Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1875)
- Date
- 1875-12-07
- Page
- Seite 814 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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814 Barnay's Stelle zum Secretar der hiesigen israelit. Religionsgemeinde gewählt. — In voriger Woche verschied hier der Sectionschef im Unterrichtsministerium, Herr Rani ge r, der die jüdischen Angelegenheiten zu bearbeiten resp. zu verwalten hatte. Die ungarischen Juden erleiden hierdurch einen großen Verlust, denn der Verstorbene hatte sich eine genaue Sachkenntniß für die verworrenen Angelegenheiten der ungarischen Judenheit erworben, und ihnen einen wahrhaft edlen Eifer gewidmet. Unsre Leser werden sich seiner trefflichen Denkschrift in der Rabbiner-Seminarfrage dankbarlichst erinnern. Frankreich. Paris, 26. November. «Privatmitth.) Aus den Berliner Blättern ersah man in Liefen Tagen, daß, als jüngst im deutschen Reichstag von den neuen klerikalen Universitäten in Frankreich die Rede war, der Abg. Reichensperger das alte Lied noch einmal sang: die katholische Kirche wolle die Wiffenschaft und die Religion, aber beide zusammen. Was für eine Wiffenschaft und was für eine Religion jedoch hierunter zu verstehen sei, das lehrt uns der jüngst bekannt gewordene Eidschwur, welche die Profefforen.der kathol. Universitäten vor ihrem Amtsantritt schwören muffen. Wir lernen aus demselben wieder einmal so recht den Charakter und die Tendenzen der ultramontanen Bestrebungen kennen, und mag deshalb dieser Eidschwur auch hier einen Platz finden. Er lauter: „Ich laste die heilige Schrift mit dem Sinne zu, welchen die Kirche ihr giebt und gegeben hat, der es zusteht, den wahren Sinn und die wahre Auslegung der heiligen Schriften zu beurtheilen, und ich werde sie niemals anders verstehen oder anders auslegen. als dieses die Kirchenväter einstimmig gelhan haben. Ich erkenne die römische, katholische und apostolische Kirche für die Mutter und Herrin aller Kirchen an. Ich schwöre und verspreche dem römischen Pontifex, Stellvertreter Jesu Christi, Nachfolger von St. Petrus, Fürsten der Apostel, auftichtigen Gehorsam. Ich bekenne mich auch gewißlich zu allen anderen, von der Tradition überlieferten, von den heiligen Canones und von den ökumenischen Concilen, insbesondere vom heiligen und geheiligten Concil von Trient ausgesprochenen Lehren; desgleichen verdamme, verwerfe und verfluche ich alle entgegengesetzten Lehren und alle Ketzereien, welche sie auch sein mögen, und die von der Kirche verdammt, verworfen und verflucht worden sind. Ich also, N. N., schwöre, verspreche und verpflichte mich, beständig und bis zu meinem letzten Alhemzug mit Hülfe Gottes die Integrität dieses wahrhaften Glaubens, des katholischen Glaubens, zu wahren und zu beobachten, außerhalb besten Niemand selig werden kann, und zu dem ich mich gegenwärtig aus fteiem Willen bekenne und den ich in voller Wahrheit besitze; ich schwöre und verspreche, ihn in Anwendung zu bringen, so viel es an mir steht, damit er von denen gepredigt, gelehrt und gewahrt werde, welche von mir abhangen oder die meiner Sorge unvertraut sind. So wahr mir Gott helfe und die heiligen Schriften, die ich mit meiner Hand berühre." Dies ist der Schwur eines Profestors der Wissenschaft in dem Lande von 1789! Die Spitze deffelben ist ebenso sehr gegen die Wiffenschaft selbst, wie gegen alle Humanität, Duldsamkeit und Glaubensfreiheit gerichtet. Wie kann man eine Doctrin noch eine Wiffenschaft nennen, die unbedingt in die engen Schranken des römischen Bekenntnistes und der römischen Inquisition gebannt ist! Und für eine solche Wiffenschaft sollen diese Professoren ihre Jünger gewinnen und sie daran feffeln! Alle anderen Meinungen, Lehren und Religionen sollen aber von solchem Professor verflucht werden, und sie müssen ihre Jünger zu einer gleichen Verfluchung anhalten. Sollten diese Universitäten und Professoren zahlreiche Zöglinge in Frankreich gewinnen, so läßt es sich gar nicht absehen, zu welchen furchtbaren Kämpfen und Bürgerkriegen das unglückliche Frankreich noch verurtheilt ist. Können aber die Vertreter des Ultramontanismus bei solchem Vorgehen noch immer behaupten wollen, sie spielten nur eine passive Rolle, sie seien nur die Angegriffenen und der Culturkampf nicht von ihnen provocirt — dies wäre eine Heuchelei mehr, da sie es sind, welche die ganze übrige Welt zum Kampfe herausfordern und in heftigster Weise angreisen! Holland. Geudriugeu, im Novbr. Die Synagoge zu Gendringen in Holland, die im Jahre 1874 durch Feuer zerstört wurde, ist durch ein anderes, sehr schönes Gebäude ersetzt worden, welches am 28. v. M. eingeweiht wurde. Die Fonds zur Wiebererbauung der Synagoge sind hauptsächlich durch Herrn vr. Buversloot, einem christlichen Geistlichen, gesammelt worden, der persönlich die Unterstützung sowohl der Christen wie Juden angesprochen hat, und in Amsterdam, wie in anderen Orten für die Beförderung der Sache sich bemüht hat. Schweden. Stockholm, im Nov. (Privatmitth.) Die Schandartikel der „Germania" und deren Genossen, mit ihrem eifrigen Bestreben, den finstern Geist des Mittelalters heraufzubeschwören, berühren auch uns schmerzlich, wenngleich wir in einem Staate leben, in welchem Aehnliches — trotz der unbedingten Preßfteiheit — Gottlob unmöglich ist. Ob darum, weil die Juden sich so ganz mit der Gesammtheit amalgamirt haben, oder dadurch, daß sie durch Redlichkeit im Handel und Wandel sich auszeichnen und mit ängstlicher Sorgfalt dafür Sorge tragen, daß mau nicht sagen könne: „Seht, so machen's die Juden", ob die Gemüthsart der Schweden solch' gehässigen Borurtheils unfähig ist, oder ob es der ganz geringen Anzahl der Katholiken zuzuschreiben ist, man verspürt hier nicht das mindeste Vorurtheil gegen Juden und Judenthum. Nur einen Beweis hierfür.