Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 51 (14.12.1875)
- Date
- 1875-12-14
- Page
- Seite 822 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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822 Aendermrgen statt: Das Kaddisch vor Schmoneh - esreh Abends und nach der Thoravorlesung Morgens fiel aus, beide übrigens auch an Sabbathen und Festtagen, und die Schmoneh esreh werden nur einmal gesprochen, nämlich die beiden ersten Benedictionen und die Keduscha vom Chasan laut, dann von Allen die übrigen Benedicttonen leise, und nur dann, wenn in die drei letzten Benedictionen Etwas einzulegen ist, spricht diese der Chasan wieder laut. Am Freitagabend fallen Psalm 97—99 und in Lecha dodi die Strophen Mikvasch, Hisnaari, Lo-teboschi, Wehaju und Jamin aus, desgleichen die Wiederholung von Wajechullu. Am Sabbathmorgen werden die 7 ersten Sabbathpsalmen Vers um Vers gesprochen, jedoch am ersten Sabbath nur die ersten 4, am zweiten Sabbath die folgenden 3, und so abwechselnd Sabbath um Sabbath: die Psalmen 92 und 93 dagegen, weil schon am Vorabend gesprochen, fallen aus. — Mit den 7 Benedictionen zu Schacharis und Muffaf geschieht ganz wie mit den 18 alltagigen; und für fämmtliche Sabbathe, die nicht zugleich Festtage sind, wurden alle Pijutim abgeschafft. — Nach Schacharis wird blos das halbe Kaddisch gesprochen. — Wenn Hallet gesagt wird, am Sabbath und an den Festtagen, werden in Ps. 118 die Verse 21—24 und 25—29 einzeln und nur einmal zuerst vom Chasan und dann von der Gemeinde gesprochen. — Vor Wajhi binsoa werden Ps. 24, 9. 10 gesungen, auch an den Festtagen. — Der dreijährige Cyclus ist eingeführt, und zwar derart, daß im ersten Jahre bis 2 Mos. 18, 27, im zweiten Jahre bis 4 Mos. 10, 36 gelesen wird, wodurch wir drei Theile von gleichem Umfange erhielten und zugleich erreichen, daß im ersten Jahre Alles gelesen wird, was vor der Ankunft am Sinai geschah; im zweiten Jahre, was am Sinai, und im letzten Jahre, was nacb dem Abzüge vom Sinai. Bei der Eintheilung jedes Drittheils in sabbathliche Abschnitte und dieser in je 7 kleinere Theile wurde jede erforderliche Rücksicht beobachtet, auch die auf die verschiedene Zahl der fteien Sabbathe jedes Jahres; ein Verzeichniß aller so gewonnenen Paraschen und ihrer Unterabtheilung ist meinem in 2. Auflage erschienenen Gebetbuche beigegeben. Eine ebenso durchgreifende Aenderung hat auch das „Aufrufen" erfahren, nämlich alle 7 werden ohne Nennung ihres Namens gemeinsam aufgerufen, treten auf den Almemar in einen Halbkreis, und sagen gemeinschaftlich die Borbenediction; dann sagt der Chasan jaamod risch on, der Erste tritt heran, und ihm wird der erste kleine Abschnitt vorgelefen; dann tritt er in den Halbkreis zurück, der Chasan sagt jaamod scheni, der Zweite tritt heran, ihm wird der zweite kleine Abschnitt vorgelesen u. s. w.; am Schluffe der ganzen Parascha sprechen alle 7 die Nachbenediction gemeinschaftlich. Die Mi scheberach find abgeschafft. Kommen zwei Rollen zur Verwendung, so werden nur 6 gemeinschaftlich aufgerufen, der Siebente aber besonders und mit Namen, desgleichen sagt er dann die beiden Benedictionen für sich allein; bei Verwendung einer dritten Rolle wird auch der Sechste besonders aufgerufen. — An Stelle der herkömmlichen Haftora wird am Sabbath ein Capitel der heil. Schrift in Uebersetzung verlesen und erklärt; hierbei kommen aber nach und nach fammtliche Bücher der Sckrift zur Verwendung, soweit sie hierzu sich eignen, indem jedes Buch der Schrift ganz durchgenommen wird, meistens in einer langen Reihe von Sabbathen, ehe zu einem anderen Buche übergegangen wird. Die Nachbenedictionen der Haftora sind etwas gekürzt. An Sabbathen ohne Predigt folgt hierauf ein deutsches Gebet und alles Gelegenheitliche (Dank im Namen einr Wöchnerin, Namenerlheilung an Neugeborene, Worte für einen Bar-mizwa, Aufgebote, Nachrufe von in der Woche Verstorbenen u. dgl.>. — Nach dem „Einheben" werden gewöhnlich die Verse Ez-chajim hi u. w. gesungen, jedoch an Predigttagen eine deutsche Bearbeitung dieser Verse. Nach der Predigt ein ganz kurzer Choral, aus einer Sammlung, die einen Anhang meines Gebetbuches bildet. — Nach En kelohenu wird abwechselnd an dem einen Sabbath ein übersetzter Psalm, am nächsten Sabbath ein Gesangbuchslied von dem Geistlichen verlesen; die Psalmen und Lieder hierfür sind sehr sorgfältig ausgewählt, letztere auch stark überarbeitet, und eine Sammlung von beiden ist im Drucke erschienen. Auf diese deutsche Einlage folgt sogleich Alenu. Gottesdienst der drei Feste: für den ersten Abend ist an Stelle der Maarabos ein dem jedesmaligen Feste entsprechender deutscher Gesang eingelegt. Zum Schluffe wird am Vorabend aller „ersten" Festtage, sowie am ersten Neujahrsabend eine metrische Uebersetzung des Avon olam gesungen. In dem Morgen gottesdienst findet betteffs der Sabbathpsalmen, des Halle!, des Kaddisch nach Schacharis und nach der Thoravorlesung, sowie der 7 Benedictionen des Muffaf und des Psalms oder Gesangbuchsliedes nach En kelohenu Alles so statt wie am Sabbath. Andere Punkte aber sind verschieden, nämlich zwar sind alle Pijutim vor dem „stillen Gebet" für alle Festtage und selbst für Neujahr abgeschafft, desgl. alle Pijutim des Muffaf an den drei Festen; allein zu Schacharis der letzteren wurden sie theilweise beibehalten, und an een betteffenden Festtagen werden zu diesem Zweck die 7 Benedicttonen wie bisher zwei Mal gesprochen. — Der erste Psalm des Halle! wird an jedem ersten Festtage gesungen. — An den Festtagen, sowie am Neujahr werden wirklich nur 5 aufgerufen, 4 zum ersten Sefer, der Fünfte als Maftir zum zweiten Sefer; ebenso an Jom-Kippur 5 zum ersten Sefer, der Sechste als Maftir zum zweiten. Zur Haftora der Festtage und des Neujahrs werden entsprechende Psalmen oder sonstige fteigewählte Bibelstücke übersetzt und erklärt. — Zum Tal und Geschem tritt an die Stelle der Pijuttm ein deutsches Gebet des Geistlichen, das in die 2. Benediction eingelegt wird. — Viermal im Jahre (am Confirmationstage, am 1. Neujahrstage, zu Nila und an Simchas-tora) wird in Keduschas naarizcha jedes der 5 Responsen der Gemeinde zuerst hebräisch von den Männern, dann in Uebersetzung von der