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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-23 · Heft 48 (23.11.1875) · p. Seite 777

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 48 (23.11.1875)
Date
1875-11-23
Page
Seite 777 (sequence 7)
Language
German
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Möglichkeit der Ausführung bei selbst geringern Mitteln, wie durch ihre treue Wiedergabe der tradirten Melodien und die dadurch erreichte Gemüthsfülle sich auszeichneten, und dem geordneten Synagogencultus die größten Dienste leisteten. Kohn war auch ein eifriger Verbreiter der Erzeugnisse der jüdischen Literatur und Presse, und gewann sich auch die Herzen durch seine unermüdliche Wohlthätigkeit. Herr Rabbiner Dr. Perles gedachte seiner in den ehrenvollsten Worten am Schluffe seiner Schemini-Azeres-Predigt, und an seinem Grabe sprachen die Herren P. Kunreuther und der Gemeindevorstand Advocat vr. Aub. Gumbinnen, 12. Nov. (Privatmitth.) Der humane Geist, der in unserer städtischen Verwaltung zum Ausdruck kommt, wird wohl schwerlich in öfterer Wiederholung anzutreffen sein, darum erfülle ich bloß eine Pflicht der Anerkennung, wenn ich es hier öffentlich ausspreche. Die Befreiung des jüdischen Cultusbeamten von den städischen Abgaben, um welche an vielen Orten noch so schwer gerungen wird, und welche im Allgemeinen noch so sporadisch sich zeigt, ist hier bereits seit Jahren anerkannt. Ueberhaupt ist der jüdische Cultusbeamte der christlichen Geistlichkeit in nichts nachgesetzt. Sämmtliche städtische Schulanstalten stehen ihm zur Benutzung für seine Kinder unentgeltlich offen. Außerdem waltet in diesen Schulen selbst die strengste Vorurtheilslosigkeit, und von Seiten des Herrn Gymnasialdirectors wurde auf mein Gesuch den jüdischen Schülern nicht bloß Dispens vom Schreiben am Sabbath ertheilt, sondern man war sogar so einsichtsvoll, eines einzigen jüdischen Primaners wegen, die Stunden, in welchen das Schreiben unbedingt nölhig, auf einen der Wochentage zu verlegen. Gewiß, ein Verfahren, das in seiner Loyalität nicht ungewürdigt bleiben darf. Es waren eigenthümliche, wenn auch gerade nicht befremdende Worte, die ich jüngst Gelegenheit hatte von einigen Missionären zu hören, die mich mit ihrem Besuche beehrten. Gewiß, es lohnt der Mühe nicht von der Erbärmlichkeit der Beweisführung zu berichten, mit welcher diese Herren Propaganda für das Ehristenthum zu machen suchen. Immer sind es die bekannten Jesajasverse, die da herhallen müffen, wenn schon alles sonstige Material als unhaltbar zurückgewiesen. Nun wäre nur noch vielleicht die Berbiffenheit übrig, mit welcher man über den armen Talmud herfällt, indem man mit der Vernichtung von dessen Autorität, dem Judenthume den Lebensodem ausgeblasen zu haben wähnt. Als ich im Laufe des Gespräches die Leutchen darauf hinwies, wie viel näher es ihnen doch liege, sich der verirrten Schafe der eigenen Heerde zuzuwenden, als wie nach auswärts hin so viel unnütze Mühe und Geldopfer zu verschwenden; — daß die Stöße, die das Christenthum in neuerer Zeit in seinem innersten Wesen erfahren, die Vertreter desselben vor allem Andern daran mahnen sollte, darüber zu wachen, daß die entstandenen Riffe sich nicht erweiterten, — konnten die Herren — was eigenthümlich genug — sich durchaus keiner Spaltung in Mitte der christlichen Religion entsinnen. Strauß und Renan nicht mehr als Christen, sondern als Heicen betrachtend, meinte der eine der Ehrenwerthen, welcher, beiläufig bemerkt, getaufter Jude ist: „Mehr als Strauß und Renan unserem Ehristenthum geschadet, haben es Philippson und Geiger gelhan." — Wie denken Sie hierüber, Herr Redacteur? Moritz Scherbel. (Man müßte eigentlich vorauösetzen, daß diese Herren es besser wiffer müßten, als wir. Aber es frägt sich doch zunächst, welches Ehristenthum sie meinen, und inwiefern und wodurch sie es von uns geschädigt glauben? Wir sind uns unseres Strebens und der Sittlichkeit der von uns angewandten Mittel zu sehr bewußt, um nicht auch die Verantwortlichkeit für die Wirkung zu übernehmen. Redaction.) Oldenburg, 4. Nove. Nachdem der neuernannte Landesrabbiner, Herr vr. Glück, am 20. v. M. durch den Herrn Geheimen Staatsrath und Präsidenten des Oberkirchenraths, vr. Runde, vereidigt und in sein Amt eingeführt worden, hielt derselbe am Sonnabend, den 30. v. M., in der hiesigen Synagoge vor der zahlreich versammelten Gemeinde seine Antrittsrede. Dieselbe wird durch den Druck veröffentlicht. Wolffenbüttel, 8. Nov. (Privatmitth.) In der Eorrespondenz von hier in Nr. 45 befindet sich eine Stelle, die leicht mißverstanden werden könnte. Die Worte sind vielmehr so zu verstehen, „daß die Samsonschule ursprünglich für 15 arme Zöglinge gegründet war, jetzt sind aber neben diesen zwei Drittel aller vorhandenen Zöglinge zahlende Pensionäre, Söhne bemittelter Familien, welche dort eine sorgfältige Pflege und Erziehung und eine höhere wissenschaftliche Ausbildung genießen/' Breslau, im Nov. (Privatmitth.) So wenig Berichte über Schulprüfungen den beengten Raum dieses Blattes beanspruchen dürfen, so gestatten Sie wohl die Erwähnung einer solchen, weil sie dem Fortbestände der Anstalt nützlich sein möchte. Am 18. October fand die öffentliche Prüfung der „hebräischen Unterrichtsanstalt" des Vr. P. Neustadt allhier statt, und bezeugte die trefflichen Leistungen dieser sünfklassigen Schule, welche den hebräischen Unterricht vom geläufigen Lesen bis zur Gemara umfaßt. Dieselbe zählt jetzt 78 Schüler, von denen 20 freien, 24 halbsreien Unterricht genießen; und doch wird die Anstalt durch freiwillige Spenden erhalten. Die Stadt giebt Local, Beheizung und Beleuchtung frei, die jüdische Gemeinde zahlt einen jährlichen Beitrag von 60Thalern, die Einnahmen beliefen sich auf 1517 Mark, die Ausgaben auf 1670 Mark. Es ist der Wunsch des Vr. Neustadt, wenigstens einen solchen Fond zu erhalten, daß er einen definitiven Lehrer anzustellen vermöchte, und wird er dies durch Bildung eines Schulvereins zu bewerkstelligen versuchen. Wir wünschen ihm vom Herzen den besten Erfolg, den seine eifrigen Bestrebungen wohl verdienen. — Eine Bemerkung, welche vr. Neustadt in seinem veröffentlichten „Achten Bericht" einem orthodoxen Blatte folgend, macht, müffen wir hier bestreiten. Es ist ein eigenthümlicher Zug der jüdisch-orthodoxen Presse, die religiösen Zustände der Juden recht schlimm zu schildern, und es

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