stattgehabten Vorfall ein Resumö geben. Mirza Hadi Muchrahid, im Judenquartier wohnhaft, ist unser Feind; vor einigen Tagen befahl er ohne jeden Grund, daß ein Israelit, Namens Eljahu Hakim, eine Strafe von 300 Toman (3000 Fr.) zahlen solle; er wollte sogar eine Jntrigue gegen alle hiesigen Israeliten anspinnen, aber Gott hat uns gerettet. — Nachdem derselbe jedoch am Montag, den 5. Ab (16. August) eine Predigt gehalten, in welcher er auseinanderfetzte, daß die Ausrottung der Juden eine Pflicht wäre, rotteten sich alle Muselmänner, die dieser Predigt beigewohnt, zusammen und führten den Jsraeljten Jehuda Baba Sema unter dem Vorwände einer begangenen Religionsschänvung vor den gen. Muchtahid, der denselben zu tödten befahl. Sofort gab die Menge, ohne erst den Bescheid der Regierung abzuwarten, dem unglücklichen Israeliten mehrere tövlliche Hiebe und schleppte ihn sodann auf den jüdischen Friedhof, wo sie ihn verbrannte. Wir haben in Teheran Klage geführt, und der gerechte König warf einen gnädigen Blick auf uns, indem er befahl, daß Soldaten das Judenquartier bewachen sollen. Er ernannte auch zur Verhaftung der Schuldigen einen Commiffar, der jedoch noch nicht angelangt ist. Der Ortsgouverneur, Jz Aldaula, Bruder des Schah, ließ inzwischen gestern, Samstags, Einige der Schuldigen verhaften und ihnen die Bastonade geben und gedenkt in gleicher Weise auch gegen die Anderen vorzugehen. Die Regierung hat mit Erledigung dieser Sache den Vezier und den Polizeiches beauftragt, denen die Angelegenheiten der Juden unterstellt sind. Die ganze Gemeinde, Männer, Frauen und Kinder, ist von einem unaussprechlichen Schrecken befallen, und obgleich seit dem Aufruhr bereits fünf Tage verflossen sind, ist dieselbe doch noch nicht beruhigt, zumal in Anbetracht der Feindschaft, welche Muchtahid und die muselmännische Bevölkerung gegen uns nähren. Am anderen Tage haben sie 10 Häuser geplündert und Personen verwundet; mehrere schwangere Frauen haben abortirt und eine Menge Kinder ist zertreten und getödtet worden. Der Grund unserer Befürchtung liegt darin, daß die Bevölkerung, die 30,000 Seelen zählt, sich täglich zusammenrottet, während wir so gering an Zahl sind und nicht wissen, was wir machen sollen . . . .; die Angst verläßt uns nicht. Sie wissen, daß wir keine einflußreichen Männer haben; unsere Reichen sind am furchtsamsten, und in solcher Lage giebt es überhaupt keinen Standesunterfchied. Der Schrecklichste unserer Feinde ist Said Hussein Arab, der dieses Complot angezettelt hat und es noch anzettelt. Wir können nichts machen und sind gewiß, daß das Resultat dieser Gewaltthaten darin bestehen wird, daß alle Jsraeliten auf dem Lande werden Mohammedaner werden oder zu Grunde gehen müssen: wir haben von denselben keine Nachricht. Einige Unsinnige hätte der Schrecken beinahe dahin getrieben, den Islam anzunehmen, wenn wir sie nicht am vergangenen Sabbath in der Synagoge mit der Hoffnung auf den Ewigen beruhigt hätten. Wir bitten Sie dringend, der Alliance von unserer Bedrängniß Nachricht zu geben und uns hierdurch zu Hülse zu kommen. Der Abfall greift um sich, und wenn auch unsere Gemeinde sich hält, alle anderen jüdischen Gemeinden von Persien werden zerstört werden. So berichtet man uns aus Assadabad, daß die Muselmänner daselbst die Israeliten massacriren oder zum Abfall zwingen wollen. Das Einzige, was Sie zu unserer Rettung thun könnten, ist, durchzusetzen, daß die Behörden für jede Gewaltthat, die gegen uns verübt werden sollte, der Regierung gegenüber verantwortlich gemacht würden. Nur auf diese Weise würden die Israeliten hier beruhigt werden, anderenfalls wäre dies unmöglich. Bei der Liebe zur heiligen Schrift, verhindern Sie unfern Untergang!" Der geehrte Correspondent fügt folgende Details hinzu: „Mirza Hadi ist seit lange als ein eingefleischter Judenfeind bekannt; es war gerade sein Haus, in welches sich der 52

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