Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 47 (16.11.1875)
- Date
- 1875-11-16
- Page
- Seite 758 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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758 reich geführten Kampf für Recht unv Fortschritt wieder aufzunehmen.!mcrx Vr Louis Lehmann. Oesterreich-Ungarn. Wien, im October. < Privatmitth.) Die „Prediger-Mann- Heimer-Stiftung für Rabbiner und Lehrer und deren Wittwen und Waisen" hat einen Bericht über ihre Wirksamkeit bis 1875 erlaffen. Die Stiftung hat ihr Capital von 4000 st. auf 20,100 fl. anwachsen sehen, und sind die Erträgniffe gewifsenhafl vertheilt worden. Es sind im verflossenen Zeitraum bereits 18 Rabbiner und Prediger, 78 Wittwen unv 2 Waisen und 70 Lehrer und 54 Lehrerswittwen mit größern und kleinern Summen, und zwar zusammen mit 14,7 50 st. unterstützt worden. Wer die Lage der jüdischen Cultusbeamten und Lehrer im großen Kaiserstaate kennt, wird zugestehen, daß diese Stiftung zu den wohlthätigsten und unentbehrlichsten Veranstaltungen gehört, daß sie jedoch noch einer außerordentlichen Erweiterung bedarf, um annähernd den Zweck der hochherzigen Stifter und dem Geiste dessen, mit dessen Namen sie geziert ist, entsprechen zu können. Um so mehr verdienen die Männer den aufrichtigsten Dank, die sich dieser Angelegenheit unermüdlich widmen. Pest, 3. November. Ungarn hat einen großen Verlust erlitten. Der Staatssecretär Eduard Horn ist nach vierzehnlägiger Krankheit «Darmverschlingung) verstorben. Um den Werih des Dahingeschiebenen unparteiisch zu zeichnen, geben wir einen Theil des Nekrologs wieder, welchen die „N. fr. Pr." ihm widmete, die nicht selten den Nationalökonomen Horn von ihrem Standpunkte aus zu bekämpfen hatte. Sie sagt: „Mit Horn ist einer der hervorragendsten Nationalökonomen Ungarns aus dem Leben geschieden, und die ungarische Regierung wird nur zu bald bei den bevorstehenden wirthschaftlichen Actionen fühlen, welche Kraft ihr entgangen ist. So gerechtfertigt auch in vieler Beziehung der gegen Horn wiederholt erhobene Vorwurf des Tectrinarismus sein mag, so ist doch andererseits unmöglich zu verkennen, daß ihn gerade sein reiches theoretisches Wissen zu der hervorragenden Rolle geschickt machte, die er seit seiner Rückkehr aus Frankreich in der Wirthschaftsgeschichte Ungarns gespielt. Wir waren selten in der Lage, mit Horn in wirthschaftlichen Fragen übereinzustimmen, und mehr als Einmal mußten wir die von ihm vertretene Auffassung bekämpfen; stets jedoch zeichneten sich seine Vorschläge, so sehr sie auch vom einseitigen ungarischen Sonverstandpunkle dictirt sein mochten, durch eine gewisse Kühnheit der Concepticn, durch bestechende theoretische Begründung aus und unterschieden sich dadurch vortheilhaft von den zum Theil geradezu absurden Forderungen anderer sogenannter Nationalökonomen. Mehr als Einmal zeigte es sich für den Fachmann in nicht zu verkennender Weise, daß Horn seine bessere wissenschaftliche Ueberzeugung, oft sogar seine Lieblingsideen (wie zum Beispiel seine Propaganda für die Bankfreiheit) der in Ungarn eben herrschenden Strömung zum Opfer brachte; die in der Schule Michel Chevalier's erworbene wissenschaftliche Disciplin behütete ihn aber aber auch in solchen Fällen vor Uebertreibungen und ließ immer die Möglichkeit einer Verständigung mit ihm offen, was von den anderen ungarischen Parteigängern leider nur selten gesagt werden kann. Wir haben daher allen Grund, den frühzeitigen Tod dieses Mannes zu bedauern, umsomehr . da dieser Verlust Ungarn in einem Momente trifft, wo die in den Vordergrund tretenden wirthschaftlichen Fragen eine fachmännische Leitung im Handelsreffort doppelt schmerzlich werden vermissen lassen. Eduard Horn wurde am 25. September 1825 in Waag- Neustadtl im Neutraer Comitate von jüdischen Ellern geboren. Er wendete sich zunächst dem Studium der jüdischen Theologie zu, erwarb das Rabbinerdiplom, gastirte 1847 in Ofen als Prediger, und wurde 1848 von der Pester Reformgemeinde zum Rabbiner und Prediger ernannt. Durch mehrere Journalartikel lenkte er in jener leidenschaftlich bewegten Zeit die öffentliche Aufmerksamkeit auf sich; aber gerade diese Artikel veranlagten ihn, als Windischgrätz in Pest einrückte, nach Szegedin und von da nach der Katastrophe von Bilagos nach Komorn zu fliehen. Hier ernannte ihn Klapka zum israelitischen Feldprediger, unv der Hauplmannsrang, den er dadurch erhielt, sicherte ihm die Einbeziehung in Die Capitulation. Die Verfolgungen, die ihn nichtsdestoweniger bedrohten, nölhigten ihn zur Flucht nach Leipzig, wo er sich zwei Jahre aufhielt und geschichtlichen, philosophischen und nationalökonomischen Studien oblag. Hier trat er auch mit größeren literarischen Arbeiten hervor; „Ungarn im Vormärz" und „Ludwig Kossuth" folgten rasch aus einander. Das letztgenannte Buch wurde von der sächsischen Polizei confiscirt, der Verleger Otto Wigand zu 18 Monaten Gefängniß verurtheilt, während Horn nach Brüssel flüchtete, wo er namentlich mit statistischen Studien sich beschäftigte. Die erste Weltausstellung zog ihn nach Paris. Michel Chevalier gewann ihn für das Journal des Debats, dem er bis 1863 als Hauptmitarbeiter angehörte, um sich dann an der Gründung des Avenir National zu betheiligen. Horn's Aufenthalt in Paris bildet den Glanzpunkt seiner literarischen und wissenschaftlichen Thäligkeit. 1866 erschien sein Buch: ,,La liberte des banques“, 1867 das mit dem großen Akademiepreise gekrönte Werk: „I/ecouowie politiqu« avant les Physiocrates“, und 1868 seine „Bilanz des Kaiserreiches". 1867 kehrte er nach der anläßlich der Krönung erfolgten Amnestie nach Ungarn zurück und bewarb sich um den Posten des Cheftedacteurs des Pester Lloyd. Die Unterhandlungen scheiterten, und Horn kehrte wieder nach Paris zurück. Bor den Wahlen des Jahres 1869 richteten Mitglieder delinken Centrums, namentlich Moriz Jokai, an ihn die Aufforderung zur Rückkehr nach Ungarn und stellten ihm ein Mandat in Aussicht. Horn kehrte zurück, wurde in Preßburg gewählt und gründete den „Neuen Freien Lloyd", der aber nach kurzem