Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 2 (1838)
- Issue
- Heft 100 (21.8.1838)
- Date
- 1838-08-21
- Page
- Seite 404 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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404 ja!<e der menschlichen Gestaltungen, in ihren scharfen Ümrissen sich gegenüberstehend, keine Hoffnung der Vereinigung mehr zurück lasten, und das Glück des Einzelnen, wie das Heil des Ganzen darin aufzugehen scheinet' — da ist es die höhere Vorsicht und Wallung, welche eingreift, und, indem sie die Schlüsse des menschlichen Verstandes durch mächtige Erschütterungen zu Schanden macht, eine unerwartete Bahn mitten hindurch führt. Es war ein stürmischer Spätherbst, der über die Erde zog, Tag für Tag fuhr der Orkan über die Wohnungen der Menschen hinweg, die sich über viele Verluste und erlittene Schaden zu beklagen hatten. Eine gleich stürmische Zeit ging durch die menschliche Gesellschaft. Jahre des Friedens waren vorübergegangen, und wahrend diese von der einen Seite die beste Sicherheit der Verhältnisse garantirten, war cs bei der Beruhigung und Zurechtstellung der letzteren doch klar zum Vorschein gekommen, daß die Gesellschaft noch Momente enthalte, die noch gar nicht zur Aussöhnung gediehen seien, und die der plötzlich über die Welt gekommene Friede noch ganz in ihrer schroffen Gegensätzlichkeit getroffen und belassen hatte. So sehr man daher einer Seirs aus den Besitz, den die errungenen Siege zurückgegeben, baute, sso bewußt war man sich, daß die Gesellschaft noch auf vulkanischem Boden ruhe, und mannichfaltiges Schwanken dieses Bodens konnte selbst den Sichersten darauf aufmerksam machen. — Wie aber aus Ansprüchen aus vergangener Zeit, die dem gegenwärtigen Besitzthurn gegenüberstehm, und doch befriedigt werden wollen und sollen, sich ein Zustand des Scheinbesitzes entwickeln mußte, der am Ende nur auf dem Papiere oder in der Idee besteht: so entstand hiermit ein Thermometer und Kalcinirofen der öffentlichen Verhältnisse zugleich, und diese wurden mehr als je Herren der privaten Zustände, je mehr diese ihren reellen Besitz jenen zugewendet hatten. Die leiseste Berührung mußte diese beweglichen Elemente in die fürchterlichsten Schwingungen bringen. Heute im Gewinne von Millionen, konnte der morgende Tag nicht zu deckende Verluste bringen, die dem ideellen Reichthume noch den reellen opferten. — In dieses Bereich sielen auch die Speculationen, in die der Kriegsrath Faller den Banquier Kaspar hineingezogen. Durch seine nahen Beziehungen mit den Chefs der Regierung, wie er sie wenigstens angab, öfters im Besitz von authentischen Nachrichten, ehe sie in's Publikum kamen, gab dies die Basis für die Operationen ab, die, nach der Meinung der Urheber, nicht fehlschlagen konnten. Nach und nach hatte der Banquier sich und sein Vermögen ganz aus dem gewöhnlichen Geschäftskreise gezogen, und allein dem Paprerhandel zugewendet. Beträchtliche Summen wanderten auch in die Hände des Kciegsraths, wodurch dieser in den Stand gesetzt werden sollte, einen desto großem Einfluß auf den Stand der Dinge zu gewinnen. Wie wir schon früher angedeutet, hatten diese Spekulationen den erwünschtesten Erfolg. Kaspar sah sein Vermögen auf's enormeste wachsen, und es war natürlich, daß die neu erlangten Kräfte auch wieder als Mittel zu neuen Operationen verwendet wurden. Schon sah er sich auf einer nie erträumten Höhe stehen, und in fieberhafter Hast mußte er Bedenken und Vorsicht hinter sich lassen. Da erhoben sich am Horizonte Europa's drohende Sturmwolken. An allen drei Südenden Europa's, in Spanien, Neapel und Griechenland brach das lang zugedeckte Feuer durch, und bei dem Zündstoffe, der überall verbreitet war, konnte Europa nur zittern. Die Börse überfiel ein panischer Schrecken, der Werth der Papiere ging um ein sehr bedeutendes herunter, und Tausende, die gestern über Millionen geboten — waren Bettler. Unter diesen Tausenden war auch — der Banquier Kaspar. Noch hielt ihn einige Tage der Schein, noch war der Ausbruch nicht offen, aber Jedermann berechnete schon die Unmöglichkeit, in der er sein mußte, die Verluste zu decken. Dennoch verlor er die Hoffnung nicht. Was er nicht fassen konnte, sollte nicht sein. Er suchte, baare'Gelder von allen-Seiten aufzuhäusen, aber Niemand wollte ihm belspringen. Er stürmte von Einem zum Andern, knüpfte Unterhandlungen aller Orten an, aber keine siel glücklich aus. Da eilte er zum Kriegsrathe, und verlangte die vorgeschossenen Summen zurück, aber sei es, daß diese eben so geschwunden, sei es, daß jener sie Ln Sicherheit gebracht: sie wurden verweigert, und es zeigte sich, daß der Banquier so rücksichtslos verfahren, daß rechtlicher Anspruch darauf wot kaum Folge gehabt hatte. Vergebens erinnerte er ihn an die Verbindung seines Neffen mit Julie, der Kriegsrath entschuldigte sich, daß der allgemeine Sturm auch dieses Band zerrissen habe. Auch habe Ludolf eine veränderte Bestimmung, und sei im Begriffe — eine untergeordnete Landgerichtsstelle anzunehmen — bei den veränderten Verhältnissen hatte er ihn wieder zu entfernen gesucht. Der Banquier war wie vom Donner gerührt, ohne Wort des Abschiedes, ohne Hut eilte er davon, ein heftiger Regenguß hielt ihn nicht zurück, durch die Straßen rannte er unaufhaltsam, und da er nach Haufe gekommen, sank ec zusammen, und eine lange Ohnmacht hielt seine Sinne gefangen. Herbeigerufen, schrie Julie entsetzt nach Hülfe, sie warf sich über den Körper ihres Vaters, und suchte ihn durch die liebkosendsten Worte zu erwecken. Endlich kamen