Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 45 (2.11.1875)
- Date
- 1875-11-02
- Page
- Seite 727 (sequence 7)
- Language
- German
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ür. E. Nasse, Professor der Staatswiffenschast, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. A. Samler, Banquier. K. Thor ade, Bankdirector. R. Virchow, Geh. Medicinalrath, Mitglied des preußischen Abgeordnetenhauses. Nr. Zillmer, Director der „Nordstern" Lebens - Versicherungs- Actien-Gesellschaft. Fragen: 1) Welchen Namen führt die Caffe? 2) Wo besteht dieselbe? 3 » Wann ist dieselbe gegründet? 4) Besteht gemeinsame Mitgliedschaft mit einer anderen Gesellschaft oder Vereinigung und mit welchen? 5) Welche Art Unterstützung gewährt die Caffe? 6) Wie viel Mitglieder Ende 1874? 7) Wie viel Einnahmen im Jahre 1874? 8) Wie viel Ausgaben im Jahre 1874? 0) Welchen Vermögensbestand 1874? Datum. Unterschrift mindestens eines Vorstandsover Ausschußmilgliedes oder Caffenbermten. Wolfenbüttel, im October. (Privatm.) Am 24. Sept. hielt die hiesige Samson-Schule ihre öffentliche Prüfung ab und bei den trefflichen Erfolgen, welche hierbei wahrnehmbar waren, verdient wohl diese vielbewährte Anstalt einer Erwähnung an dieser Stelle. Sie ist jetzt zu einer Realschule zweiter Ordnung umgestaltet, und erwartet das Benefiz, daß ihre Zeugnisse für die Reife zum einjährigen Militärdienst vom Reichskanzleramte die Geltung zuertheilt erhalten. Die Samsonschule ist bekanntlich eine Erziehungsanstalt für Kinder unbemittelter jüdischer Eltern und zählte im verflossenen Jahre 50 Zöglinge. Die Zöglinge, die im Alter von 9—17 Jahren stehen, sind aus allen Theilen Norddeutschlands, zum Theil auch aus Süddeutschland, 2 aus England, 1 von den Azoren, 2 aus russisch Polen. Bekanntlich stand die Anstalt ftüher nacheinander unter den beiden Ehrenbergs (Vater und Sohn). Aus ihr gingen Zun z und Jost hervor. Jetzt hat sie den Herrn Nr. Moritz Rosenstock (früher in Posen) als Director an ihrer Spitze. Unter seiner Leitung hat die Anstalt sich den Forderungen der neueren Pädagogik nach jeder Richtung hin genügend angeschloffen. Es werden jährlich mit den Zöglingen Schulreifen gemacht und mehrere Male für die Zöglinge Festlichkeiten veranstaltet und Alles gethan, um sie die Familie nicht entbehren zu lassen. Dem Jahresberichte sandle der Director eine Abhandlung: „Volksbildung und Volksschule im alten Judenthume zur Zeit des jüd. Staatswesens" voran. Der Auffatz verdient volle Aufmerksamkeit. Allerdings ist der Gegenstand in der letzten Zeit schon wiederholt in Zeitschriften und Büchern behandelt worden. wovon der Verfasser keine Notiz nimmt; jedoch behandelt er das biblische und talmudische Material mit Sachkenntniß und Umsicht. Bemerkenswerth ist, daß jüdische Autoren, welches Gebiet sie auch betreten, immer wieder gezwungen sind, zur Polemik zu greifen. Unser Verfasser sagt zutreffend <S. 4): „Es ist eine überraschende Erscheinung im Völkerleben, daß gewisse Vorstellungen und Gedankenreihen, welche früheren Jahrhunderten angehört haben, auch dann noch ihre Macht über die Gemüther behalten, wenn diese Vorstellungen längst als irrig widerlegt worden sind, ja, daß sie eine ununterbrochen fließende Quelle von Vorurtheilen auch dann noch bleiben, wenn sie längst vor dem Lichte der bessern Erkenntniß erbleicht sein sollten!" So begegnet man auch in den neuesten Geschichtsbüchern der Pädagogik noch immer den Behauptungen, daß der Unterricht und die Erziehung bei den Juden in den Händen der Priester gewesen, die deshalb nur ein ntechanisches Auswendiglernen ohne Berständniß des Inhalts getrieben, und zweitens, daß sie sich nicht zu „dem christlichen Humanitätsprincipe emporschwingen konnten, indem dem Judenthume die Idee von einem Universalgotte und einer gleichberechtigten Menschheit fehlte." Es ist daher nur dankbar anzuerkennen, wenn Herr Nr. Rosenstock sich in seiner Abhandlung zunächst gegen riese beiden Sätze wendet und sie in ihrer Jrrthümlichkeit gründlich nachweist. Konnte er bei diesem so oft schon geführten Beweise kaum etwas Neues heranbringen, müssen wir doch die falschen Ansichten und Vorurtheile so lange unermüdlich bekämpfen, wie sie wiederholt werden. Nach und nach wird die Wahrheit schon siegen. BvNU, 24. October. (Privatmitth.) Wir hatten die obige Correspondenz aus Berlin bereits in die Osficin gesandt, als uns die jüngste Nummer der „Deutschen Bereins-Correspondenz" zukrm, welche in einem Artikel: „Die Rheinischen Gründungen und die Ultramontanen" ihrerseits den Gedanken aussührt, welchem unser Correspondent am Schluffe Ausdruck gegeben. Wir theilen die betreffende Stelle aus diesem Artikel mit. Da er den Herren Ultramontanen nicht laut genug zum Gehör und Bewußtsein gebracht werden kann. „Es ist eine alte Erfahrung, daß wenn irgend eine öffentliche Calamität, eine Waffersnolh, eine Volkskrankheit oder eine Handelskrisis entstanden ist, sich die Berufenen und die Unberufenen eifrig und in großer Zahl einfinden, um über die Ursachen der Entstehung und die Mittel zur Abhülfe das liebe Publicum aufzuklären. Es ist wahrhaft erstaunlich, welche Fülle der Weisheit und der guten Rathschläge dann jedesmal zu Tage treten, wenn der Schaden da ist, und kaum zu verwundern, wenn das Publicum in seiner augenblicklichen Bedrängniß rathlos und hülflos hin und herschwankt, und nur zu geneigt ist, aus die Einflüsterungen von Quacksalbern zu hören, die noch keinen Kranken kurirt haben. So streitet man jetzt in langen und erregten Abhandlungen