Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1875)
- Date
- 1875-11-16
- Page
- Seite 760 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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- Odesa 3× ep/1000834
- Mohel 1× ep/1006163
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Dieser erfreulichen Miltheilung sei nur noch vie Len jüngsten Bericht „vom Bcdensee" ergänzende Bemerkung beigefügt, daß die ultramontane „Ostschwei;" auf unsere Entgegnung sich bewogen fühlte, ihre judenfeindlichen Artikel ein zustellen und sich mir der sogenannten „Iudenfrage" nicht mehr zu befassen. Rabbiner l)r. Engelbert. Türkei. Rustschuk, im October. Bon hier berichtet man, daß Baron Hirsch ein Geschenk von 12,650 Francs für die israelitische Knaben- und Mädchenschule Hierselbst gemacht und 2400 Francs für beide Schulen jährlich auf drei Jahre zugesagt hat. Rußland. Odessa, I. November, i Privatmitth.) Noch ist die Todtenklage über den Heimgang des edlen Orschanskh nicht verhallt, noch ist die frische Wunde nicht vernarbt, so haben wir wieder den Hintritt eines Mannes zu betrauern, dessen, Name weit über die Marken seines Landes bekannt ist. Am min nnsa brachte der elektrische Funke des Telegraphen die traurige Botschaft von dem in St. Petersburg erfolgten Ableben des Dr. med. Emanuel Soloweitschik. Der Verblichene ging vor wenigen Wochen erst nach der Residenz, um im Aufträge unserer Municipalität, deren Stadtrath und Mitglied er war, eine Anleihe für die Stadt Odessa abzuschließen. Der Sohn achtbarer Eltern wurde Soloweitschik in Rossieny in Lithauen geboren, wo er frühzeitig in die Hallen der jüdischen Wissenschaft eingeführt wurde. Er wählte zu seinem Lebensberufe die Medicin, trat im Krondienst ein, erwarb sich mehrere russische Orden und den Rang eines Collegienralhes. Beim Ausbruch des orientalischen Krieges, ging er auf den Kriegsschauplatz nach der Krimm und unter der Leitung des weltberühmten Operateurs Prof. Pirogoff, arbeitete er in den Hospitälern und gewann sich die Liebe und Achtung seines humanen Vorgesetzten. Bor ungefähr fünfzehn Jahren ging er nach Odessa, wo er sich als practischer Arzt niederließ. Ein Mann, ausgerüstet mit vielen Kenntnissen und einem warmen jüdischen Herzen, trat er zuerst im „Raßwett" — dem ersten jüdischen Organ in russischer Sprache — hervor. Nachdem der „Raßwett" eingegangen war, übernahm er die Redaction des „Zion" mit einer streng wissenschaftlichen Richtung. Außerdem erschienen von ihm in den Localblättern meisterhafte Aufsätze, als Beiträge zur Lösung der unglückseligen jüdischen Frage. Lange Zeit hindurch bekleidete er die Stelle eines Oberarztes des christlichen Hospitals, und als ihn das Vertrauen seiner Mitbürger in die Municipalität berief, da zeigte es sich, welches Talent er als Administrator entwickelte. Er behielt die Leitung des Hospitals und der im vorigen Jahre erschienene Rechenschaftsbericht rief die Bewunderung aller hervor. Trotz seiner vielen Beschäftigung blieb er Eurator der Talmud-Thora und des jüdischen Waisenhauses, und erhob beide Anstalten zu Musteranstalten. Bei jeder Gelegenheit, wo es galt, Juden und Judenthum zu vertreten, sei es in Schrift oder Wort, da war Soloweitschik auf seinem Posten. Ein biederer Charakter, energisch und unabhängig, treu seiner Ueberzeugung, mit einem klarem Geiste und Blicke ausgerüstet, erfüllte er seine Pflichten mit seltener Pünktlichkeit. Dieser Mann, der die Seele unserer städtischen Verwaltung war, verschmähet es nicht, aus Pietät, als Mohel aufzutreten, und die Gelcer, die ihm dafür zugeschickt wurden, schenkte er dem jüd. Waisenhause, welche jährlich mehrere Hundert Rubel ausmachten. Die wenigen Mußestunden, die ihm vergönnt waren, widmete er der Wissenschaft und der Literatur. Der selige vr. S. war mehrere Jahre Vorsitzender der Handwerkerschule „Trud" und hat vieles zum Gedeihen dieser Anstalt beigetragen. Und dieser Mann ist im besten Lebensalter, — der Verewigte hatte erst das 45. Jahr zurückgelegt — von dannen gerufen! Fern von seiner Familie und seiner zweiten Vaterstadt, wo er gewirkt und gestrebt, ist er geschieben, aber die Bürger Ovefsa's werden ihm stets ein dankbares Andenken bewahren. Sowohl die hiesige, als die Petersburger Presse brachte ausführliche Nekrologe über den Dahingeschiedenen. Die Aerzte des städtischen Hospitals beschlossen, eine Marmortafel mit passender Inschrift zur Erinnerung und in dankbarer Anerkennung seiner Verdienste zu errichten. In der Versammlung der Stadtverordneten, am 13. Octbr., hielt der Bürgermeister Geheimrath Nowoßelsky folgende Rede, die mit Beifall ausgenommen wurde: „Meine Herren! Die traurige Nachricht, die uns der Telegraph aus St. Petersburg vom Ableben des achtbaren Milgliedes Ihrer Versammlung und des Stadtrathes l>r. Emanuel Soloweitschik brachte, ist Ihnen wohl bekannt. Sie, meine Herren, die den verewigten Soloweitschik zum Stadtrathe erwählt haben, wissen seine administrative Thatigkeit zu würdigen; aber in diesem Augenblicke halte ich es für meine Pflicht, vor Ihnen zu bezeugen, daß noch viel früher, im Jahre 1869, bei der früher« Municipalität, ich den Heimgegangenen Dr. Soloweilschik als Ordinarius unseres Hospitals geschätzt und meines besonder« Vertrauens würdig gefunden habe; ihm wurde die Leitung dieser großartigen, wohlthätigen Anstalt, des städtischen Hospitals, anvertraut. Die hohe Bildung, die Emanuel Soloweilschik besaß, seine Wißbegierde, die Lectüre und die Beschäftigung mit allem, was die Gemeindeintereffen betraf oder , in sein Ressort einschlug, zu dem er berufen war, seine Energie