Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 48 (23.11.1875)
- Date
- 1875-11-23
- Page
- Seite 780 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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780 trugen die Mitglieder des Vorstandes der Cultusgemeinde und des „Heiligen Vereins". Nachdem Obercantor Friedmann, begleitet vom Chor, in ergreifender Weife einen Choral gesungen hatte, bestieg der Prediger der Gemeinde, Herr vr. Samuel Kohn, die schwarzdrapirte Kanzel, um dem Dahingeschiedenen einen Nachruf zu widmen. In tiefer, sinniger und gefühlsvoller Weise schilderte der Redner die ausgezeichneten Eigenschaften des Verblichenen, den Fleiß, die Thätigkeit, den Patriotismus deffelben. die Kämpfe, die er durchgemacht, bis er jene hohe Stufe erklommen, auf welcher er bei seinem Hinscheideu gestanden. Er sprach über die Bedeutung des Verlustes und sagte u. A.: „Wir suchen Trost, aber wir finden ihn nicht, wenn nicht eben in jenem schmerzlichen Gedanken, daß es der Unserige war, mit dem wir so Vieles und so viel Unersetzliches verloren haben." Zum Schluffe wies der Redner auf die materielle Lage hin., in welcher die Familie des Verstorbenen geblieben, und sprach die Hoffnung aus, daß die Nation für dieselbe sorgen werde. Hierauf betrat Professor Bodnär die Tribüne und gab Namens der Theresienstädter liberalen Partei den Gefühlen der Trauer und des Schmerzes über das Hinscheiden des Deputirten des Bezirkes beredten Ausdruck. Nachdem dieser Redner geendet hatte, setzte sich der Zug in Bewegung, um den auf der Kerepeserstraße stehenden Leichenwagen zu erreichen. Voran schritten die Mitglieder des Vereins junger Kaufleute, sodann kamen hintereinander die Hörer der Universität und des Polytechnikums, der Honvedverein, die Freimaurer, die Wähler der Theresienstadt unter Vorantragung der Fahne, sodann der Sarg, getragen von Universilätshörern und gefolgt von der trauernden Familie: der Wittwe, den Kindern, Brüdern und Schwägern des Verstorbenen, und endlich der großen Zahl der Leidtragenden. Auf der Kerepeserftraße hatten inzwischen in ununterbrochener Linie die Kranken- und Leichenvereine vor dem Leichenwagen Aufstellung genommen. Es waren 24 Vereine erschienen, von welchen der erste bereits vor dem Bolkstheater, der letzte noch an der Ecke der Kerepeserstraße und Pfeiffergaffe stand. Der Sarg wurde in den von sechs Pferden gezogenen, mit vielen Kränzen und dem Honvsd- Tschako geschmückten Leichenwagen gehoben, und sodann setzte sich der riesige Conduct nach dem israelitischen Friedhof in Bewegung. Daselbst hatte sich ebenfalls eine große Menschenmenge versammelt, welche um das Grab herum einen Kreis gebildet hatte. Als der Zug am Friedhofe angelangt war, wurde der Sarg vom Wagen gehoben und von Studirenden zum Grabe getragen. Vor demselben hielten Paul Tenczer, der Jurist Franz Perzsey, welcher Namens der studirenden Jugend einen Kranz auf den Sarg legte, der Bruder des Verstorbenen, Herr Anton Horn, Redacteur des „Journal de St. Petersbourg" und Emerich Jv änka, Namens des Freimaurerthums, Reden. Ergreifenden Eindruck machte die Rede des Bruders, welcher ungarisch, deutsch und französisch sprach und insbesondere in letzterer Sprache der Witwe und den Kindern Trost zusprach und die Kinder aufforderte, im Geiste ihres Vaters gute ungarische Patrioten zu sein und zu bleiben. Unter Absingung des „Szözat" wurde der Sarg in die Erde gesenkt. Obercantor Friedmann sprach die üblichen Trauergebete, die Freunde und Verehrer warfen einige Schollen Erde in's Grab, — Eduard Horn war zur letzten Ruhe gebettet. Möge ihm die Erde leicht sein! * * Die Vertretung der gewesenen Falk-Partei ') der Theresienstadt har an die Witwe Eduard Horn's das nachstehende Beileidsschreiben gerichtet: Hochwohlgeborne Frau! Ein glänzender Stern verschwand vom Firmament des Vaterlandes! Er verschwand zu einer Zeit, als er im Zenith seines Glanzes stand, bevor er seinen ruhmvollen Kreislauf beenden konnte. Der unerbittliche Tod entriß aus der Reihe der Lebenden Herrn Eduard Horn, den ausgezeichneten Patrioten, Staatssecretär, Landtagsabgeordneten und berühmten Publizisten. Das Vaterland fühlt den großen Verlust seines treuen Sohnes, eS fühlt ihn das Land, in welchem er eine so hohe Stellung einnahm, es fühlt ihn die Wissenschaft, welche in ihm einen wackern Streiter verlor, es fühlt ihn Ew. Hochwohlgeboren, die des zärtlichen Gatten beraubt wurde, es fühlen den herben Verlust die Kinder, welche den unermüdlichen und besorgten Vater, Ernährer und ihre einzige Stütze verloren. Allgemein ist die Trauer und der Schmerz über das frühe Hinscheiven des Verblichenen, ebenso wie die Anerkennung jener Verdienste, die er sich im treuen Dienste für Vaterland und Menschheit errungen. Wir ergebenst Gefertigten, die wir uns bei Gelegenheit der letzten Landtags-Abgeordnetenwahl um die Fahne eines Andern schaarten, nehmen den innigsten Antheil an dem allgemeinen Schmerze, weil wir die Verdienste des Verstorbenen um das Vaterland anerkennen und würdigen, und wir wagen durch diese Zeilen unserer tiefgefühlten Theilnahme Ausdruck zu verleihen und unser großes Bedauern und tiefen Schmerz zu verdolmetschen. Möge Ew. Hochwohlgeboren in dem Schmerze ob des unersetzlichen Verlustes Trost darin finden, daß der Tod Ihres Gatten von Allen, ohne Unterschied der Confession und der polittschen Parteistellung tief empfunden und betrauert wird, und daß die Gegenwart und die Nachwelt das Andenken des Verstorbenen l) D. b. der Partei, die Lei der Deputirtenwahl für den Gegencandidaten Falk gestimmt hatte. Redaction.