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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-16 · Heft 47 (16.11.1875) · p. Seite 762

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 47 (16.11.1875)
Date
1875-11-16
Page
Seite 762 (sequence 10)
Language
German
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162 Feuilleton. Eduard Horn. Eine der prägnantesten jüdischen Persönlichkeiten unserer Zeit, seinem wechselvollen Lebensgange, wie seinen verschiedenartigen Bestrebungen nach war Eduard Horn. Wenn wir daher auch in unsrem Hanptblatte bereits eine biographische Skizze gegeben, so glauben wir doch, um ein markirtes Bild des Heimgegangenen zu fixiren, hier noch eine solche, wie sie der „Pester Lloyd" entworfen hat, mittheilen zu muffen. Eduard Horn ist heute nach langem schweren Leiden verschieden. Nachdem die Aerzte schon seit einigen Tagen übereinstimmend die höchst bedenkliche Wendung der Krankheit constalirt hatten, war seit gestern eine außerordentliche Schwache eingetreten, welche heute in erschreckendem Maße zunahm. — „Ich bin verloren", hauchte der Kranke wiederholt, während er sich unter furchtbaren Schmerzen wand; aber er blieb bei vollem Bewußtsein fast bis zu jenem letzten Momente, als er — es war gegen 5 Uhr Abends — in den Armen seines Arztes noch einmal auffeufzte; dann brach das Auge, das Herz stand still, — es war vorüber'. Bor etwa fünf Wochen — am 25. September — hatte Eduard Horn sein fünfzigstes Lebensjahr beschlossen, und wenn er auf dieses halbe Jahrhundert seines Erdenwallens zurückblickte, mochten es nur äußerst wenige freundlichere Momente sein, bei denen seine Erinnerung mit Behagen verweilen konnte. Am 25. September 1825 wurde Horn in Waag - Neustadtl geboren; er war der Sohn jüdischer Eltern und hieß eigentlich Ignaz Einhorn. Den ersten Unterricht genoß er im Hause seines Vaters, welcher Kaufmann war, und erst mit dreizehn Jahren besuchte Horn in Neutra, Prag und Preßburg jüdisch-theologische und lateinische Schulen. Noch während seiner Studienzeit erwachte in ihm der Drang zu literarischer Thätigkeit, und die Bekanntschaft mit Adolf Neustadt, welcher damals die „Preßburger Zeitung" redigirte, bot Horn die erste Veranlaffuvg, die journalistische Laufbahn zu betreten. Er schrieb außerdem für vie „Zeitung des Judenthums", für bas in Leipzig erscheinende Blatt „Orient", für die „Pester Zeitung", und als kaum zwanzigjähriger Jüngling auch schon für einige ungarische Blätter, in denen er besonders die Judenemancipation verfocht, welche durch das für die gesammte Menschheit glühende Herz Josef Eötvös' immer und immer wieder auf die Tagesordnung gesetzt wurde. Diesem edlen Vorkämpfer der Gleichberechtigung der Israeliten widmete Horn seine erste selbstständige Schrift: „Zur Jadenfrage in Ungarn", welche 1847 in Ofen erschien. Gleichzeitig mit dieser literarischen Thätigkeit brachte Horn auch auf jüdisch-religiösem Gebiete die der Mehrzahl unseren Lesern wohlbekannte Reformbewegung in Fluß. Am 1. April 1848 begründete er hier in Pest die Wochenschrift „Der ungarische Israelit", welche als Orgarn der Reformpartei galt, deren Seelsorger Horn wurde. Wer so freisinnig wie er über religiöse Dinge dachte, der konnte wohl auch auf politischem Gebiete keiner anderen, als einer entschieden fteiheitlichen Richtung huldigen, und so schloß sich denn der kaum vierundzwanzig Jahre alte junge Manu mir der ganzen Begeisterung seines jugendlichen Herzens dem ungarischen Freiheitskampfe an, zuerst in der Hauptstadt, und nachdem hier die kaiserlichen Truppen eingezogen waren, 1849 in Komorn, wo ihn Klapka zum jüdischen Feldpater mit Hauptmannsrang ernannte. Kraft dieses seines Officiersranges wurde ihm nach der Capitulation von Komorn am 5. October 1849 sogenannter „freier Abzug" gestattet. Allein gleichzeitig begann gegen ihn, ganz im Geiste der damaligen Zeit, eine Hetze, die den armen jungen Mann nun Jahre hindurch nirgends mehr zur Ruhe kommen ließ. In Waag - Neustadtl, im Hause seiner Eltern, wohin er sich zuerst begab, erhielt er die Nachricht, daß seine Freiheit gefährdet sei; er eilte nach Wien und schrieb dort eine Zeit lang für den „Wanderer", der ihn gerne in die Reihe seiner stabilen Mitarbeiter ausgenommen hätte, wenn der Civil- und Militärcommandant der in Belagerungszustand befindlichen Residenz das Verbleiben Horn's in Wien geduldet hatte; das war aber nicht der Fall, und Horn mußte nach Prag flüchten. Auch dort hatte ihn jedoch die Polizei rasch ausfindig gemacht, und nun blieb ihm nichts Anderes übrig, als über die Grenze zu gehen. Im März 1850 kam er nach Leipzig. Dort erschien seine Flugschrift über „Arthur Görgey", welche sich einer so günstigen Aufnahme seitens des Publicums erfteute, daß der Verleger Herbig sofort eine neue Schrift Horn's „Zur ungarischösterreichischen Centtalisationsftage" herausgab, und die weltbersihmte Firma BrockhauS Horn als stehenden Mitarbeiter für ihr periodisches Werk „Die Gegenwart", sowie für das Conversationslexikon engagirte. Während Horn durch diese literarischen Arbeiten seine Existenz zu fristen bemüht war, arbeitete er zugleich unablässig an seiner eigenen Ausbildung, hörte unter Roscher Nationalökonomie, trieb nebenbei Philosophie und legre 1852 die Früchte dieser Studien in einer sehr bemerkenswerlhen Schrift „Spinoza's Staatslehre zum erstenmale dargestellt" dem Publicum vor. Sein etwas ftüher erschienenes und auch sofort confiscirtes Buch über Ludwig Koffuth hatte jedoch neuerdings die Augen der österreichischen Polizei auf ihn gelenkt, und da diese durch ihren Generalconsul Grüner in Leipzig und durch Herrn v. Beust in Dresden auch auf sächsischem Boden ziemlich allmächtig war, sah sich Horn alsbald von der Auslieferung an Oesterreich bedroht. So war ihm denn auch der Aufenthalt in Sachsen verleidet, und ec mußte wieder zum Wanderstabe greifen; weiter und immer weiter hinweg ging's von der Heimach. Im December 1851 kam Horn in Brüssel an, voll begreiflicher Bitterkeit über die niederttächtige Verfolgungswuth der österreichischen Polizeiorgane, welche ihn von jedem Orte, wo er sich buchstäblich im Schweiße

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