Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 52 (21.12.1875)
- Date
- 1875-12-21
- Page
- Seite 843 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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843 Königreiche wohnten 1871 12,426 Juden, einer auf 146 Bewohner, und zwar in 12 Rabbinatsbezirken: Braunsbach, Buchau, Buttenhausen, Freudenthal, Heilbronn, Jebenhausen, Laupheim, Mergentheim, Möhringen, Oberdorf, Stuttgart, Weikersheim. Die Bevölkerung dieser Rabbinrtsbezirke ist sehr verschieden und steigt von 350 bis über 1800 an. In diesen Bezirken bestehen 54 Gemeinden mit 12 Rabbinern, 24 Vorsängern, 35 Lehrern, 32 Elementar- und 24 Religionsschulen mit 1784 Schulkindern in 51 Schulhausern, wovon 3 gemiethet, 36 Begräbnißplätzen, 79 Wohlthätigkeitsvereine und 331,724 Gulden an Stiftungsfonds. — Auch in Württemberg hat sich der Zuzug vom Lande in die größeren Städte sehr bemerkbar gemacht, z. B. in Stuttgart, wo 1846 noch 234 Seelen wohnten und 1871 schon 1821 Juden; Heilbronn, das 1861 erst 137, im Jahre 1871 610, Ulm, das 1861 erst 327, im Jahre 1871 818 zählte. Ueber 500 zahlen 5 Gemeinden im Lande, nämlich: Stuttgart (1836), Ulm (555), Laupheim (818), Heilbronn (610), Buchau (594). — 1— Literarischer Wochenbericht. Bonn, im December. Herr Dr. med. London, acht Jahre hindurch Chefarzt des Rothschild'schen Hospitals zu Jerusalem, hat sich gegenwärtig in Karlsbad niedergelasien und veröffentlicht höchst intereffante „Mittheilungen aus den Leprosenhütten („Biut el Maffakin") in Jerusalem", von deren erster wir seiner Freundlichkeit ein Exemplar verdanken. Es ist ein erschütterndes Bild, das uns hier von dem aus dem 3. Buche Moses wohlbekannten Aussatze entworfen wird. Roch heute ist der Aussatz in Palästina einheimisch; noch heute werden die von ihm befallenen Unglücklichen nach einigen außerhalb Jerusalems befindlichen Hütten gebracht, und von allem Umgang ausgeschloffen. Die Schilderung von dem entsetzlichen Zustande dieser Hütten versetzt uns in wahrhafte Enttüstung über eine Regierung und Behörden, welche leidende Mitmenschen solcher Verwahrlosung und solchen Entbehrungen überlaffen. Dr. London halt übrigens den Aussatz nicht für contagiös (ansteckend), wohl aber für hereditair (erblich), so jedoch, daß öfter eine oder zwei Generationen übersprungen werden. — Zu der Besprechung der Chnnts religieux von S. Naumbourg (Nr. 50) haben wir nachzuttagen, daß dieselben durch eine „geschichtliche Studie über die Musik der Hebräer" eingeleitel sind, welche sehr beachtenswerth ist. Bei Behandlung dieses schwierigen Thema's pflegen die Gelehrten nicht genug musikalische Kenntniffe, und die Musikverftändigen nicht genug Gelehrsamkeit zu besitzen. Herr Nauruöourg hat sich redlich bemüht, beides zu vereinigen, und wenn auch das gelehrte Material seiner Arbeit nicht als ganz vollständig anzusehen ist, so verstand er die musikalische Seite, und dies ist doch hierbei die Hauptsache, mit vieler Klarheit zu beleuchten, und neue Gesichtspunkte zu gewinnen. Die Abhandlung ist daher deujenigen sehr zu empfehlen, welches dieses wichtige und dunkle Object in den Kreis ihrer Theilnahme ziehen. — Die dritte Lieferung des neuhebräischen und chaldäischen Wörterbuches über die Talmudim und Midraschim von Rabbiner l)r. Levy (Leipzig, Brockhaus) ist bereits in unsren Händen, und schließt mit — Mit Vergnügen zeigen wir das Erscheinen einer neuen poetischen Arbeit des Herrn Ludwig August Frankl an: „Tragische Könige. Epische Gesänge." Wien, Alfred Hölder, 1876. Frankl führt uns hier in die hochgewölbten Hallen der Geschichte ein und schmückt sie zu Trauerkapellen um, in welchen der tragische Untergang berühmter Herrscher halb episch, halb elegisch gefeiert wird. Es versteht sich, daß der Dichter weder Geschichte treiben, noch einen Gerichtshof vorstellen will, also nicht Thatsachen zu berichten, und nicht sittliche Urtheile zu fällen versucht. Der Gedanke, der ihm vorschwebte, war, den Glanz irdischer Größe und Herrlichkeit zu schildern, und dann zu zeigen, wie sie, sei es durch eigenes Thun, sei es durch die Fügung von oben plötzlich oder langsam verschwinden und sich in ein leid- und qualvolles Ende wandeln. Man wird nicht leugnen, daß dies ein sehr angemeffener Gegenstand der Dichtung ist, der ebenso zu mannichsaltigen und reichen Schilderungen, wie zu tiefergreifenden Scenen Raum bietet. Nur will es uns bedünken, daß es zusagender gewesen wäre, wenn Frankl einen dieser geschichtlichen Stoffe herausgegriffen, und zu einem einheitlichen Kunstwerke gestaltet hätte, weil diese Aneinanderreihung, wenn auch verschiedenartiger, doch im Grundgedanken analoger geschichtlicher Erscheinungen zu sehr den Charakter des Gesuchten und aus der Fülle der Geschichte Herausgegriffenen an sich trägt. Abgesehen hiervon hat Frankl in der Behandlung der einzelnen Ereigniffe viele Meisterschaft bekundet, und jedes Gemälde abgerundet und künstlerisch gruppirt vor uns hingestellt. Unsre Aufmerksamkeit ziehen besonders die beiden Cyclus über Salomo und Alexander auf sich, letzterer weil er zumeist nach dem jüd. Midrasch gearbeitet ist, der erstere nimmt den Haupttheil des ganzen Werkes ein. Frankl verarbeüet hier viele der bekannten Legenden über Salomo, welche aus Talmud und Midrasch Rapaport in seinem Erech millin 8. v. Aschmodai gesammelt hat. Wenn sich hierbei weniger die schöpferische Kraft des Dichters erwiesen hat, so bewährt er hingegen jene außerordentliche Ge° wandheit der Bersificalion, die wir an Frankl's Dichtungen stets rühmend hervorzuheben hatten; ein künstlicher und doch leichter Versbau, ein frischer Reim, ein seltener Reichthum prägnanter Ausdrücke befriedigen hier sehr. Doch müssen wir abermals hinzufügen, daß es uns scheint, als ob diese glänzenden Eigenschaften Frankl zu all' zu üppiger Verwendung der Bilderpracht verleiten, was leicht zur Unklarheit der Vorstellung und zur Ermüdung des Hörers führt. Unterstützt wurde Frankl in den orientalischen Partien durch seine, auf seiner Reise erlangte Ortskenntnis,