Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 44 (26.10.1875)
- Date
- 1875-10-26
- Page
- Seite 716 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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716 Damascus, hinreichend Wasser vorhanden ist, um den Boden künstlich zu bewässern. Der Boden der Wüste ist dann nur noch mit dürren Kräuterstengeln bedeckt; die Wanderstamme ziehen sich nach den Bergen hin; die Brunnen und Quellen versiegen mehr und mehr. Viele Leute schlafen während des Hochsommers im Freien auf dem platten Dach des Hauses. Es ist dies jedoch des Thaues wegen dem Fremden nicht anzurathen; wenn man aber gezwungen ist im Freien zu schlafen, so bedecke man wenigstens das Gesicht. Die Zeit der Getreideernte ist verschieden; in den tiefer liegenden Gegenden fällt sie' in die zweite Hälfte des Mai, in den höher liegenden in die erste Hälfte des Juni. Gegen Ende October beginnen Wolken aufzusteigen, und die Regenzeit kündigt sich bisweilen mit einigen Gewittern an. Dieser erste Regen heißt im alten Testament Frühregen (vgl. 5 Mos. I I, 14; Joel 2, 23>. Das ganz ausgedörrte Erdreich wird dadurch soweit gelockert, daß der Landmann pstügen kann. Der Südwestwind und Südwind bringt die Regenschauer, die dann gewöhnlich einen oder mehrere Tage anhalten; in der Zwischenzeit führt der Nordwind oder der Ostwind einige Tage schönsten mildesten Wetters herbei. Der November besonders wird in Syrien öfters zum sogenannten Altweibersommer, aber die Natur ist dann fast ganz erstorben. Der December ist stürmischer, Januar und Februar meistens kalt und regnerisch; auf den hohen Gebirgen fällt im Januar am meisten Schnee. Die Späiregen fallen im März und April und befördern das Wachsthum der Ernte. Das Ausbleiben oder die geringe Quantität des Regens hat den nachtheiligsten Einfluß und kann leicht eine örtliche Hungersnoth Hervorrufen, da die Communicationswege in so schlechtem Zustande sind; ebenso finden dann die Heerden der Wanderstamme keine Weide. In Syrien kann daher eigentlich, nie zu viel Regen fallen. Allzuheftige Regengüße jedoch bewirken bisweilen das Einfallen der Lehmhütten. Die Temperaturunterschiede in Syrien sind bedeutend. Im Innern des Landes, in der Wüste, und, ganz abgesehen vom Hochgebirge, auch im palästinensischen Berglande sinkt das Thermometer häufig unter Null. In Damascus (690 M. u. M. > und Jerusalem (760 M.) sowohl, wie in Aleppo (348 M.) fällt beinahe jeden Winter Schnee, welcher aber uur auf den höheren Bergen liegen bleibt. Die höchste Temperatur, welche Barcley (Robinson, Phys. Geogr. S. 296 > für Jerusalem gefunden hat, war 33 0 C., die niedrige 2,3" C., die Mitteltemperatur des Jahres circa 17" C. Diese Angabe dürfte wohl für das ganze Hügelland Geltung haben. Die Hitze in Damascus und Aleppo, sowie in der Wüste wird bedeutender fein, weil die hohen Gebirge im Nordwesten die kühle Meerluft abhalten. Der Meeresstranv hat zwar im Ganzen eine höhere Temperatur als das Binnenland, doch ist die Hitze wegen der Seewinde dort erträglicher. Die Sirocco «Chamsin)-Tage ausgenommen, weht übrigens an den Sommerabenden in Damascus in der Regel Wind, und die Nächte und Morgen sind äußerst angenehm. Da aber die Feuchtigkeit in Folge der reichlichen Bewäsierung groß ist, so setze man sich nicht allzusehr der Abkühlung aus. Ganz abweichend ist das Klima des Jordanthales. Schon der erste kleine See, in welchen sich der Jordan ergießt, das dreieckige Becken des Hüle, liegt nur 83 M. über dem Mittelmeer. Nach kurzem Lauf vertieft sich der Jordan in eine Spalte von 191 M. unter der Meeresfläche, denn so tief liegt schon der See von Liberias. Der ganze Landstrich des Jordanlaufs bis zum Todten Meer (394 M. unter der Meeresfläche) heißt arabisch el-Ghür, die Einsenkung. Das Klima gleicht dem von Egypten, ist aber entschieden ungesunder. Die Bewohner dieses Landstrichs sind verkommen; man findet viele Cretins unter ihnen; die Hitze im Hochsommer ist fürchterlich; am 8. Mai beobachtete Robinson 43" C. im Schatten. Die Erntezeit im Ghär fällt viel früher als im übrigen Syrien, nämlich Ende April und Anfang Mai. In wie weit nun die einzelnen Züge dieses klimatischen Bildes mit denen übereinstimmen, welche aus alter Zeit uns bekannt sind, haben wir aus Stellen der h. Schrift zusammenzusuchen. Betrachten wir hier zunächst einzelne Gegenstände, welche das Klima zu charakterisiren vermögen. Der Schnee (5.b-C3) kommt ziemlich häufig in der Schrift vor. Wenn ein Naturprodukt zu Gleichnisien, namentlich in Ansprachen an das Volk, gebraucht wird, so beweist dies schon von vorn herein, daß dasselbe den Bewohnern des Landes häufig vor die Augen kommt, noch dazu aus einer Zeit, wo Bücherwiffen noch überaus gering vorhanden war. Der Schnee dient nun in der Schrift zu solchen Vergleichungen. Der weiße Aussatz wird seinem Aussehen nach mit Schnee verglichen (2 Mos. 4, 6. 4 Mos. 12, 10. 2 Kön. 5, 27). Während die Sündhaftigkeit mit der rothen Farbe verglichen wird, heißt es von dem reuigen Menschen: „er soll weiß werden wie Schnee" (Jes. 1, 18. Psalm 51, 9). Mit dem leuchtenden Glanze des Schnees werden die Gekrönten Israels verglichen (Klagel. 4, 7). Aber auch in Wirklichkeit muß im alten Palästina der Schnee — der Psalm 147, 16 mit Wolle verglichen wird — häufig gefallen sein, da 2 Sam. 23, 20 „Schneezeit" (rrw^r nv) für Winterszeit, als Schnee gefallen gebraucht wird. Der Sänger, welcher das Lob der Hausfrau feiert «Sprüche 31) sagt aus, daß man in ihrem Hause den Schnee nicht fürchte, weil sie zur rechten Zeit für warme Bekleidung ihrer Hausleute sorgt (B. 21). Schnee und Regen machen die Erde fruchtbar (Jes. 15, 10). Der Schnee gehört daher wie Blitz, Hagel und Nebel nicht zu den täglichen, aber auch nicht zu den außergewöhnlichen Naturerscheinungen (Ps. 148, 8). Er liegt bereit in den Schatzkammern Gottes «Hiob 38, 22), und Gott ist es, der ihn auf Erden werden läßt (37, 6). Auf dem Libanon bleibt der Schnee festliegen (Jer. 18, 14); dagegen schmilzt er schnell anderswo und schwellt die Ströme an (Hiob 6, 16. 24, 19). Daß der Schnee auch zum Kühlen der Ge-