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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-12-14 · Heft 51 (14.12.1875) · p. Seite 828

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 51 (14.12.1875)
Date
1875-12-14
Page
Seite 828 (sequence 8)
Language
German
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828 Würve Spanien in einem Vertrage für die Protestanten absonderliche drückende Maßregeln verlangen, so würde auch nicht Ein Abgeordneter die Unterfertigung dieses Vertrages befürworten. Füvfkirchen, 26. November 1875. Dr. M. Ullmann. Indeß brauchen wir wohl kaum an die Vorgänge zwischen der Schweiz mit Holland, Frankreich, Amerika hinzuweisen, um die glücklichen Erfolge in die Erinnerung zu bringen, welche die letzteren Staaten durch eine angemessene Festigkeit gegenüber der schweizerischen Intoleranz erwirkten. — . Es war ein ganz falsches Gerücht, welches den Hinterlafsenen Eduard Horns vom Kaiser eine jährliche Pension zufichern ließ. Bis jetzt hat sich dies nicht bewahrheitet. Es wird eine Sammlung veranstaltet, an welcher sich bis heute fast ausnahmsweise nur Juden betheiligt haben. Wien, 4. December. (Privatmitth.) In den Universitätskreife» hat jüngst ein Pamphlet des Professors der Chirurgie. Hofraths Dr. Billroth einiges Aufsehen gemacht: „Ueber das Lehren und Lernen der medicinischen Wissenschaften an den Universitäten der deusschen Nation, nebst allgemeinen Bemerkungen über Universitäten." Als Pamphlet muß man die Schrift bezeichnen, da sie neben vielem Guten eine Menge hämischer Angriffe gegen die College» Billroths, namentlich Rokitansky, enthält. Im dritten Capitel stürmt der Verfasser gegen die Menge armer Ungarn und Galizier, namentlich Juden, an, welche nach Wien kommen, um daselbst Medicin zu studiren, und nothgedrungen neben ihrem Studium auf Erwerb denken müssen. Es versteht sich, daß der Herr Professor nicht wie feine Vorgänger aus einer humaneren Zeit mit diesen aufstrebenden, schwerkämpfenven Iüngligen irgend ein Mitgefühl empfindet, sondern ein Bild mit den grellsten Farben entwirft. Er muß dies selbst doch etwas gefühlt haben, denn er fühlt sich gedrungen, in einer weitläufigen Anmerkung dagegen Verwahrung einzulegen, daß man ihn mit den „modernen Judenschimpfern" zusammenwerfe. Er ist bei dieser Gelegenheit so liebenswürdig, den Juden lebhafte Phantasie, Talent für Naturwissenschaft, Schärfe des Denkens, Energie und Ausdauer ihrer Arbeitskraft zuzusprechen und anzuerkennen, daß sie im Stande sind, das Höchste zu leisten. Um so schlimmer denkt er von den minder hervorragenden Juden, von den sogenannten Durchschnitts-Juden; diese werden seiner Ansicht nach sehr leicht bei der Erstrebung ihrer Ziele in ein Gebiet hinausgedrängt, welches die deutsche bürgerliche Gesellschaft meidet. Es fehlt ihm an der Romantik des Martyriums. Zum Schlüsse geräth der berühmte Kliniker in die labyrinthischen Jrrgänge der Racen- Theorie, von der wir erwähnten, daß sie mindestens in dem Kopfe eines Gelehrten, zumal eines Naturforschers nicht mehr auftauchen könne. „Man vergißt ganz" — ruft Billroth emphatisch aus — „daß die Juden eine scharf ausgeprägte Nation sind, und daß ein Jude, ebenso wenig wie ein Perser, oder Franzose, oder Neuseeländer, oder Afrikaner, je ein Deusscher werden kann; was man jüdische Deutsche heißt, sind doch eben nur zufällig deutsch redende, zufällig in Deutschland erzogene Juden, selbst wenn sie schöner und bester in deusscher Sprache dichten und denken, als manche Germanen vom reinsten Wasser .... Es ist daher weder zu erwarten, noch zu wünschen, daß die Juden je in dem Sinne deutsch-national werden, daß sie bei nationalen Kämpfen - „so zu empfinden vermöchten wie die Deusschen selbst; es fehlt ihnen dazu vor Allem das, worauf unsere deutschen Empfindungen, mehr als wir uns zugestehen mögen, basiren, nämlich die gesammte mittelalterliche Romantik." Ohne heute auf Billroths Angriffe auf die gedachten Studenten einzugehen, wollen wir nur einige zutreffende Bemerkungen aus einem Artikel des „P. L." anzuführen uns beschränken. „Mau glaubt von einer Sinnestäuschung geäfft zu werden, wenn man das Boranstehende durchlieft. Es fehlt dem Juden die Romantik des Martyriums und dann gebricht es ihm sogar an der Romantik des Mittelalters! Hat man je eine lächerlichere Behauptung aus dem Munde eines Gelehrten gehört? Ist doch gerade der Jude derjenige, der seit Jahrtausenden mit der Aureole des Martyriums durch die Geschichte wandert. Nicht blos im Mittelalter, sondern auch im Alrerthum war das Märtyrerthum sein Eigen. Und auch seine Romantik ist alter als diejenige, die Professor Billroth als das ausschließliche Gut seines Pangermanenthums beansprucht. Daß der Jude in der neuen Zeit Alles abschütteln will und zum größten Theile auch abgeschüttelt hat, was ihn von den Mitlebenden trennt, das wird Professor Billroth mit hundert derartigen Schmähschriften nicht zu hindern oder zu leugnen vermögen. Doch wozu sich erwärmen gegen eine Anschauung, die nichts für sich hat, als höchstens noch — die Romantik des Mittelalters? Sollen wir etwa ftagen. ob Hektar Crömieup kein Franzose, Moses Montefiore kein Engländer, Eduard Lasker kein Deutscher fei, weil sie sich zum Gotte Abraham's bekennen? Sollen wir Herr Profestor Billroth etwa erst um die Nationalität derjenigen Juden beftagen, die bei Wörth, Sedan unv Gravelotte ihr Leben für Deutschland ließen? Hatten diese im „veussch-nationalen Kampfe" anders empfunden, als die übrigen Soldaten? Alles dies wäre müßiges Beginnen. In der Sprache, die Billroch zu reden sich vermaß, giebt es kein Wort der Erwiderung auf solche Fragen. Aber uns wird es verstattet sein, diese Sprache zu charakterisiren. Sie gehört nicht dem Denker, Forscher und Professor, sondern dem übermüthigen Corpsstudenten von einstmal, der sich auch selbst auf der Kanzel von der Romantik des Paukanten nicht zu trennen vermag. Auch ich kenne den Geist, der an Deutschlands Universitäten herrscht, und ich habe mich an ihm erlabt, als Professor Billroth schon längst in's Philisterium übergetreten war. Darum wird mir der Herr

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