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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-12-21 · Heft 52 (21.12.1875) · p. Seite 846

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 52 (21.12.1875)
Date
1875-12-21
Page
Seite 846 (sequence 8)
Language
German
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846 in den ersten Reihen jene vielgeschmähten „Halbblinden" saßen; der Professor fügte aber selbst hinzu, daß er die Aufgerufenen als fleißige, strebsame Hörer kenne und achte. Man sollte es kaum glauben, daß die Wiener Studentenschaft Mitglieder unter sich zähle, die zu solchen Bubenstücken ihre Hand leihen. Die hiesigen Zeitungen suchen die Gährung möglichst zu beschwichtigen, und erinnern daran, wie gerade in der Wiener Studentenschaft von irgend einem confessionellen Hader niemals eine Spur vorhanden gewesen, daß sie es war, welche die Fahne der Gleichberechtigung am höchsten gehalten, wovon denn die segensreiche Wirkung auch vielfach auf das bürgerliche Leben übergegangen. Man hofft, daß sich auch dies wieder beruhigen werde. Frankreich. Paris, 6. Dec. (Privatmitth.) Die französische Judenheil, und insbesondere die von Paris, hat eine ihrer größten Zierden verloren. Herr Philipp Ansbach, der nach einer langen ehrenvollen Laufbahn die Stelle eines Raths am Casiationshofe, dem höchsten Tribunal Frankreichs, einnahm, ist verschieden. Er war Officier der Ehrenlegion und Mitglied des Central-Consistoriums als Delegirter von Paris. Baron Gustav v. Rothschild ist sein Schwiegersohn. Die Beerdigung fand gestern unter der allgemeinsten Theilnahme statt. Am Grabe sprach unter Anderen der Großrabbiner Isidor, der die Trauer des Verstorbenen als eines geborenen Elsässers über den Verlust des Elsaß seitens Frankreichs sehr nachdrücklich hervorhob. Es giebt nun einmal Kreise, in welchen man es nicht versteht, die Politik von religiösen Feierlichkeiten fern zu halten, und diese durch jene zu Rumänien. Bukarest, 2. Nov. (Privatmitth.) Herr Peixotto, der bereits in London angelangt war, hat seine Absicht, seinen hiesigen Posten als amerikanischer Generalconsul aufzugeben, geändert und kehrt nach Bukarest zurück. — Es ist auch in diesem Blatte wiederholt bemeldet worden, daß der hiesige Caffationshof die Beschwerde dreier eingeborenen und promovirten Israeliten, daß sie ihres vom Gemeindegesetze gewährten Rechtes, für die Gemeinderathswahlen milwählen zu können, beraubt worden, verworfen hat. Doch finde ich, vaß die Gründe des Casiationshofes nicht mitgetheilt worden. Derselbe beruft sich auf den Art. 7 der Verfassung, nach welchem politische Rechte nur von Bekennern der christlichen Religion ausgeübt werden können, die Gemeindewahlen seien aber ein politisches Recht, und die Bestimmung des Gemeindegesetzes, obschon von den Kammern votirt und vom Fürsten sanctionirt, habe der Verfasiung gegenüber keine Gültigkeit. Man sieht, daß, wenn die Rumänen im übrigen Europa nur für ein halbcivilisirtes Volk noch gellen, es ihnen doch an diplomatischer Schlauheit nicht fehlt. Die Kammern geben ein Gesetz, das wenigstens in Etwas den Anforderungen der Cultur zu genügen den Anschein hat, haben aber schon durch ihre Verfasiung im Voraus dafür gesorgt, daß diese Nachgiebigkeit zu bloßem Dunste wird. Man beruft sich auf die Verfasiung, um das Specialgesetz zu annulliren, und beruft sich in anderen Fällen auf ein Specialgesetz, um der Verfasiung ein Schnippchen zu schlagen. Marokko. Bonn, im December. (Privatmitth.) Aus dem Inneren Marokkos und den, diesem Reiche tributären südöstlichen Landschaften kommen nur selten einige Notizen zu uns herüber. Äm Jahre 1864 machte der berühmte deutsche Reisende Gerhard Rohlfs eine Reise durch diese Länder, einen Theil der Sahara bis nach Tripolis, und zwar als Mohammedaner verkleidet, weil er sonst niemals Lurchgekommen wäre. Er hat diese Reise in einer Schrift („Reise durch Marokko ff., Bremen 1869") beschrieben. Wir ziehen hier wörtlich die Notizen heraus, die in dem angeführten Buche über Juden Vorkommen. So geringfügig diese Bemerkungen an sich sind, so zeigen sie uns doch Zwiefaches: zuerst, daß die Juden, wo sie nicht mit Gewalt ausgerottet worden, sich auch unter diesen kaum halbcivilisirten Stämmen zu erhalten gewußt haben, und zweitens, daß sie vorzugsweise die Handwerke betreiben, also eigentlich das Stück Cultur, das unter diesen wilden Mohammedanern besteht. Bei Lxas-el-kebir, einer Binnenstadt nicht weit von el-Arisch (Hafenstadt), bemerkt er: die Bevölkerung der Stadt beläuft sich auf ungefähr 30,000 Seelen. „Die jüdische Bevölkerung mag sich auf 120 Familien belaufen, sie wohnen hier nicht wie in den anderen Städten im Inneren der Milha oder einem abgeschloffenen Viertel, sondern vermischt mit den Gläubigen wie in den Hafenstädten." — In der Landschaft Uttad. „In dem Ksor Ottmann-Mussor hatte ich Gelegenheit, Seife und einen Hut Zucker zu kaufen. Ich fand dies bei den Juden, die in einem besonderen Quartier von etwa 100 Häusern oder Familien diesen Ort bewohnen. Sie allein treiben die üblichen Handwerke." Wir kamen nach „Ksor es-Ssuck, welches eines der nördlichsten Dörfer der Oase Mdaphra (dicht am südlichen Abhang des Atlas) ist. Hier, wo Juden, die wie überall unter den Gläubigen vorzugsweise im Besitz der Handwerke sind, weilen, konnte ich meine Büchse Herstellen laffen." „Mdaphra ist eine der glücklichsten, bevölkertsten und reichsten Oasen der Wüste. Ueber 40 Ksors, zum Theil sehr groß, liegen längs des Flusses und im Palmenwald, der sich weiter südwärts, zu einem großen Kreise ausdehnt, versteckt. Die Bevölkerung ist gemischt aus Arabern, die den größten Theil ausmachen, Berbern und Juden, die man aber nur im Ksor es-Ssuck in einer Anzahl von etwa 50 Familien findet." — Die nächstfolgende Oase nach Süden zu ist Ertib, und lebt in ihr eine jüdische

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