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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-11-02 · Heft 45 (2.11.1875) · p. Seite 725

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 45 (2.11.1875)
Date
1875-11-02
Page
Seite 725 (sequence 5)
Language
German
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725 und an verschiedenen Plätzen Asolos ausgestellt. Von den überlebenden Israeliten blieben einige in Asolo zurück, während andere eir sichereres Asyl aufsuchten. — Eine der asolanischen Familien waren die Koen, deren weitere Schicksale Herr Dr. Osimo in dem zweiten Theile seines Schristchens berichtet. Sie flüchtete sich in Folge jener Katastrophe nach Beviso, wo sie den Beinamen Cantarini annahm, nicht etwa nach dem berühmten venetianischen Patriziergeschlechte der Contarini, sondern weil sie dort Cantori, Vorbeter, gewesen waren. Diese Familie zeichnete sich durch lebhaften Bildungstrieb und hervorragende Begabung aus, wie denn eine Menge ihrer Mitglieder angesehene Aerztz und Rabbiner waren. Der merkwürdigste unter ihnen ist Jsaac- Bita Cantarini (1644—1723). Ein vorzüglicher und weitgesuchter Arzt, verwaltete er zugleich das Rabbinat von Treviso. Mit gleicher Eleganz schrieb er italienisch, lateinisch und hebräisch, hat aber leider kein größeres Werk hinterlasien. Sein Andenken als Arzt erhalten über 400 schriftliche Consultationen und zahlreiche wissenschaftliche Denkschriften; in der Thar zogen ihm die vornehmsten Venetianer und Fremden zu Ralhe. Seine Vorträge als Rabbiner geschahen theils in hebräischer, theils in italienischer Srache, und letztere wurden vielfach von Katholiken, selbst Klerikern besucht. Auch theologische Entscheidungen sind von ihm vorhanden, aber nur zum kleinern Theil gedruckt. Dieser vielseitige Mann hinterließ auch zahlreiche Gedichte in jenen drei Sprachen, astronomische und kalendarische Berechnungen u. s. w. Man sieht, daß es wohl der Mühe werth war, das Leben dieses merkwürdigsten der Cantarini näher zu beschreiben. Noch jetzt lebt diese Familie in Mailand und Casale fort. Dem Herrn Dr. Osimo aber gebührt unser Dank für feine mühevolle Monographie, die höchst lehrreiche und für den Culturhistoriker wichtige Ausschlüsse über das innere Leben der jüdischen Gemeinden Italiens während der beiden vorigen Jahrhunderte giebl. M. P. du/occ&txcßteii/. Deutschland. Berlin, 20. October. (Privatmittheilung.) Das freche Triumphlied, mit welchem die „Germania" ihre „Judenartikel" begonnen und begleitet hat, das Siegesbewußrsein, das sie zur Schau trug, hat sich allmälig abgedämpft, und geht in Klagen über. Zuerst klagt sie, daß die liberalen Blätter und darunter versteht sie alle, die nicht ultramontan sind, von diesen Hetzartikeln gar keine Notiz nehmen, sie weder einer Zustimmung, noch einer Widerlegung würdigen, und gerade da, wo sie ein allgemeines Gewühl, einen gewaltigen Kampflarm hervorzurufen hoffte, sie sich so auf sich und ihre Schleppträger beschränkt sieht. einzigen Staate, wo der Klerus momentan einen überwiegenden Einfluß übt, so offenbare und weitgehende Maßregeln gegen Protestanten und Juden nicht zu erwirken waren. Was also thun, da die Pöbelaufstände ausbleiben und die Gesetzgeber nicht zu Gebote stehen? Da muß sie sich auf die kläglichen Mittel beschränken: man solle bei den Juden nichts kaufen, auch wenn sie die Waaren wohlfeiler ausbieten, und wer in Geldverlegenheit ist, an Christen und nicht an Juden sich wenden'. An die Wirksamkeit dieser armseligen Aushungerungsmittel glaubt wohl die „Germania" selbst nicht, und ist sich bewußt, daß sie mir solchen Vorschlägen nur ihre ganze eigene Niederlage, ihren eigenen Bankerut erklärt hat. Solche Mittel sind schon in grö- Die Juden allein zu treffen, war gar nicht ihre Hauptabsicht, ßerm Maßstabe in Posen, Galizien, Böhmen vorgeschlagen worden sondern die socialen und politischen Zustände in solchem Wirrsal erscheinen zu lassen, daß sich Niemand mehr darin zurechtfinven könne und alle Grundsätze so in's Schwanken geriethen, daß schließlich sie und ihre Partei allein Ziel und Weg zu haben dünken mochte. Dies ist ihr nun mißlungen. Die zweite Klage, in die sie ungern genug ausbrechen muß, besteht darin, daß sie auf die Frage ihrer eigenen Anhänger: was denn nun gegen diese Juden zu thun sei? gar nichts zu antworten weiß. Wie neulichst in Hamadad: Juden zu verbrennen, dazu will sich das Volk nicht entschließen. Rechtsbeschränkungen für die Juden in den Parlamenten zu beantragen, scheint ihr auch nicht opportun. Denn theils weiß sie, daß ihre Anträge in den Abgeordnetenhäusern unberücksichtigt bleiben würden, daß ihre Fractionen, welche sonderbarer Weise „für Freiheit und Recht" aufzutreten vorgeben, sich dadurch zu eclrtant den Vorwurf der Knechtung und des Unrechts zuziehen würden, daß selbst in Frankreich, dem und waren vergessen, ehe sie noch versucht worden. All' die Rabbulisterei der „Germania", die es eben jedem Vernünftigen unmöglich gemacht hat, sich mit ihr in Streit einzulassen, hat ihr also nichts geholfen. — Auffallend ist es mir gewesen, daß bis jetzt noch Niemand hervorgehoben hat, wie der „Krach", den jetzt unsre Gegner und viele Andere dazu den Juden in die Schuhe schieben wollen, sowohl in feiner Periode des Schwindels, als auch des Untergangs gerade von den Ultramontanen ausgegangen ist. Oder war es nicht der päpstliche Graf Lagrand, der diesen „Krach" eingeleitet hat, der der Gründer der Gründer und der erste war, der dem Schwindel auch den Stoß versetzte? Waren es nicht ferner die katholischen Banken in Böhmen und Ungarn und dann die „fromme" Spitzede, welche das vollständige Vorspiel aufführten? Hätte denn die Welt dies Alles schon vergessen, oder glauben die Ultramontanen, daß, wenn sie es mit Stillschweigen übergehen, die Welt nichts mehr davon wüßte? —

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