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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-23 · Heft 48 (23.11.1875) · p. Seite 779

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 48 (23.11.1875)
Date
1875-11-23
Page
Seite 779 (sequence 9)
Language
German
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779 Schon voriges Jahr haben einige böhmische Rabbinen eine Petition an den Reichsrath gerichtet, gleich den christlichen Seelsorgern vom Staate subventionirt zu werden. Der Reichsrath gab damals die Petition an das Ministerium ab, und dieses ging im Wege der böhmischen Statthallerei die Landesjudenschafts- Repräsentanz um ein Gutachten in dieser Angelegenheit an. Da nun das Gittachten der Landesjudenschafts-Repräsentanz erst dieser Tage an die Statthalterei abgegangen ist, so konnte natürlich das Ministerium auch in Vas Budget sür 1876 keinen Posten zur Subventionirung von hülfsbedürstigen Rabbinen einfügen. Die Rabbinen, welche schon gern im nächsten Jahre eine Unterstützung erhallen möchten, werden daher neuerdings sich in einer Petition an den Reichsrath wenden. Abgesehen von der materiellen Seite der Sache wäre es gm, wenn die Subvention bewilligt würde, weil dadurch die Gleichberechtigung der Confessionen den deutlichsten Ausdruck erhalten würde. Preßburg, 14. Nov. Bon hier wird berichtet: „In Folge einer von der Cabinetskanzlei des Kaisers an den Borstand der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde gerichteten Depesche wird die Deputation, bestehend aus den Herren: Samuel Pappenheim, Leopold Abeles und Dr. Moriz Stern, behufs Ueberreichung der Martini-Gänse, nicht in Gödöllö, wie Anfangs bestimmt war, sondern in Wien am I I. d. M. vom Kaiser in besonderer Audienz empfangen werden." In der Thal hatten auch gestern die genannten drei Herren bei Sr. Majestät Audienz, in welcher sie nach alter Sitte zwei kolossale Martini-Gänse überreichten." (Wir wollten dieses Curiosum nicht übergehen, ca es zeigt, wie viel Werth auf die Erhaltung dieses alten Brauches von beiden Seiten gelegt wird.) I e ll i l l e t o II. Zwei Leichenbegängnisse in Pest. Wir entnehmen dem „Pester Lloyd" die Beschreibung zweier Leichenbegängnisse, die an einem Tage in Pest stattgefunden und zweien ausgezeichneten Israeliten galten. Wir wählen diesen Bericht und ziehen ihn eigener Correspondenz vor, weil er in dem genannten Blatte die öffentliche Stimme vertritt, und scheuen seine Ausführlichkeit nicht, weil er in gegenwärtiger Zeit vielfachen Angriffen gegenüber ein beredtes Zeugniß abgiebt. Die sonnigen Spätherbsttage wichen plötzlich einem düstern, feuchten November-Sonntag, der vollkommen zu den ernsttraurigen Pflichten paßte, welche die hauptstädtische Bevölkerung in ungewöhnlichem Maße zu erfüllen hatte. Ein Tag, welcher vom frühen Morgen bis zum späten Abend dazu gewidmet war, Männern die letzte Ehre zu erweisen, von denen der Eine, in eine hochwichtige Thätigkeitssphäre gestellt, und nun durch die unerbittliche Hand des Todes derselben entrissen, von dem ganzen Lande bettauert wird, während der Andere, wohl in engerem Kreise wirkend, doch Bedeutendes und Unvergeßliches leistete. In solchen Momenten hat die Undankbarkeit der Welt ausgehört. Jedermann nimmt Theil an der allgemeinen Trauer, und diese erhält dadurch den Charakter einer öffentlichen Beileidsmanifestation. Es war vorauszusehen, daß das Leichenbegängniß Eduard Horu'ö sich zu einer großen Trauerfeier gestalten werde. Der erste herbe Schmerz über den Verlust des verehrten Mannes war gemildert und abgeklärt, die Unmittelbarkeit der Empfindungen war, selbst bei den nächsten Angehörigen, sanfter, ruhiger Ergebung gewichen. Und wer die Tausenden und aber Tausenden überblickte, welche Kopf an Kopf zu beiden Seiten der Straßen, durch welche der Leichenzug sich bewegen sollte, Spalier bildeten, wer die stattliche Reihe der mit Trauerflor umhüllten Bereinsfahnen «es waren fast sämmtliche Vereine der Hauptstadt vertreten,', wer den reichgeschmückten, mit Kränzen bedeckten Leichenwagen sah, den überkam nicht wilder, tief ergreifender Schmerz, sondern — wenn man so sagen darf — ein gewisses Gefühl der Beruhigung darüber, daß der Sinn für alles Edle und Gute noch nicht ausgestorben, daß die Anerkennung sür unermüdliches Streben und Wirken in solchen Augenblicken uneingeschränkt sich kundgiebt. Die Tabakgasse war durch einen Kordon städtischer Trabanten abgesperrt und in dem weilen Raume zwischen dem israelitischen Cultustempel und dem Hußür'schen Hause versammelte sich die Elite der hauptstädtischen Gesellschaft. Bon Seiten des Ministeriums waren anwesend: Ministerpräsident Koloman Tißa, die Minister Tröfort, Perczel, Simonyi, Szende, Pechy, die Staatssecretäre Baron Kemöny, Csemegi und Tanürky. Das Abgeordnetenhaus war durch zahlreiche Abgeordnete, den Präsidenten Ghyczy und Bicepräsiventen Bün6 ander Spitze, vertreten. Das hauptstädtische Municipium vertraten der Oberbürgermeister Karl Rüth, Bürgermeister Kammermayer, der Magistrat und eine große Zahl hauptstädtischer Repräsentanten. Bon Seite der Handelskammer, der Börse und vieler anderer Körperschaften waren die Präsidenten erschienen; von Seite des Handelsministeriums nahezu sämmtliche Beamte. Die Wähler der Theresienstadt waren durch Deputationen vertreten, der Fahnenträger der liberalen Partei trug die umflorte Seidenfahne, welche die Wähler dem Berstorbenenen nach dem letzten Wahlsiege verehrt hatten. Um 9 Uhr wurde der Sarg — über und über mit Kränzen geziert — vom Katafalk gehoben, durch den Tempelhos in die Tabakgaffe, und von dort in die Mitte des kolossalen, von Tausenden von Menschen gebildeten Ouarres getragen. Den Sarg 48

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