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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-09 · Heft 46 (9.11.1875) · p. Seite 747

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 46 (9.11.1875)
Date
1875-11-09
Page
Seite 747 (sequence 11)
Language
German
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747 umgewandelt, Vas Gewinnst erringen will; sie verfolgen ihren eigennützigen Zweck und tanzen um das goldene Kalb. Ich aber schwöre vor Gott, daß ich meinen Posten nicht verlaßen werde, so lange der göttliche Funke in mir glühen wird; ich werde den schweren, heiligen Dienst verrichten, allen Lug und alle Verleumdungen zu vertilgen, die von.unfern Feinden umsonst ausgedacht und verbreitet werden; ich werde alle Verleumdungen der Feinde unseres Volkes widerlegen." Welche Wehmuth und welch' tiefer Schmerz spricht sich in diesen Worten des edlen Jünglings aus! Ja, Orschansky hat muthig und wie ein echter Held ohne Furcht und Tadel aus dem Schlachtselde des Gedankens gekämpft und gerungen! Der Verlust eines solchen Mannes, der noch vieles für fein Volk geleistet, wenn nicht der Rathschluß des Allmächtigen es anders gewollt hätte, ist groß, fast unersetzlich. Die Lucke, die der Verklärte zurückgelasien, dürfte schwerlich so schnell ausgesülll werden. Mit vollem Rechte können wir sagen: Es ist ein Edler in Israel gefallen! Möge die Jugend sich an ihm ein Beispiel nehmen, und möge sie in seinen Fußtapfen wandlen! — Männer, wie Orschansky. haben wir in Rußland sehr nöthig, da wir noch viele eingewurzelte Borurtheile zu bekämpfen unv auszurotten haben. Du aber, verklärter Geist, fahre wohl und möge Dein Andenken uns zum Segen werden! Friede seiner Asche! L. T. Amerika. Ciucimrati, 3. Oct. Mit Freuden begrüßen wir die Eröffnung des Hebrew College, des Jüdischen Lehrerseminars in dieser Stadt, welches von dem amerikanisch-jüdischen Gemeindebunde geschaffen worden ist. Es wird einen festen Kern für das jüdische Leben in den Bereinigten Staaten bilden, das aus bekannten Ursachen nur allzu sehr centrisugalen Einwirkungen ausgesetzt ist. Bei der Bedeutsamkeit, die diese Anstalt für unsere amerikanische Glaubensgenosienschaft haben muß und wird, entnehmen wir dem Hebrew Leader eine kurze Beschreibung der Feier. — Lange vor der festgesetzten Zeit, halb sieben Uhr Abends, war die Synagoge in Plumstreet gefüllt, jeder Sitz occupirt durch die Mitglieder der verschiedenen israelitischen Gemeinden Cincinnatis, die der merkwürdigen Erösinungsseier des unter der Leitung des Vereines amerikanisch-jüdischer Gemeinten stehenden Hebrew College beiwohnen wollten. Am Präsidententische nahmen Platz Herr M. Loth, der Vorsitzende des genannten Vereines und Vater der ganzen israelitischen Einheitsbewegung, der zweite Vorsitzende Herr Julius Freiberg, der Secretär Herr Lipmann Levi, die Mitglieder des Centralcomites und des Erziehungsrathes, sowie mehrere andere hervorragende israelitische Bürger. Die Feier wurde -mit Musik eröffnet, die von dem vorzüglichen Chor und dem Orchester der Orpheusgesellfchaft, welche sich freiwillig dieser Ausgabe gewidmet hatte, ausgesührt wurde. Die Eröffnungsrede hielt Herr Betlmann, der Präsident des Berwaltungsrathes des Seminars. Nr. Sonnenschein aus St. Louis wies dann mit beredten Worten aus die Nothwendigkeit patriotischer Bereinigung in jedem ideellen Streben hin, unter glücklichen Vergleichen mit den eben vernommenen musikalischen Harmonien. l>r. Lilieuthal setzte die praktischen Vortheile des neuen College auseinander. Schon, sagte er, seien zahlreiche Meldungen zur Zulaffung in dasielbe aus dem Osten, Westen und Süden angelangt. Der gelehrte und beredte Rabbiner that dar, wie sehr die Stärke auf Einheit und die Macht auf Wißen beruht, und schloß daraus, daß die amerikanischen Israeliten unmöglich das Seminar vernachlässigen könnten, das für beide sorgte. Reverend Dr. Wise versprach im Namen des Aufsichtsrathes und des Lehrercollegiums, daß sie ihre ganze Kraft aus die Förderung der Zöglinge der Anstalt verwenden wollten. Wir entnehmen den Reden noch, daß in Cincinnati allein 33,000 Dollars für das Hebrew College gesammelt worden sind; die Höhe des ganzen Fonds ist leider in dem Hebrew Leader nicht angegeben. Die Anstalt ist nun eröffnet; möge sie blühen und tüchtige Männer hervorbringen! Ieuitlelon. Jüdische TM» m der Romanliteratur. (Schluß.! Die zweite Type, für welche man, sei es in Haupt-, sei es Nebenrollen, die Juden verwendet, ist die Figur des Habgierigen, des Wucherers, des ausbeutenden, unbarmherzigen Geizhalses. Ob der Autor seine Erzählung in die alte oder die neuere Zeit! versetzt, wo er eines Blutegels, eines gemeinen Schurken in Geldsachen, in Handel und Verkehr bedarf oder zu bedürfen sich einbildet, um seinem erkünstelten Gebäu eine solche architektonische Zierde, ein so pikantes Ornament anzufügen, da müffen di« Juden herhalten. Er glaubt nur das Wort „Jude" citiren zu dürfen, um dem Leser sofort eine Charaktermaske zu zeigen, die er kennt und versteht. Nun, wir brauchen wohl schwerlich die Juden gegen dieses Attentat an der Menschenwürde zu vertheidigen; selbst in der alten Zeit, wo der Jude nur auf den Geldhandel und Trödel beschränkt war, hat es sicherlich unter ihnen nur eine geringe Zahl solcher Carrikaturen gegeben, wie die Belletristiker sie dutzendweise produciren, sonst wäre der ganze Stamm an Versumpfung und Entsittlichung längst zu Grunde gegangen. Wir haben in unserer Kindheit aus dieser alten Welt noch ganz andere Männer und Frauen gekannt, deren Adel und Würdigkeit mit den Tugenden der edelsten Mitglieder anderer 40*

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