Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1875)
- Date
- 1875-12-07
- Page
- Seite 815 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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815 Eine unserer besten Zeitungen brachte jüngst im Feuilleton einen senden Redacteur bedeutet und eines schönen Tages fand der Roman von Sacher Masock, übersetzt aus dem Französischen. Roman, anscheinend mitten in seiner Entwickelung — sein jähes War auch die Tendenz durchaus keine judenfeindliche, so waren . Ende. *) R. doch die darin gezeichneten jüdischen Zustande, wie sie wohl heutenoch im Innern Polens oder Rußlands bestehen mögen, ganz Eine Anfrage von welcher unser gesch. Herr Corresp. am . p x, , ö Lchluiie lemes Artikels iprach, ist uns bis netzt nicht zugekommen, dazu geeignet, falsche Vorstellungen über jüdisches Gesetz und! Redaction. Leben zu verbreiten. Wahrscheinlich wurde das dem betref-I I e lt i I Anthropologische Daten von den Schulkindern. Auch wir haben in diesem Blatte von den Bemühungen der deutschen anthropologischen Gesellschaft Notiz genommen, über die Farbe der Haut, der Augen und Haare der Schulkinder Erhebungen zu veranstalten, um daraus auf die in Deutschland ansässigen Völkerschaften schließen zu können. Der Reichskanzler hat diese Erhebungen in den Schulen angeordnet und.nur Sachsen enthielt sich derselben. Bei den betreffenden Aufnahmen sollten die Judenkinder eine besondere Rubrik ausmachen. Die Zählung umfaßte 760,000 Schüler, 89 Perzent des ganzen Standes nach der Schulstatistik. Blaue Augen besitzen 224,000 Schulkinder, graue 281,000, braune 255,000, vereinzelt 450 schwarze, 3 rothe, 1 blaues und braunes Auge zugleich. Blondes Haar haben 410,000 Schulkinder, 313,000 solches von brauner und 3700 von schwarzer Farbe; vereinzelt 192 roch, 74 weiß und 15 gelb. Die Haut ist bei 643,000 Schulkindern weiß, bei 177,000 braun. Es wurde beschloffen, diese Zählungen ivsgesammt nach 5 Jahren zu wiederholen. Wir äußerten von Anfang an, daß wir von diesen Erhebungen nur wenig sichere Resultate erwarten. Abgesehen von der vielfachen Vermischung der Völkerschaften untereinander, schien uns gerate die Farbe der Haut, Augen und Haare dem Wechsel am meisten unterworfen, und daher am wenigsten geeignet, dauerhafte charakteristische Abzeichen für die Racen abzugeben. So steht es fest, daß seitdem die Juden nicht mehr in abgeschloffenen Quartieren zusammenwohnen, sondern zerstreut unter der übrigen örtlichen Bevölkerung, die dunkle Farbe der Augen und Haare bedeutend bei ihnen abgenommen und sich in großem Maße zu braun und blond gelichtet hat. Es leuchtet dies ein, wenn man die zahlreichen polnischen Juden, die bekanntlich in großen Massen zusammenwohneu. wenn sie nach Deutschland kommen, hinsichtlich der Farbe mit den deutschen Juden vergleicht. So sieht man in abgeschloffenen Dörfern und Ortschaften bei allen Kindern eine und dieselbe Farbe der Haare und Augen, während nahegelegene, vielbesuchte Ortschaften bei Weitem größere Mannigfaltigkeit aufweisen. Ergiebt sich nun schon aus obigen Zahlen, daß sich nicht viel daraus wird schließen lasten, so meinen wir, daß Beobachtungen in kleinern Kreisen schon eher einige sichere Anhalts- (etoa punkte geben möchten. Dies kommt uns nun eben aus Pest zu. Es heißt in dem betreffenden Berichte im „P. L.": „Es lag der Gedanke nahe, daß Ungarn, wo so vielerlei Nationalitäten wohnen, für derartige ethnographische Forschungen ein viel dankbareres Feld bieten würde, als das fast ausschließlich von Einer Nation bewohnte Deutschland. In Folge dessen hat das hauptstädtische statistische Amt dcn Versuch gemacht, sich sowohl aus der Hauptstadt, wie auch aus anderen Theilen des Reiches diesbezügliche Daten zu sammeln. Nachdem ein größerer Theil der Lehrer diesem Ansuchen bereitwillig nachgekommen ist, so ist nun der treffliche Director des statistischen Bureaus, Herr Körösi, in der Lage, diese auf die hauptstädtischen Schulkinder bezüglichen Daten mitzutheilen. Die nachfolgenden Daten erstrecken sich nicht bloß auf die Volks-, sondern auch auf die Realschulen, demnach auf das Alter von 5—16 Jahren. Ausgenommen wurden im Ganzen 15,616 Kinder. Nachdem nur wenig slavische Kinder (zusammen 122) in den Schulen eingeschrieben waren, so erstrecken sich diese Daten nur auf jene drei Racen, die in der hauptstädtischen Bevölkerung am meisten vertreten sind, nämlich auf die ungarische, deustche und jüdische Race. Es muß bemerkt werden, daß man die letztere im Sinne des B irchow'schen Vorschlages und vom Standpunkte der Ethnographie aus, als selbstständige Race betrachten mußte. Unter den aufgenommenen fünfzehn Tausend befinden sich: 7136 Ungarn, 5213 Deutsche und 3141 Juden. Von jeder Race verfügen wir über genug Wahrnehmungen, um die sich aus denselben ergebenden Durchschnittsresultrte als richtig bezeichnen zu können. Es liegt auch nicht in den gemachten Wahrnehmungen, sondern in ganz anderen Ursachen, daß der Werth der auf die. ungarische Nationalitüt Bezug habenden Daten in hohem Maße herabgemindert wird. Dieses ist aber eine Folge des Umstandes, daß der magyarische Stamm in der Hauptstadt sich bereits in bedeutendem Maße mit anderen Stämmen vermischt hat; namentlich ist dieses der Fall zwischen den Ungarn und der eingeborenen, großentheils deutschen Bevölkerung; daß ferner bei der Feststellung der Nationalität viele Lehrer nicht den ethnographischen Begriff des Stammes, sondern den politischen Begriff vor Augen gehalten haben, und daß sie demgemäß viele 50*