Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1875)
- Date
- 1875-11-16
- Page
- Seite 761 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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761 und hauptsächlich seine gewissenhafte Hingabe für jeden Gegenstand, dem er sich unterzog, bildeten die hervorragenden Züge des Verewigten, und ich glaube, daß Dr. Soloweilschik die Ehre unserer Versammlung ausmachte. (Rufe: Bravo! Bravo!) Deshalb erlaube ich mir, meine Herren, zu glauben, daß Sie alles von mir Gesagte theilen und Ähren Bürgermeister bevollmächtigen werden, der Wittwe des Hingeschiedenen das tiefste Beileid, im Namen der Stadt, über Len Verlust, den unsere Commune in der Person von Emanuel Soloweilschik erlitten, auszudrücken, und Sie werden dadurch die Verdienste eines unseres besten Vertreter der Stadt anerkennen." Die Versammlung nahm den Antrag des Bürgermeisters an und beschloß darüber ein besonderes Protocoll auszufertigen. Den 19. October fand in der Hauptsynagoge, um 12 Uhr Mittags, eine Trauerfeier für den verewigten Dr. Soloweilschik statt. Eine überaus große Versammlung füllte den prachtvollen Tempel, der feierlich erleuchtet und mit Trauerflor decorirt war. Unter den Anwesenden erblickten wir Se. Excellenz den Gouverneur der Stadt, Geheimrath Bucharin, den Stellvertreter des Bürgermeisters, Staatsrath Marasly, eine große Anzahl Stadtverordneter, die Mitglieder der MunicipalitLt, viele Vertreter des medicinischen Corps, Profefforen, Juristen, Lehrer, die Zöglinge des Waisenhauses und der Talmud-Thora und die achtbarsten Mitglieder unserer Gemeinde. Nach dem Vorträge eines passenden Psalms betrat der Gehülfe des Stadtrabbiners, Herr Mandelkern, die Kanzel und hielt die Gedächtnißrede in russischer Sprache. Hierauf sprach Dr. Schwabacher das Kavdischgebet. Mit einem Choräle wurde die Feier geschloffen. Wir können uns nicht versagen, an dieser Stelle den Aufsatz des. „Odessrer Boten", eines nicht judensreundlichen Organs, das s. Z. in Rischus sich hervorgethan hat, anzuführen: „Die Nachricht vom Tode des Dr. Soloweilschik, des Mitgliedes des Odeffaer Stadtrathes, hat in der Stadt eine große Sensation hervorgebracht. Unsere städtische Gemeindeverwaltung hat in seiner Person einen bedeutenden Verlust erlitten. Er war ein Mann von seltenen Geistesanlagen, solider Bildung, Energie und Fähigkeiten. Als guter und tüchtiger Arzt war er in weitem Kreise durch seine Specialitrt bekannt. Als Vertreter der Stadt handelte und sprach er überlegt mir voller Beherzigung der Gemeindeintereffen und sein Wort galt viel und hatte Einfluß und Gewicht in den Versammlungen, ohne zu bemerken, in den Fragen seiner Specialität, was selbstverständlich ist. Wir können in diesem Moment selbst nicht eine kurze Charakteristik seiner Thätigkeit über die Leitung der städtischen Wohlthätigkeitsanstalten geben (unter denen den ersten Platz das große städtische Hospital einnimmt). Aber in Anbetracht, daß der Verewigte durch seine geistigen Fähigkeiten hervorragt, können wir nicht umhin unfern Schmer; über den herben Verlust dieses gebildeten Vertreters der Stadt auszudrucken. In der letzten Zeit befand sich Dr. Soloweilschik in St. Petersburg, um im Aufträge unserer MunicipalitLt die städtische Anleihe von vier Millionen Rubel zu realisiren. Die Conditionen, die er fast erreichte (wir sagen fast, La dieses Geschäft noch nicht vollkommen abgeschloffen ist) sind für die Stadt sehr günstig snämlich der Cours der Obligationen »I pari mit Abzug 1 pCt. Commission.) Einige Stunden vor seinem Tode telegraphirte Dr. Soloweilschik, der bis zum letzten Augenblicke sich beschäftigte, folgendes : „Ich sterbe, schicken Sie einen tüchtigen Finrnzmann." Und der unerbittliche Tod hat einen energischen Mann der Stadt Odessa entrissen, — einer Stadt, in der so wenig fähige, für den städtischen Dienst hingebende Bürger sich be- Solche Worte in dem Munde des Redacteurs des „Odeffaer Boten" sind das schönste Zeugniß über das Wirken des früh Vollendeten! Orschansky und Soloweilschik, zwei Namen vom besten Klange! Zwei Namen, die aus den goldenen Blättern der neuesten Geschichte der Äuven Rußlands einen Ehrenplatz verdienen! Wie oben bemerkt, redigirte er die Zeitschrift „Zion", die viele treffliche Aufsätze aus feiner herrlichen Feder enthält. Auch dem „Djen", rem Nachfolger des „Zion", lieferte er Artikel, wie z. B.: „Zur Aufklärung rer jüdischen Frage", Ueber ras Project, die Juden mit rer Landbevölkerung zu vereinigen" und noch viele andere, die Beachtung verdienen. So sind uns im Laufe eines Monates zwei Männer vom Tode hingerafft worden, die ein Vorbild der nachstrebenden Jugend sein mögen! Unwillkürlich drangt sich uns die Frage auf, wer wird die Joseph Rabinowitsch's, Orschansky's, Soloweitschik's und dergleichen Männer ersetzen? Wersen wir einen Blick auf den Nachwuchs, so sehen wir ein kleines, winziges Häuflein, dem die Ehre und das Wohl Israels am Herzen liegt. Aber wir wollen nicht verzagen, und hoffen, daß die Vorsehung, welche die Wunde schlägl, sich andere Männer wählen wird, welche die Aufgabe ihrer Vorgänger erfassen und zu Ende führen werden. Dies walte Gott! Dem edlen, Hingeschiedenen Soloweilschik rufen wir: Friede seiner Asche! zu. L. T. 47