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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-23 · Heft 48 (23.11.1875) · p. Seite 781

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 48 (23.11.1875)
Date
1875-11-23
Page
Seite 781 (sequence 11)
Language
German
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781 bewahrt, wofür seine patriotischen Verdienste, Thaten und Werke die sicherste Gewähr bieten. Mit dem Ausdrucke ausgezeichneter Hochachtung sind wir Ew. Hochwohlgeboren Budapest, 4. November 1875. Johann Kuklay. Johann Merö. Josef Puchor. Franz Dobos. Alois Scheider. Ignaz Schlesinger. Karl Wallenfeld. Ladislaus Szilvässy. Stefan Mendl. Adolf Schweiger. Der Borstand der Chewra Kadischa ersucht uns um die Veröffentlichung nachfolgender Erklärung: Sehr verehrter Herr Redacteur! Sie brachten gestern in Ihrem geschätzten Blatte die Nachricht, es habe das Abgeordnetenhaus darum Niemanden entsendet, der bei der Bahre des verewigten Eduard Horn sprechen sollte, weil daffelbe hierzu nicht aufgefordert wurde. Weil dies nun leicht als Borwurf der Unterlaffung gegen die Chewra Kadischa, welche die Leichenfeier arrangirte, gedeutet werden könnte, erlaube ich mir dem gegenüber zu bemerken, daß die Chewra Kadischa überhaupt Niemanden aufforderte, nicht auffordern konnte, weil es ihr doch unmöglich war zu wiffen, welche Körperschaft den Drang und das Bedürfniß empfinde, sich durch einen zu bestellenden Trauerredner vertreten zu laffen. Mit ausgezeichneter Hochachtung Budapest, 7. November 1875. Karl v. Goldberger, Präses. Die Witwe Eduard Horn's ersucht uns um die Aufnahme des folgenden Dankschreibens: Die überaus zahlreichen Beweise rührendster Theilnahme, welche mir und den lieben Meinen nach dem Tode unseres unvergeßlichen Gatten und Vaters Eduard Horn zu Theil wurden, machen es uns unmöglich, im Einzelnen unsere Dankesgefühl, auszudrücken. Möge es uns daher gestattet sein, im Wege der Blätter sämmtlichen Behörden, Vereinen und Personen, die uns an diesem Tage schwerer Prüfung durch ihre Theilnahme den ersten Trost gewährt, unfern tiefgefühlten Dank auszusprechen und die Versicherung hinzuzufügen, daß wir uns bewußt sind und bleiben werden der Pflichten, die uns dem Vaterlande gegenüber der Name Eduard Horns und die unbegrenzte Liebe, die ihm zu Theil wurde, auferlegen. Budapest, 8. November 1875. Witwe Louise Horn. Welch' allgemeiner Hochachtung der in so plötzlicher Weise dahingeschiedene M. A. Weiß sich in allen Schichten der hauptstädtischen Bevölkerung erfreute, bewies die große Theilnahme, welche sich bei dem um halb 4 Uhr Nachmittags stattgehabten Begräbniffe deffelben kunrgab. Acht Vereine, welchen der Verstorbene als Gründer und eifriger Protector angehörte, waren mit ihren Fahnen erschienen, die Zöglinge des Vereins zur Verbreitung der Handwerke und des Ackerbaues unter den Israeliten Ungarns, waren vollzählig, mit Trauerabzeichen erschienen. Nachdem der Sarg unter den erschütternden Wehklagen der Angehörigen aus der Wohnung in den Hofraum getragen und dort auf die Bahre gelegt worden war, bestieg Oberrabbiner vr. Kaysering die Trauerkavzcl und begann mit den Worten der heiligen Schrift: „Ein Opfer sollt ihr am Morgen bringen und eines bei Sonnenuntergang", eine die Verdienste des Verstorbenen in würdiger, die Trauer um seinen Verlust in ergreifender Weise schildernde Rede, welche die Anwesenden flies erschütterte. Der Redner gedachte der Verdienste des am Morgen gebrachten Opfers (Horn) und hob dann die erfolgreiche Wirksamkeit des Abendopfers (M. A. Weiß) um die Gemeinde, um die Vereine der Hauptstadt, um alle Armen und Leidenden hervor, welche sich an sein mildes Herz gewendet. — Der imposante Zug nahm den Weg über die Landstraße, hielt vor der Synagoge, wo ein Abschiedschoral abgesungen wurde, und bewegte sich dann über die Kerepescher Straße nach dem israelitischen Friedhof. polnische ßctilcr. Die „Posener Zeitung" enthielt jüngst einen Feuilletovartikel von Herrn S. Plocki, betitelt „Polnische Juden". Richtiger hätte der Berfaffer wohl „Polnische Bettler" sagen müssen; denn mit diesen, wie sie Deutschland, besonders die Provinz Posen überschwemmen, beschäftigt er sich in seiner Skizze. Es ist aber überhaupt nicht recht, die ganze jüdische Bevölkerung des russischen Reiches nach diesen polnischen Schnorrern, die ein armseliges müßiggängerisches Leben führen, zu beurtheilen. Jene zählen über 2',2 Millionen Seelen, und von diesen sind doch diese Bettler, selbst wenn wir sie zu einigen Tausenden anschlagen, doch nur ein kleiner Procenssatz. Herr Plocki sagt über dieselben nichts Neues; aber seine Schilderung giebt ein anschauliches Bild, und wir heben daher einige Stellen daraus hervor. .Wir können täglich schmutzig aussehende Juden bemerken, die mit langen, schwarzen Seidenröcken (Chlad), welche häufig die Stelle der Beinkleider mit vertreten müssen, hohen Schaftstiefeln, einem alten abgeschabten Hute, worunter die Ecken eines Käppchens hervorgucken, bekleidet sind. Besonders erkenntlich sind diese langen Gestalten an den starren Gesichtern, welche von mächtigen schwarzen oder rochen Bärten umrahmt sind, an einer stark hervorstehenden Nase und einem leuchtenden, grauen Augenpaare. Die Stirn liegt stets in Falten, damit sie den Denker verrathe, und zu beiden Seiten der Schläfen hängen lange Locken (Peies) herunter. Jahraus, jahrein finden wir sie so durch ganz Deutschland ziehend und besonders richten sie ihre Schritte nach 48*

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