Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 49 (30.11.1875)
- Date
- 1875-11-30
- Page
- Seite 798 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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798 voll Freude über diesen plötzlich ihm gewordenen Schatz. packt seinerseits 100 M. als Maßer ein und sandte sie anonym an seinen Nachbar Hirsch. Solche Auge findet man in den mannigsaltigsten Nuancen reichlich im Midrasch, sowie in den delaillirten Gesetzesbestimmungen des Taldmuds. Wir würden gern sehen, wenn uns Aehnliches aus dem neuesten Leben unsrer Glaubensgenosienschaft mitgetheilt würde. Vermischtes. Zu dem Berichte aus Bona in Nr. 44 schreibt uns Herr Goldfahn aus Topolya, daß zu Ehren des R.Simon ben Jochai auch in Palästina, besonders in dem bei Zefath gelegenen Dorfe Merom, dem angeblichen Begräbnißorte des R. Simon, ein ganz ähnliches Fest, und zwar am Lag beomer gefeiert wirb. Ebenso schreibt S. Weintraub aus Neisse, daß die Chassidim in Rußland und Polen am Vorabend des Lag beomer in ihren Synagogen ein Fest begehen, indem sie die fünf Bande des Sohar, deffen Verfaffer nach der Tradition R. Simon ben Zochai sein soll, auf ben Almemor legen und in sabbathlichen Kleidern, bei Heller Beleuchtung des Gotteshauses, seine Hochzeit, welche am stattgefnnden haben soll, alljährlich durch Absingung des Liedes: "p-urs ■*snv’ -p t-ksk u. s. w., wie auch anderer Lieder, feiern. Endlich erhalten wir von Herrn Rabbiner l»r. Jovl in Krotoschin folgende Zuschrift: Ihre Vermuthung im Feuilleton zu Nr. 44 d. Ztg., daß das Fest der Israeliten in Bona (Algerien) zu Ehren eines gewiffen Simon, nicht an einem Sonnabend, sondern am Sonntag, den 23. Mai, auf welchen Tag Lag beomer fiel, gefeiert worden, und daß der Rabbi, deffen Andenken die Feier galt, nicht der zu den zehn Märtyrern gehörende R. Simon, sondern ein anderer Rabbi dieses Namens gewesen sein müßte, hat das Richtige getroffen. Auch in Palästina wird noch jetzt alljährlich der Todestag des R. Simon ben Jochai am Lag beomer gefeiert. R. Simon ben Jochai war bekanntlich einer der 7 Schüler, die den R. Akiba überlebten und den Kern des dritten Tanim-Geschlechts bildeten; er wird in der Mischna schlechtweg R. Simon genannt. Doch hätte das allein nicht genügt, ihm zu Ehren ein besonderes Fest zu feiern, allein es geschieht das, weil man ihn für den Berfaffer des Sohar, mithin für den eigentlichen Begründer der Kabbala hält. Namentlich wird der Todestag R. Simons an seinem Grabe in Liberias gefeiert: aus Nah und Fern strömen Volksmaffen herbei, und nachdem die Rabbinen den ganzen Tag über in einer Art von Capelle, die über dem Grabe erbaut und stets mit zahlreichen Lampen erleuchtet ist. aus dem Sohar gelehrt, wird der Abend durch ein solennes Festmahl gefeiert, denn der Todestag R. Simons wird in der Sprache der Kabbalisten, als Hindeutung auf deffen Verklärung und Eingang in das Reich der Ewigkeit, auch -psnc w »bibn (Hochzeitstag des Rabbi Simon) genannt. Wenn ich nicht irre, ist vor Jahren auch in diesem gesch. Blatte von einem Reisenden eine genaue Beschreibung dieses Festes gegeben worden. Krotoschin, den 8. November 1875. Der Stadtrath von Amsterdam hat einer neuen Straße den Namen „Montefiore-Straße" gegeben. Die Arch. isr. enthalten einen gutgeschriebenen Artikel von Ale;. Weill, in welchem dieser in Form eines Gespräches zwischen einer Dame und dem Verfaffer, den jüdischen Müttern in Frankreich die herbsten Vorwürfe darüber macht, daß sie die Lecrüre und Kenntniß der h. Schrift von der Erziehung ihrer Töchter gänzlich ausschließen. Diese Mädchen lernen die französische Geschichte, die so viele Beispiele der sittenlosesten Weiber enthält, genau kennen, aber von der erhabenen Geschichte ihres Stammes und Glaubens haben sie keine Ahnung; sie lesen Corneille, Racine und Victor Hugo, nicht minder Balzac, Sue, George Sand, Dumas Vater und Sohn — aber die h. Schrift sollen sie nicht lesen, weil darin einige unzarte Situationen Vorkommen, während die Bibel diese doch nur erzählt, um die Bestrafung oder Sühne jedes Vergehens und Lasters zu erweisen. In Frankreich sei es so weit gekommen, daß bereits die dritte Generation ohne Kenntniß der h. Schrift aufwächst, olso ohne zu wissen, warum sie denn Juden seien. Wir unsrerseits wünschen, daß gedachter Artikel nur der Anfang einer nachdrücklichen Bekämpfung dieses traurigen Zustandes sei. (Trib.) Aus Berlin. Der Wohlthättgkeitsfinn des Kaisers und der Kaiserin hat sich wieder einmal in dem nachstehenden verbürgten Falle gezeigt, der vor wenigen Tagen einen für die Betheiligten überaus fteundlichen Abschluß gefunden hat. Ein Kaufmann in Köln war vor einigen Monaten, gedrängt durch unglückliche Familienverhältniffe, in's Ausland gegangen und hatte seine Familie in bitterster Noth und Verlegenheit zurückgelaffen. Die Verwandten nahmen sich derselben nach Kräften in so weit an, als die zurückgebliebenen Kinder einzeln in die Familien ausgenommen wurden, um nach den jedesmal vorliegenden Berhältniffen erzogen zu werden. Ein Mädchen von 11 Jahren, wir wollen sie Sarah nennen, kam in das HauS ihres Onkels, des Kaufmanns S. in Köln. Der Letztere war nicht wenig erstaunt, als er eines Tages zum Präsidenten beschieden wurde. Ohne die geringste Ahnung davon zu habe», was der hohe Beamte von ihm wolle, eilte er zur Audienz und ward mit der Frage empfangen, ob er in seinem Hause ein kleines