Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-10-26 · Heft 44 (26.10.1875) · p. Seite 713

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 44 (26.10.1875)
Date
1875-10-26
Page
Seite 713 (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3227014-3227059--33937-3303772
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

713 glaubend"?! Natürlich wissen die Gelehrten der „Germania" nicht, daß der heilige Bernhard v. Clairvaux sich im I. 1146 mit eigener Lebensgefahr den Judenverfolgungen widersetzte, welche fanatische Mönche (also keine vom Wucher Bedrückten!) in den rheinischen Städten predigten? Aber freilich, anstatt dieses, wenn auch zelotischen, doch wohlmeinenden Heiligen nimmt die Germania sich lieber den vom unfehlbaren Pius IX. ja gleichfalls zum Heiligen gestempelten Henkersknecht Peter Arbues zum Schutzpatron! Slraßburg, im October. (Privatmitth.) Das jüngste Heft der Arch. isr. enthalt aus der Feder eines Lehrers I. Fleur aus Paris Eindrücke, die er auf einer Ferienreise durch den Elsaß empfangen haben will. Der Artikel ist nicht sehr geistreich abgefaßt. Wenn er z. B. an der Grenze das stattliche, architektonisch schöne und solid gebaute Bahnhofsgebäude auf deutscher Seite mit dem aus Planken zusammengefugten französischen Wartesaal vergleicht, und ihm dabei die mosaische Sliflshütte und der Tempel Salomouis einfallen, und daß der letztere trotz seiner Pracht und Festigkeit in Trümmer gefallen: so wird man dies weder geistreich, noch zutreffend, noch taktvoll halten. Dem reisenden französischen Lehrer konnte es nicht entgehen, um wie vortheilhafter und dem Berufe entsprechender die Lage der Lehrer überhaupt und der jüdischen Lehrer insbesondere unter der deutschen Regierung geworden. Er theilt dies denn auch mit. Die deutsche Verwaltung hat das Minimum ihres Gehaltes auf 2000 Frcs. jährlich erhöht, und an einigen Orten bis über 3000 Frcs. Um den üblen Eindruck, den eine solche Mittheilung in Frankreich machen konnte, gleich wieder zu verwischen, stellt der Reisende die jüdische Bevölkerung in Elsaß und Lothringen als in rapider Abnahme begriffen dar, natürlich durch die immerwährende Auswanderung nach Frankreich. Er träumt sogar, daß die jüdische Bevölkerung in Frankreich bald wieder so groß sein werde wie vor der Trennung des deutschen Reichslandes von Frankreich. Dies Alles ist nun nichts als eine Captatio benevolentiae, die von Seiten des Herrn Fleur ganz ernst gemeint sein kann. Die jüdischen Gemeinden von Elsaß-Lothringen sind längst über das Stadium der Abnahme wieder hinweg und wieder in allmäliger Zunahme begriffen. Aachen, io. October. (Privatmitth.) Der Stadtrath a. D. Herr Abraham Mayer Hierselbst hat vor Kurzem sein 7 9. Lebensjahr zurückgelegt und deshalb seine Wiederwahl in die Repräsentantenversammlung abgelehnt. Zu den vielen Schenkungen und Stiftungen, die er bereits für Stadt und Gemeinde gemacht, fügte er bei dieser Gelegenheit eine neue von 3000 M. zu einem Stipendium für eine jüdischen Studenten am hiesigen Polytechnicum. Herr Mayer hat »0 Jahre theils als Vorsteher, theils als Repräsentant für die hiesige Gemeinde gewirkt, und es sahen sich deshalb der Vorstand und die Repräsentanten veranlaßt, am ersten Tage des Rosch-haschanah-Festes nach dem Gottesdienste durch eine Deputation dem Herrn Mayer den schuldigen Dank auszusprechen. Der an der Spitze der Deputation stehende erste Vorsteher, Herr Elias Meyer, richtete eine herzliche und achtungsvolle Anrede an den würdigen Greis, in welcher er besonders als das Verdienst desielben hervorhob, in der Gemeinde stets zum Frieden und zur Einttacht gewirkt zu haben, und wenn sich eine Meinungsverschiedenheit hervorthun und bethätigen gewollt, durch seine Besonnenheit und Milde zur Ausgleichung geführt zu haben. Der Gefeierte war tief bewegt von der Ehre, die ihm zu Theil geworden. Mainz, 13. October. (Privatmitth.) Die hiesige Bürgerschaft hat in einer Versammlung, welche aus allen Confessionen und Ständen bestanden, ihre Zustimmung zur Aufhebung aller städtischen Confessionsschulen mit großer Mehrheit gegeben, und sollen dafür confessionslose Schulen mit völliger Gleichberechtigung und Gleichberücksichtigung aller Confessionen gebildet werden. Daffelbe würde denn auch mit der israelitischen Schule stattfinden, welche der betreffenden Gemeinde große Kosten verursacht. Braunschweig, 7. October. iPrivatmitth.) Am 22. und 23. September wurde hier die neue, prächtige Synagoge eingeweihl. Der musikalische Theil der Feier war sehr gelungen, und die beiden vom Landrabbiner Herrn Dr. Herzfeld gehaltenen Predigten machten einen tiefen Eindruck. Die Herren Gemeindevorsteher ersuchten den verehrten Redner, die Predigten im Druck erscheinen zu lassen, und ist dies jetzt zu Gunsten eines wohlthatigen Zweckes geschehen. Oesterreich - Ungarn. Wim, im October. Der niederösterreichische Landesschulrath hat sich bestimmt gefunden, an seine Normalbestimmung vom 1. October 187 3 zur genauen künftigen Danachachtung wie folgt zu erinnern: Aus Anlaß der von einer Gymnasial-Direction in Wien gestellten Anfrage bezüglich der den Schülern mosaischen Glaubens an den Wiener Mittelschulen aus Anlaß der für sie gebotenen Feiertage zuzugestehenden Dispens vom Schulbesuche hat sich der Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Wien auf Ersuchen des k. k. Landesschulrathes folgendermaßen anher geäußert: „Die jüdischen Festtage, an denen die israelitische Jugend vom Schulbesuche befreit zu werden Anspruch machen kann, sind der 1., 2., 7. und 8. Tag des Passahfestes; rer 1. und 2. Tag des Wcchenftstes; der 1. und 2. Tag des Neujahrsfestes; der Versöhnungstag; rer 1., 2., 8. und 9. Tag des Laubhüttenfestes, zusammen dreizehn Tage im Laufe eines Jahres, von denen die ersten Tage des Passahfestes, sowie die beiden Tage des Wochenfestes oft mit den christlichen Ostern und Pfingsten Zusammentreffen, so daß die Schulordnung durch die jüdischen Feiertage eine nur geringe Störung erleidet. Von dem dogmatischen Verbote, am Sabbath zu schreiben, sind wir nicht in der Lage Dispens jzu ertheilen, und muß die Beobachtung oder Nicht- 44

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.