Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 44 (26.10.1875)
- Date
- 1875-10-26
- Page
- Seite 715 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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715 treffen, das noch einmal zeigt, auf welche hohe Stufe unsere Glaubenszenoffen in Italien gelangt sind. Amerika. Milwaröee, Wiö., im September. (Privatmittheilung.) Um Ihnen zu erweisen, daß das in Deutschland jetzt mit so vieler Kraftanstrengung bekämpfte Streben der römischen Hierarchie auch in Nordamerika sich immer mehr ausbreitet, aber auch erkannt zu werden anfangt, und bereits den Widerstand hervorruft, sende ich Ihnen das neunzehnte Heft des fünften Jahrgangs der hier erscheinenden „Erziehungsblatter, Organ des deutschamerikanischen Lehrerbundes" herausgegeben von Hailmann und Dörflinger. An der Spitze deffelben steht folgender Aufruf: „Wer den Vorgängen in dem Lager der Katholiken in jüngster Zeit gefolgt ist, kann sich der Ueberzeugung nicht verschließen, daß diese Secte den Vernichtungskampf gegen das öffentliche Schulwesen beschloffen hat. Auch wird ein Einblick in die Geschichte jedem Freund der Freiheit die Gewißheit aufdrängen, daß man es hier nicht mit einem gewöhnlichen Gegner zu thun hat. Mit bewunderungswürdiger Zähigkeit und Einheit des Strebens, verläßt er sich auf das anerzogene religiöse Bedürfniß halbgebildeter Massen, welche, fest organisirt und vollkommen disciplinirt, in Angriff und Widerstand eine ungeheure Kraft ermitteln. Dazu kommt, daß das amerikanische Volk, in der Geschichte schlecht bewandert, diesen Feind der Freiheit nicht kennt und die Ausdehnung der drohenden Gefahr nicht zu würdigen weiß. Ist es also nicht Psticht der Lehrer, von denen man doch tiefere Einsicht erwartet, die freisinnige Presse in ihrem lobenswerthen Vorgehen zu unterstützen, das Volk zu warnen und zur Organisation gegen den sich rüstenden, ja schon kämpfenden Feind zu ermuntern? Kann irgend etwas Anderes als ein fest organisirter Widerstand das höchste Gut der Rupublik gegen diesen organisirten Angriff schützen? Argumente hierüber sind für unsere Leser unnöthig. Wir machen deshalb folgenden Vorschlag, welchen wir dem Centralausschuß in St. Louis zur Beachtung für den 6. Lehrertag unterbreiten: Beschloffen, daß der Lehrerbund ein Comito ernenne, welches in der Versammlung der National EJucational Association in Minneapolis Anfangs August dahin wirken soll, daß die Lehrer 1. sich zum Widerstande gegen die Angriffe der römischen Hierarchie auf das öffentliche Schulwesen organisiren, 2. die Bürger der Vereinigten Staaten ermuntern, sich ihnen anzuschließen, r. darauf hinwirken, daß der Unterricht in der allgemeinen Geschichte ohne Verzug in den Lehrplan der öffentlichen Schulen ausgenommen werde." Jeuil Etwas über das Klima Palastma's. Es ist bekannt, daß nicht bloß die menschlichen Bewohner Palästinas sich seit der Zerstörung Jerusalems durch die Römer und der Zerstreuung des jüdischen Volkes aus seinem Lande sehr verändert haben, sondern auch die Pflanzen- und Thierwelt, die Flora und Fauna. Wir werden hierauf noch einmal zurückkommen. Da entsteht um so leichter die Frage: hat sich auch das Klima Palästinas geändert? Haben die überaus verminderte Bebauung des Bodens, das in großen Massen geschehene Verschwinden der Weinberge, Oelgärten, Anpflanzungen von Feigenbäumen und Dattelpalmen, die Abnahme der Waldungen u. s. w. nicht auch eine Modification des Klimas bewirkt? . . . Die Beantwortung dieser Frage ist schwer, da uns eine genaue Schilderung des Klimas in alter Zeit fehlt, man also nur Nottzen zur Hilfe nehmen kann, aus welchen einige Schlüffe gezogen werden dürsten. Geben wir uns erst ein Bild von dem gegenwärtig in Palästina herrschenden Klima, das wir dem bereits öfter erwähnten Reisewerk Bädeker's entnehmen, und das meist aus persönlicher Anschauung gefloffen ist. In Folge der großen Unebenheiten der Oberfläche haben die einzelnen Theile Syriens auch ein völlig l e t o n. verschiedenes Klima. Die Bewohner Syriens kennen bloß zwei Jahreszeiten, Regenzeit und regenlose Zeit. Der Frühling, die angenehmste Jahreszeit, fällt von Mitte Mar; bis Mitte Mai. Bon Anfang Mai bis Ende October ist der Himmel fast ununterbrochen wolkenlos. Donner und Regen während der Weizenernte ist ein großer Ausnahmefall (1 Sam. 12, 17, 18). Im Mai giebt es wohl bisweilen noch einige Gewitter und leise Regenschauer. Gegen den Sommer hin zeigen sich in den Bergen noch Nebel, aber im Hochsommer verschwinden sie ganz und die Atmosphäre ist in der Regel von wunderbarer Klarheit; besonders zur Nachtzeit ist dies an dem intensiveren Glanz des Mondes und der Sterne bemerklich. Während der Nacht fällt auch im Sommer Thau, und oft ein sehr starker, ausgenommen in der Wüste. Der gewöhnliche Wind in dieser Jahreszeit kommt von Wortiwest; der Ostwind bringt Dürre; der Südwind, Chamsin genannt (weil er während 50 Tagen weht), hält in Syrien selten länger als zwei Tage hintereinander an, ist aber dann sehr lästig; die Atmosphäre ist verschleiert, der Wind saugt alle Feuchtigkeit auf und erzeugt häufig eine drückende Abspannung des Körpers, Kopfweh und Schlaflosigkeit. Bisweilen kommt er in heftigen Stößen. In Folge des Regenmangels verliert die Natur im Sommer ihre Schönheit und erhält sich nur frisch, wo, wie z. B. um 44*