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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-10-26 · Heft 44 (26.10.1875) · p. Seite 714

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 44 (26.10.1875)
Date
1875-10-26
Page
Seite 714 (sequence 10)
Language
German
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714 beobachtung dieses Verbotes dem freien Ermessen der Schüler, richtiger der Eltern derselben avheimgestellt bleiben." Szegedin, 18. October. (Privatmitth.) Wir erhalten vom Vorstände der israelitischen Religionsgemeinde zu Szegedin folgende Trauervachricht: „Die Szegediner israelitische Religionsgemeinde giebt hiermit in tiefstem Schmerz Kunde von dem Hinscheiden Sr. Ehrwürden des Herrn Leopold Löw, Oberrabbiners, Mitgliedes des Gemeinderathes der königlichen Freistadt Szegedin, welches am 13. d. M. Abends 9 Uhr im 65. Lebensjahre seines der Wissenschaft und dem Baterlande geweihten thatenreicheu Lebens und im 25. Jahre seines hiesigen segensvollen Wirkens erfolgte. Die irdischen Reste des tief betrauerten Verewigten werden am 17. d. M. Nachmittags 2 V2 Uhr aus dem Szegediner israelitischen Gotteshause zur ewigen Ruhe bestattet. Friede seiner Asche!" sMit Leopold Löw scheibet abermals einer der bedeutendsten wissenschaftlich gebildeten Talmudisten und für die literarische und reformatorische Durcharbeitung des Judenthums strebsamsten und unermüdlich thatigen Männer unserer Zeit. Er gehörte schon in den ersten Jahrgängen dieser Zeitung zu deren eiftigsten Correspondenten als er noch Hofmeister in Wien war. Hierauf wurde er Rabbiner zu Papa, als welcher er schwere Kämpfe mit der dortigen orthodoxen Partei zu bestehen hatte. Er verließ diese Stellung, um in Szegedin als Rabbiner zu amtiren. In den letzten Jahren nahm er einen hervorragenden Antheil an den Verhandlungen der beiden Synoden zu Leipzig und Augsburg, bei denen er sich trotz seines Alters und körperlicher Leiden persönlich eingesunden hatte, und überall durch seine imposante äußere Erscheinung, sowie durch seine Beredtsamkeit großen Eindruck hinterließ. Seine literarische Thätigkeit war sehr umfaffend. Für die Geschichte der Juden in Ungarn hat er werthvolle Arbeiten veröffentlicht; seine Einleitung in die heilige Schrift enthält vielfaches Material; die von ihm mehrere Jahre redigirte Zeitschrift „Ben-Chananja" bietet viele nützliche Abhandlungen; von seinen „Beiträgen zur jüdischen Alterthumskunde" sind drei Bändchen erschienen. Viele seiner Schriften sind polemischen Inhalts, wobei er mit umfasiender Belesenheit eine große Schärfe verband und eigenthümliche Standpunkte zu behaupten wußte. Jedenfalls verliert Ungarn an ihm einen Koryphäen der jüdischen Gelehrsamkeit. Redaction.) Frankreich. Paris, 17. October. (Privatmitth.) Die hiesigen liberalen Blätter sprachen sich sehr entrüstet über einen Abbv Janin aus, der es gewagt habe als Vertreter einer Schaar französischer Pilgrimme vor dem Papste den Triumph des Syllabus in Frankreich zu feiern, den französischen Staat als dem Syllabus unterworfen auszugeben, und zu behaupten, daß dies so viel als die Herrschaft des Syllabus über die ganze Welt bedeute. Nun, daß in dem letzten Satze eine ganz lächerliche Uebertreibung liegt, braucht man nicht erst auseinanderzusetzeu; aber in der ersten Halste ist unleugbar eine große Porüon Wahrheit enthalten. Man oraucht nur an das Gesetz über die Kirchenverfafsung der französischen Armee, au das Gesetz über die Freiheit des höheren Unterrichts, an das Verfahren bei Civilbegräbnisien und au den Belagerungszustand im größten Theile Frankreichs, der alle vom Syllabus verdammten Rechte und Freiheiten des Volkes aufhebt, und noch an viele andere Dinge zu denken, um zugesteheu zu wüsten, daß in Frankreich gegenwärtig der Syllabus zur Herrschaft gekommen. Wie lange diese andauern, ob die nächste Deputirtenkammer abermals eine solche Majorität wie die jetzige Nationalversammlung haben, der zukünftige Senat in seiner Mehrheit nicht klerikal sein, und endlich bei einem etwaigen Constikte zwischen der Deputirtenkammer einer- und der Regierung und dem Senate andererseits die erstere den Sieg behalten und hiermit dem Syllabus die Herrschaft wieder entwinden werde, dies sind Dinge, welche zwar die Republikaner Vorhersagen, in denen sie sich aber wie in vielen anderen leicht geirrt haben können. — Der Gaulois berichtete neulichst, daß eine Anzahl jüdischer Damen an das Rabbinat das Gesuch gestellt hätten, der Gottesdienst solle in den Synagogen, wie in den katholischen Kirchen, den ganzen Tag gestattet sein oder stattfiaden, und daß es erlaubt werde, an Sabbath und Festtagen nach der Synagoge zu fahren. Aus dem ersten Theile sieht man schon die Erfindung. Nach eingezogenen Erkundigungen ist an der Sache nichts Wahres. —. (Nach den Arch. isr.) Der Colonel Lambert, Israelit, ist zu der wichtigen Stellung des Commandanten der Garde de Paris ernannt worden. Italien. Ferrara, 8. October. (Arch. isr.) Italien bietet augenblicklich nichts, das einer besonderen Erwähnung verdiente, wenn wir nicht von dem dem Herrn Luzzato, einem unserer jüngsten Deputirten unserer Kammer, anverttauten Auftrag, die Handelsverttäge mir Frankreich, Oesterreich und der Schweiz abzuschließen, sprechen wollen. Niemand wäre aber auch mehr geeignet als er, diese so wichtigen Verhandlungen zu führen, die einen entscheidenden Einfluß auf die Entwickelung unseres Handels und unserer Industrie haben können; er vereinigt mit den liefen theoretischen Studien, die ihn in den ersten Rang der italienischen Nationalökonomen gestellt, weitreichende praktische Kenntniste, vermehrt noch durch die Resultate der industriellen Enquvte, die letzthin unter seiner Leitung gemacht worden. Er hat zur Beihülfe zwei höhere Beamte der Centtalverwaltung, von denen einer gleichfalls Israelit und noch ganz jung wie er selbst ist, Herrn Commodore Giacomo Malvano, Director und Divisionschef im Ministerium des Auswärtigen. Das ist ein Zusammen-

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