Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 49 (30.11.1875)
- Date
- 1875-11-30
- Page
- Seite 794 (sequence 8)
- Language
- German
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794 Rumänien. Fokschany, 0. Nov. lPrivatmitth.) Am 24., 28. und 20. September wurde die öffentliche Prüfung in der hiesigen israelitisch-rumänischen Knabenschule abgehalten, die hier seit zwei Jahren besteht. Die Leistungen waren, besonders in der rumänischen, hebräischen und deutschen Sprache ganz ausgezeichnet und sprach sich der der Prüfung anwohnende Staatsschulrevisor in belobendster Weise aus. Auch unsre Schule gerieth vor einiger Zeit betreffs ihrer Existenz in’S Schwanken. Denn da sie bei allen Opfern, welche der Zionsverein für sie bringt, es einer Erhöhung der Steuer der Gabella bedurfte nm sie erhalten zu können, gab es in der Gemeinde Viele, die sich dem widersetzten, bis der für die Schule mit väterlicher Sorgfalt wirkende Präses, Herr Kremnitzer, durch seinen Einfluß die Aufregung beschwichtigte, so daß wir der Dauerhaftigkeit dieser segensreichen Anstalt ruhig entgegensehen können. In gleicher Weise wirken jetzt bereits solche Schulen in kleinern Provinzialstädten und machen den jüdischen Einwohnern derselben gewiß wahrhafte Ehre, da die staatlichen und städtischen Behörden sie nicht allein nicht begünstigen, sondern mit scheelen Augen ansehen. Um so betrübender ist es, daß in der Hauptstadt Bukarest die Knaben- und die Mädchenschule jüngst eingegangen sind. Die Ursache dieses unseligen Ereigniffes ist von der einen Seite die Ignoranz der rohen Maffe, von der man aber nicht vorausfetzen darf, daß sie aus Frömmelei gegen alle Bildungsanstalten feindlich gesinnt sei, denn in Rumänien hält die Maffe unsrer Glaubensgenoffen durchaus nicht an den überlieferten Satzungen und Bräuchen, die sie vielmehr um jedes materiellen Interesses willen aus den Augen setzt, sondern einfach wegen ihrer Unwissenheit. Andererseits ist es der wachsende Jndifferentismus der Reichen, welcher jedes Opfer für die Hebung der Glaubensgenoffenschast scheut und von sich abwehrt. Dieser zeigt sich nicht blos auf dem Gebiete der Volksbildung, sondern selbst in Sachen der Wohlrhätigkeit, wie z. B. in einer anderen größeren Gemeinde ein im Bau begriffenes Spital wegen Mangels an Geldmitteln unvollendet bleibt. Wer ist aber da, um diesen Jndifferentismus zu bekämpfen? — Am 4. Oktober, als in Czernowitz die hundertjährige Besitzergreifung der Bukowina durch Oesterreich glänzend und unter dem Jubel der ganzen Bevölkerung gefeiert wurde, erschienen die rumänischen Blätter mit schwarzem Trauerrande und klagten herzzerreißend über den Raub, der vor hundert Jahren an Rumänien begangen worden sei. Selbstverständlich wurden die Juden und die Deutschen als diejenigen bezeichnet und verlästert, welche diese Feier begingen, und wenn man einwandte, daß auch die rumänischen Großgrundbesitzer sich fteiwillig an der Jubelfeier und zwar in hervortrelender Weise betheiligr hätten, so erhielt man die Antwort: „Dies sind nur jüdisch-gesinnte Rumänen!" Man sieht, die Unterdrücker der Juden führen überall dieselbe Sprache. Für Alles, was ihnen zuwider ist, haben sie dieselbe Erklärung, die Urheber sind Juden und Judengenoffen. Diese Leute sehen übrigens nicht einmal ein, welch' schlimmes Zeugniß sie selbst sich damit ausstellen. Warum behandeltet Ihr, Rumänen und Polen, die Juden stets in einer Art, daß sie sich glücklich preisen müffen, unter österreichischer Herrschaft zu stehen? Irgend eine Abneigung gegen diese Nationalitäten hegen die Juden wahrlich nicht — übet gegen sie Gerechtigkeit und Humanität und sie werden sich Euch mit ganzer Seele anschließen! I. Freimann. Persien. Wien, im Novbr. Ueber die vor einiger Zeit gemeldete Verbrennung eines Juden in Hamadam (das Ekbatana der Alten) bringt die „Deutsche Zeitung" folgende genauere Details: Ein reicher Perser schuldete dem Rabbiner Chajim eine große Summe Geldes, und ein zufälliges Zusammentreffen von Gläubiger und Schuldner in einem Bazar bot dem ersteren Gelegenheit, auf endliche Tilgung der Schuld zu dringen. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel. Die allmälig sich sammelnde Menge fragte den Perser nach der Ursache des Streites, und da kam dem Schuldner plötzlich der Gedanke, sich seines Gläubigers zu entlevigen. „Hätte er mich beleidigt, so würde ich geschwiegen haben, aber er hat meinen Glauben, er hat den Propheten gelästert, da konnte ich nicht langer schweigen", war die Antwort, auf welche hin die Menge über den Rabbiner herzufallen und ihn zu ermorden Miene machte. Dieser flüchtete sich jedoch rasch in das benachbarte Haus eines reichen Persers, erzählte demselben den Vorfall und bat ihn um Schutz. Ueberzeugt von der Wahrheit des Gehörten, verbarg der Perser seinen Schützling in einem Zimmer des Hauses und ließ das Haus absperren. Als die Menge die Auslieferung des Flüchtlings verlangte, sprach der edle Mann: Erst bringt mir Beweise, dann werde ich ihn Euch übergeben. Die Menge aber erbrach gewaltsam das Thor, bald ward der Geflüchtete gefunden, auf die Gaffe geschleppt und gesteinigt. Der Leichnam wurde in der Stadt herumgettagen. Man trieb mit demselben Hohn und Spott und brachte ihn dann auf den Hauptplatz. Dort wurde Pulver in den Mund des Todten gefüllt und angezündet, so daß der Kopf in Stücke ging. Schließlich wurde ein Scheiterhaufen errichtet und der Leichnam verbrannt. Vier Juden, die bei dem Umzuge dem Mob zufällig in die Hände fielen, mißhandelte man und verletzte sie lebensgefährlich. Hierauf wurden mehrere Häuser der Juden gänzlich ausgeplündert, und schon war man daran, an einen Massenmord der Juden und Christen zu gehen, als die Behörde einschritt und weiteres Blutvergießen verhinderte. Die Juden der Stadt wollten eine Deputation an die Vertreter der Mächte in Teheran um Intervention abschicken, da sie glauben, bei dem Schah selbst — nichts erreichen zu können. (Diese letzteren Zweifel waren auch die unsrigen, selbst als die bereits mitgetheilte Depesche des persischen Ministers Huffein bei Herrn Crömieux in Paris anlangte.