Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 50 (7.12.1875)
- Date
- 1875-12-07
- Page
- Seite 813 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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813 Die unbedeutende Thatsache, worauf sich das Gerücht von zerschnittenen Spritzenschläuchen zurückführt, besteht lediglich darin, daß zwei Tage nach dem letzten kleinen Brande am 3. Oclober ein Aubringerschlauch an einigen Stellen verletzt gefunden wurde. Nur in einer Behauptung hat der Artikelschreiber Recht, darin nämlich, daß bis jetzt nur bei Weitem nicht ausreichende Beiträge eingegangen sind. Ohne Zweifel sind an dieser beklagenswerthen Thatsache die gehässigen Insinuationen verschiedener Blätter nicht am wenigsten Schuld, La mit dem ersten Aussprechen derselben die milden Beitrage, wie vom Giftthau getroffen, plötzlich zu stocken begannen. Wir werden also für unsere armen Abgebrannten nur einer sehr traurigen Zukunft entgegensetzen können, wenn nicht reichliche Liebesgaben von Neuem deren Elend zu lindern bestrebt sind. Paderborn, 22. November 1875. Das C o m i t c." Born Rhein, 20. November. (Privatmitth.) Sie senden mir, Herr Redacteur, die Erklärung des Paderborner Bürgermeisters und Genoffen gegen meinen Artikel vom 4. November. Dieselbe wendet sich an eine ganz falsche Adresse, da die in jener Erklärung incriminirten Stellen fast wörtlich aus der Kölner Zeitung vom 3. November entlehnt waren. Erlauben Sie mir nur noch eine Bemerkung. Nicht jene Zeitungsartikel, die ja nach der eigenen Aussage der Herren hinreichend widerlegt worden sind, haben den Sammlungen für Paderborn Abbruch gethan, sondern der Umstand, daß die Einwohnerschaft dieser Stadt zum größten Theil einer Partei angehört, die beständig in der Verketzerung und Schmähung Andersdenkender und Andersgläubiger ihre Befriedigung findet. Was speciell uns Juden anbelangt, so scheut sich jene Partei nicht, bei allen Gelegenheiten für ihre Kirchenbauten, confessioneller Waisenhäuser und Spitäler unser Geld in Anspruch zu nehmen, und nichtsdestoweniger uns immerfort zu verunglimpfen. So ist auch diese Wendung, anstatt der viel einflußreichern Kölnischen Zeitung die Zeitg. des Jud. anzugreifen, ein Ausfluß echt jesuitischer Taktik, die sich aber dieses Mal nicht bewahrt hat, da nur einige ultramontane Zeitungen die Paderborner Erklärung gebracht haben. Homburg v. d. Höhe, 23. Nov. (Privatmitth.) Als mittheilenSwerth berichte ich Ihnen, daß ein in einer nahen größeren Synagogengemeinde mit großem Geräusche ausgetretener Jude, sich vor einiger Zeit in aller Sülle an den hiesigen Cultusvorstand gewandt, um sich einen Platz auf dem hiesigen Friedhose zu sichern. Sehr correct und tactvoll lehnte der Vorstand aber das Gesuch ab. — Ehe das neue in Aussicht stehende Gesetz vom preußischen Landtag beschlossen oder ausgeführt wird, müßten in dieser und in anderer Hinsicht gewisse Verabredungen von den preußischen Synagogengemeinden getroffen werden. —" L. Lehmann. Köln, 25. Nov. (Privatmitth.» Wenn ein hiesiger Correspondent die Behauptung mehrerer Blätter, daß bei der Stadtverordnetenwahl dritter Klasse viele Israeliten mit der ultramontanen Partei gestimmt hätten, in Zweifel zieht: so ist er meines Wissens nicht ganz im Rechte. Denn, wenn auch nicht „viele", so war es doch immer eine namhafte Zahl, die sich hierzu bestimmten, und zwar aus dem Motive, weil die hiesigen liberalen Parteien, an sich zersplittert und im Streite, doch darin übereinstimmen, die jüdische Bevölkerung bei Aufstellung ihrer Candidaten für die gedachten Wahlen ganz außer Beachtung zu lassen, und man ihnen deshalb erweisen wollte, daß auch sie einigen Einfluß auf die Wahlen üben, was bekanntlich, wo zwei große Parteien in ziemlich gleichem Zahlenverhaltniß sich gegenüberstehen, auch einer geringen Minorität leicht gelingt. Es versteht sich von selbst, daß hiermit selbst diese betreffenden Individuen sich von der liberalen Partei hiermit nicht losgesagt haben, sondern nur im gegebenen Falle ihr vermeintliches Recht staruiren wollten. Wir unsrerseits billigen dieses Bersahren durchaus nicht. In ruhigen Zeiten und bei einer an sich gewichtlosen Gelegenheit mag ein solches Manöver hingehen. Aber gerade unter den gegenwärtigen Umstanden, wo es darauf ankrm, zu erweisen, daß in der Metropole der Rheinprovinz auch in der dritten Klaffe die Liberalen in der Mehrheit sind, mußten unsere Glaubensgenossen jede andere Rücksicht unbeachtet lassen, und lieber als der leidende Theil erscheinen wollen, aber fest der Partei anhängen, zu welcher sie durch Gesinnung und Interessen gehören. Selbst der Umstand, daß die Liberalen sich untereinander befehdeten, kann sie nicht rechtfertigen, da das Princip über den Streitigkeiten hochgehalren werden muß, weil es für den, der es bekennt, auch die alleinige Wahrheit ist. Köln, 26. Nov. In der gestrigen Sitzung unseres Stadtraches machte der Herr Oberbürgermeister die Mittheilung, daß der kürzlich verstorbene Stadverordnete L. Eltzbacher a) 1500 Mark zur Vertheilung an hiesige Arme, l>) 6000 Mark zu Gunsten des Waisenhauses unter dem Namen „Eltzbacher Waisenhausstiftung", und c) 3000 Mark zu Gunsten der Taubstummenanstalt testamentarisch vermacht habe. München, im Nov. < Privatmitth.) In hiesiger Gemeinde ist eine Differenz zwischen dem Rabbiner Herrn vr. Perles und dem Ausschuß für den Cultus ausgebrochen. Der letztere will Reformen einführen, welche der Rabbiner nicht billigt, und der erstere beabsichtigt deshalb eine Art Plebisscit zu veranstalten, nämlich die Gemeinde selbst über die fraglichen Reformen abstimmen zu lassen. Man hofft jedoch noch auf einen Ausgleich. Oesterreich-Ungarn. Pest, 22. November. (Privatmitth.» Der Docent an der hiesigen Universität, Herr vr. Ignaz Goldzieher, als tüchtiger Orientalist in weiteren Kreisen bekannt, wurde gestern an 50