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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-10-26 · Heft 44 (26.10.1875) · p. Seite 717

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 44 (26.10.1875)
Date
1875-10-26
Page
Seite 717 (sequence 13)
Language
German
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717 tränke gebraucht wurde, zeigt uns Spruche 25, 13, wo die Kühlung durch Schnee am Erntetage mit dem treuen Boten verglichen wird, der die geängftigte Seele seines Herrn erquickt. (Ein andermal (26, 1) wird das Unzukömmliche in der Ehre, die man dem Thoren erweist, mit „Schnee im Sommer" verglichen). — Man möchte wohl aus allem Dem schließen, daß der Schnee, wie überhaupt die Feuchtigkeit in alter Zeit häufiger in Palästina gewesen, als ihn die obige Schilderung für die Jetztzeit bezeichnet. (Fortsetzung folgt.» Verwischtes. Die in Bona (Algerien) erscheinende „Seybouse" berichtet über ein Fest, welches die Israeliten dieser Stadt zu Ehren eines gewissen Simon „eines der 80,000 Rabbinen, die unter der Leitung R. Akiba's am Talmud gearbeitet", jährlich gefeiert wird, diesmal am 22. Mai. „Samstag durchzogen zahlreiche Gruppen reichgeschmückter Israeliten, in den Händen Blumen und Kerzen haltend, die Straßen unsrer Stadt, und begaben sich in die Synagoge, wo sich eine ebenso anmuthige als imposante Ceremonie vorbereitete. Sechsundzwanzig Familien von Constantine hatten der Einladung entsprochen, die ihnen von ihren Glaubensgenoffen aus Bona zugekommen war. DaS Fest kündigte sich also im Voraus nicht allein als splendides, sondern auch als ein einträgliches an. Diese Vereinigungen haben in der That keinen anderen Zweck als die, die Barmherzigkeit der Glücklichen dieser Erde «und nach dem Hörensagen gehören die Juden Constantine's zu diesen) zu Gunsten Derjenigen, die der Herr zuweilen vergißt, hervorzurufen und anzufeuern. Im Augenblicke, wo die Pforten der Synagoge sich öffnen, ist der Saal nur durch Kerzen vor dem Tabernakel erleuchtet. Ein Kronleuchter, der ungefähr 150 Lampen trägt, nimmt den Mittelpunkt des Tempels ein. Nicht weit von diesem sitzen um eine schwarzbehangene und eine Platte tragende Tafel, die Mitglieder des Consistoriums. Bald darauf füllt sich der Tempel: auf die Aufforderung des Commiffärs des Consistoriums kommt Einer nach dem Anderen, eine der Lampen des Leuchters anzuzünden, dann seine Gabe in die Schöffel zu legen, die keine andere Bestimmung hat: so will es der Ausland. Einer giebt 2 Fr., der andere 100 Fr., je nach seinem Vermögen, seiner Großmuth oder Eitelkeit .... Und plötzlich ist der Tempel glänzend erleuchtet; die Diamanten, mit denen der Kopfputz der Jüdinnen geschmückt ist, werfen ihr lebhaftestes Feuer; das Gold der Gewänder, Armspangen und Colliers glänzt, der Duft der Blumen mischt sich mit den Parfüms aus den Haaren der Damen; das Gold und das Silber häufen sich in der Schüffel; die Rabbinen stimmen die Psalmenverse des Festes an, welche die Anwesenden wiederholen; die Freude der erfüllten Pflicht glänzt in aller Augen; die sonst mürrischen Gesichter hellen sich auf ... . Alles zum Bortheil der Armen, die am folgenden Tage Kleider und Brod erhalten werden. Die Ceremonie dauert drei Stunden.1) 1) Daß dieses Fest nicht an einem Sonnabend gefeiert werden kann, ist einleuchtend. Vielleicht verwechselt es der Berichterstatter mit Sonntag, den 23. Mai, auf welchen Tag Lag beomer fiel. Bekanntlich war unter den zehn Märtyrern ein R. Simon, der mir R. Jsmael zugleich enthauptet wurde, welchen beiden R. Akiba eine feurige Trauerrede hielt. Allein der Todestag derselben wird auf den 25. Siwan feftgestcllt. Es müßte also wohl ein anderer Simon sein, zu dessen Ehren das Fest gefeiert wird, da der Name in Akiba's Zeit häufig war. Ht n z e i g e u. Der israelitische Religions-Verein zu Chemnitz sucht zum baldigen Antritt einen jungen Mann, der als Vorbeter, Schauchet, Religionslehrer u. Redner zu sungiren mächtig ist, also umfassende, allgemeine und pädagogische Kenntnisse nebst tüchtigen, religiösen Wissen befitzen mutz. — Der Jahresgehalt ist vorläufig auf 2000 Mark festgesetzt und wird je nach Leistungen verbältnitzmäßig erhöbt. — Die mit der Stellung verbundenen Nebeneinkünfte dürsten fich aus jährlich 400 Mark belaufen. Meldungen beliebe man zu richten an H. 33804 b.) Herrn Herrmann Perl, Chemnitz, Roßmarkt 4. Zn hiesiger Gemeinde ist die Stelle eines Elementarlehrers und Borbeters sofort zu besetzen. Gehalt! 1200 Mark nebst freier Wohnung. Geeignete Bewerber, welche auch deutsche Vorträge halten können, belieben fich unter Einsendung ihrer Zeugnisse baldigst zu wenden an Heinemann Hein, Hattingen a d. Ruhr, Vorsteher, im Oktober 1875. Bei der hiesigen öffemlichen einklassigen Elementarschule > ist die Stelle eines tüchtigen jüdischen Lehrers vom 1. Januar 1876 ab neu zu besetzen. Pen- I sionsberecktigtes Gehalt beträgt 750 Mark und die persönliche Zulage 450 Mark. Bewerber, welche die Nachprüfung gut bestanden haben, wollen ihre Meldungen an den Unterzeichneten Vorsteher Guttentag. im October 1875. L. Epstein.

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