Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1875)
- Date
- 1875-12-14
- Page
- Seite 824 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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824 gedruckten Heftchen verlesen; für jedes Jahr des dreijährigen Cyclus sind andere Stücke ausgewählt, und in dem Maße, daß die Vorlesung eine halbe Stunde hinnimmt; vor und nach derselben werden die Hastorabenedictionen hebräisch gesprochen. — Zu Nila fallt Uba l'Zijon aus, dafür wird Ps. 32 deutsch verlesen und eine Choralstrophe gesungen. Die 13 Middos und Abinu makkenu wie am Vorabend. Auf Aschamnu folgt ein Orgelspiel ohne Worte. Der Priestersegen ganz wie an Festtagen. Vor Schma Jisrael ein Schlußgebet des Geistlichen. Am Vorabend des Tischa beaw werden blos die 3 ersten biblischen Klagelieder verlesen, und auch die übrige Agende dieses Abend ist gekürzt. Am Morgen werden nach der Haftora, die frei gewählt, übersetzt und erklärt wird, die zwei übrigen biblischen Klagelieder verlesen, dann 3 Kinnos gesagt, Eli Zijon ist stark abgekürzt, und es folgt eine Betrachtung. — Am Purim wird die Megilla blos Abends verlesen, wobei das Nachstück Ascher heni aussällt. 6 vioüe&vLc&beu,. Deutschland. Breslau, Ende November l Privatim tlh.» Die in einer Privatcorrespondenz von hier in Nr. 48 Ihrer gesch. Zeitung, aus Anlaß der Berichterstatmng über ein Schulprogramm des Dr. Neustadt enthaltene Bemerkung über das VerhLltniß der hiesigen schulpflichtigen jüdischen Kinder zur Seelenzahl der jüdischen Bevölkerung ist zwar insofern zutreffend, als sie die craffe Uebertreibung in der diesfälligen Angabe jenes Programms hervorhebt; an und für sich stützt sie sich indeffen gleichfalls aus nicht genaue Ziffern, die auf Grund der neuesten statistischen Publicationen im Verwaltungsbericht des hiesigen Magistrats richtig zu stellen sind. Bei der Zählung von 1871 betrug die Civilbevölkerung Breslau's 208,000 Seelen, darunter in runder Zahl 14,000 jüdische 6,70 pCt. Ende 1874 wird, nach einer annähernden Berechnung des statistischen Bureaus, die Bevölkerungsziffer auf 235,000 Seelen gestiegen sein, darunter etwa 16,000 jüdische. Im Schuljahr 187 3/4 betrug die Gesrmmtzahl der Schüler aller Kategorien (ausschließlich der Kleinkinderbewahranstaltenj 28,030 und erreichte somit nicht ganz die im Jahre. 1871 festgestellte Verhältnißziffer der schulpflichtigen Kinder von 12 Vs pCt. der Bevölkerung. Die Zahl der jüd. Schüler aller Kategorien betrug 2630 9,39 pCt. der Gesammtschulenzahl. Von diesen besuchten die öffentlichen Elementarschulen 367, die höheren Anstalten 1327, die privaten Elementarschulen 220 ldarunter in jüdischen Elementarschulen 144), die privaten höhern Anstalten 716. Es besuchten hiernach von jüdischen Kindern überhaupt niedere Schulen 587 Kinder oder 2 pCt. aller Elementarschulen der Stadt, dagegen höhere Anstalten 2043 oder 25 pCt. der Gesammtzahl, was wiederum eine eclatante Bestätigung für die überwiegende Frequenz der höhern Unterrichtsanstalten seitens der Juden bietet. Was nun speciell die Betheiligung an dem jüdischen Religionsbeziehungsweise dem hebräischen Sprachunterricht anlangt, so ist dieselbe allerdings eine verhältnißmaßig nur geringe. Die beiden Religionsunterrichtsanstalten der Synagogengemeinde haben durchschnittlich zusammen kaum mehr als 450 Zöglinge, obwohl sie einen Ausgabeetat von circa 12,000 Mark bedingen, da jeder der beiden Dirigenten nur allein 3000 Mark Gehalt bezieht. Die geringe Frequenz hat neben dem Jndifferentismus wohl hauptsächlich ihren Grund in dem mangelnden Zusammenhang dieses Unterrichts mit dem Organismus der öffentlichen Schulen. Was diese selbst anbelangt, so wird hier zur Zeit nicht blos in Len beiden städtischen höhern Töchterschulen und in zwei höhern Bürgerschulen »früher sogenannte Mittelschulen, mit der Berechtigung zum Freiwilligendienst), sondern auch in dem confessionslosen Johannis- und in dem evangelischen Elisabethgymnasium jüdischer Religionsunterricht in je 6 und resp. 8 wöchentliche Stunden, also in etwa 3 resp. 4 Abtheilungen zu je 2 Stunden ertheilt. Auf dem evangelischen Gymnasium zu Marie Magdelena ist erst ein Anfang mit zwei Stunden gemacht; auf den beiden Realschulen besteht noch kein jüdischer Religionsunterricht; wird aber bei der bevorstehenden Etatsberathung beantragt und zweifellos beschloffen werden. Hiermit ist freilich nur für Las Allernöthigste gesorgt, und der Unterricht im Hebräischen bleibt immerhin dem Privatstudium Vorbehalten. Anstalten, wie die des Herrn Neustadt, sind aber am allerwenigsten geeignet, die geringe Neigung für dieses Studium in den Kreisen, wo es am meisten noch thut, in Aufnahme zu bringen. Sie sind eben trotz ihres scheinbar modernen Apparats ein Anachronismus, und ohne jede Lebensfähigkeit auf diesem Boden. — Vielleicht ist es nicht ohne Jntereffe zu registriren, daß in Schlesien, und speciell im Regierungsbezirk Breslau, vier Israeliten als Abgeordnete für den im nächsten Jahre zum ersten Male hier zusammentretenden Provinzial-Landtage gewählt! sind. Es sind dies der Sladtrath Prager in Liegnitz (für den Kreis Liegnitz», der Gutsbesitzer Dr. Friedländer und Dr. Jmi merwahr (für die Kreise Breslau und Neumarkt) und der Stadtverordnete Dr. jur. Honigmann für die Stadt Breslau, I, der letztere in Gemeinschaft mit dem Oberbürgermeister v. Forcken- 1 beck, dem Stadtrach und Kämmerer v. Meistern, dem Stadt-