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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-12-07 · Heft 50 (7.12.1875) · p. Seite 816

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 50 (7.12.1875)
Date
1875-12-07
Page
Seite 816 (sequence 12)
Language
German
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816 blondhaarige, blauäugige, deutsche Typen als ungarische bezeichneten. Bei dem gänzlichen Mangel an allen anderen derartigen ethnographischen Daten wird auch daS solcher Art gewonnene Resultat nur etwas bester als gar nichts sein; die Feststellung des echten magyarischen Typus wird jedoch nur auf Grund von den Daten, welche aus den bloß von Magyaren bewohnten Gegenden einlangen, bewerkstelligt werden können. Mit einem viel größeren, ja man kann sagen mit vollkommenem Vertrauen können wir die auf den deutschen Stamm bezüglichen Daten annehmen, nachdem es vorauszusetzen ist, daß jene vorwiegend von der Ofener Seite kommenden 5213 Schüler, die trotz der in dieser Richtung herrschenden Begriffsverwirrung doch als Deutsche eingeschrieben wurden, zweifelsohne auch diesem Stamme angehören. Am klarsten gestaltet sich das Ergebniß bei den Juden, bei denen durch den Umstand, daß die Religion mit der Nationalität zusammenfällt, eine Blutsvermischung oder ein Mißverständniß nicht recht möglich war. Mit Bezug auf die Hautfarbe ist zwischen den Ungarn und Deutschen kaum ein Unterschied zu bemerken, und ist die dunklere Farbe bei den Ungarn nur um ein Weniges mehr vorwiegend als bei den Deutschen. Unter je zehntausend Schülern waren von lichter Farbe unter den Ungarn 7790, unter den Deutschen 7840; hingegen dunkelfarbige bei den Ungarn 2210, bei den Deutschen 2160. Bei den Juden ist die Zahl der dunkelfarbigen schon größer, unter je zehntausend jüdischen Schülern befinden sich 3272 dunkle und 6728 lichtfarbige. Hinsichtlich der Haarfarbe wurden drei Kategorien angenommen, nämlich: schwarz, braun und blond; zu den letzten wurden auch die Rothen gezählt. Daß zwischen je zehntausend Magyaren 5093, mithin mehr als die Hälfte blondhaarige gefunden wurden, dürfte auf die schon früher erwähnten Vermischungen und Jrrthümer zurückgeführt werden können; bei dem echten magyarischen Typus würde das dunkle Haar überwiegend sein. Bei den Deutschen waren unter je zehntausend 5537 blond. Bei den Juden fand sich diese Haarfarbe am wenigsten, und zwar nur bei 2366 Individuen. Das braune und schwarze Haar kennzeichnet übrigens den jüdischen Typus, nachdem unter je zehntausend Schülern sich bei den Juden 7639, bei den Magyaren 4907 und bei Len Deutschen nur 4463 dunkelhaarige fanden. Der dunklere Typus der Juden fällt besonders auf, wenn man die rein Schwarzhaarigen in Betracht zieht. Solche fanden sich: unter je zehntausend Deutschen 336, Magyaren 574, unter den Juden hingegen 1943. Es scheint übrigens, daß die Rothhaarigen bei den Juden in größerer Zahl verkommen als bei den anderen beiden Stämmen. Wie wir schon erwähnten, haben wir hinsichtlich des rothen Haares keine directen Fragen gestellt; unter jenen 53 Fällen jedoch, in welchen dieser Umstand verzeichnet wurde, waren nur 12 Magyaren (0,17 Perzent), 16 Deutsche <0,30 Perzent), und 25 Juden l0,80 Perzent). Mit Rücksicht auf die Farbe der Augen wurden bei den Magyaren ebenfalls mehr Blauäugige ausgewiesen, als wir für wahrscheinlich halten würden, nämlich unter je Zehntausend 2916 und unter der gleichen Anzahl Deutschen 2934; bei den Juden hingegen ist Las blaue Auge seltener zu finden, nämlich unter je Zehntausend 1838. Graue Augen fanden sich bei je Zehntausend unter den Magyaren 2594, Deutsche 3064, Juden 2426. Braunäugige hingegen <zu welchen auch die Schwarzäugigen gezählt wurden) sind am wenigsten unter den Deustchen, etwas mehr unter Len Ungarn und die meisten unter den Juden. Es hatten nämlich braune Augen unter zehntausend Deustchen 4002, unter zehntausend Ungarn 4490, und unter zehntausend Juden 5736. Als ganz schwarzäugige wurden ausnahmsweise, nachdem man diesfalls keine Frage gestellt hatte, nur 35 gemeldet. unter welchen wieder die verhältnißmäßig größte Zahl bei den Juden zu finden war, nämlich 15 (0,48 pCt.), während unter den in größerer Anzahl befindlichen Magyaren ebenfalls nur 15 (0,21 pCt.) und unter den Deutschen gar nur 5 (0,10 pCt.) zu finden waren." — Soweit der Pester Bericht. Aus den bedeutenden Procentsätzen, welche die verschiedenen Farben auch bei der jüdischen Schuljugend bieten, ergiebt sich eben, daß diese Farbe kein sicheres Merkmal der Abstammung abgiebt. Vermischtes. Bei Gelegenheit des Todtenfestes findet sich in mehreren französischen Journalen eine Notiz über die früheren Beerdigungsstätten und Kirchhöfe von Paris. Es wird Labei erwähnt, daß bereits im Anfang des 18. Jahrhunderts (50 Jahre vor der ersten Uebertragung von Gebeinen in die Katakomben, die im Jahre 1785 stattfand) zwei israelitische Friedhöfe bestanden, der eine in der rue de Galande oder Garlande, der andere rue de la Harpe nahe bei der rue de Pierre 8arasein. An Stelle des letzteren befindet sich jetzt die Buchhandlung Hachette. Die „A. M. Zig." enthält unter der Ueberschrift: „Ein eigenthümlicher Bettler" Folgendes: „In Wilna fand vor einiger Zeit ein Leichenzug statt, an dem sich fast die ganze Bevölkerung der lithauischen Hauptstadt betheiligle. Der Mann war seinem Glauben nach ein Jude, seinem Stande nach Bettler. Sein Name war Moses Sligzol. Dreißig Jahre lang zog er Tag für Tag bei Kälte und Hitze in der elendesten Kleidung durch die Straßen Wilna's. Mit dem Rufe: „Denket der Armen, der Wittwen und Waisen!" hielt er jedem Begegnenden seine Sammelbüchse entgegen. Der Mann hatte in

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