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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-10-19 · Heft 43 (19.10.1875) · p. Seite 696

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 43 (19.10.1875)
Date
1875-10-19
Page
Seite 696 (sequence 8)
Language
German
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696 Ergenthümlich genug veröffentlichten Heuer mehrere liberale Journale bei Gelegenheit des Rosch Haschana-Festes, wie dies auch in früheren Jahren der Fall war, Artikel über dieses Fest, und zwar von Juden, die mit der Saiyre nicht sparen. Daß die Witzblätter nicht zurückblieben, versteht sich von selbst. Allerdings haben wir Juden eine harte Schule durchgemacht. Wir mußten Jahrhunderte lang geduldig Spott und Hohn ertragen. Nun ist das „Hinschießen" den Herren vom Baterlande nicht recht, und offen gestanden behagt uns auch die Form oft nicht. Neu-Seeland. Aus Neu-Seeland, im September. Nach einer neuerlich veröffentlichten Statistik der religiösen Genoffenschaften in der Colonie Süd-Australien zählt dieselbe 435 Juden, die — wahrscheinlich in Adelaide — eine Synagoge besitzen. Mit derselben ist eine Sabbathschule verknüpft, die von 45 Schülern besucht wird. Persien. Teheran, im September. Nicht in Bagdad, sondern, wie aus Teheran, 19. Sept., gemeldet wird, in der persischen Stadt Hamadan (dem alten Ekbatana) ist es vorgekvmmen, daß der Pöbel einen Israeliten verbrannt hat. Die Schuldigen sind ermittelt und von den Behörden bestraft worden. Die persische Regierung hat erklärt, für die Sicherheit der Israeliten Sorge tragen zu wollen. (Diese Nachricht ist insofern willkommen, als die Berhaltniffe der Juden in Bagdad relativ günstig sind, wahrend Hamadan als ein Nest des rohesten Fanatismus bekannt ist.) Rußland. Petersburg, im October. Man schreibt der „B. Ztg.": Die vielen Beschränkungen, denen die Juden in Rußland leider noch immer unterworfen waren, schrumpfen in erfteulicher Weise immer mehr zusammen. So wird gegenwärtig im Ministerium des Innern das Project in Erwägung gezogen, das Gesetz, welches den Juden nur gewiffe Gouvernements zum Wohnorte anweist, nicht mehr aus diejenigen Bekenner mosaischer Cvnfession auszudehnen, welche im Besitze eines Zeugnisses von irgend einer Lehranstalt sind. Letztere sollen vielmehr das Recht haben, sich überall im Reiche niederzulaffen und Handel und Gewerbe zu betreiben. Mau muß anerkennen, daß die gegenwärtige russische Regierung bestrebt ist, natürlich mit Berücksichtigung der Berhältniffe, das Unrecht gut zu machen, welches die früheren Regierungen in so inhumaner Weise den Juden angelhan haben. Die russischen Juden hegen die berechtigte Hoffnung, daß die Befreiung von ihrer Sonderstellung mit allen ihren Bedrückungen nur die Frage einer kurzen Zeit sei. St. Petersburg, 6. October. (Privatmitth.) Die hiesigen Israeliten und, man kann sagen, die des ganzen russischen Reiches haben einen herben Verlust erlitten. Der hiesige Rabbiner Nr. Neumanu, früher Rabbiner in Riga, ist mit Tode abgegangen. Er war ein Mann von seltener, wahrer Begeisterung für die Religion Israels, sowie für die sittliche Hebung seiner Glaubensgenoffen und die Verbefferung ihrer politischen und socialen Lage. Diesen Bestrebungen hat er unausgesetzt sein Leben und seine ganze Kraft gewidmet. Er verband damit eine außergewöhnliche Bescheidenheit und große Menschenkenntniß, und diese Eigenschaften befähigten ihn, die überaus schwierige Stellung auszufüllen, in welche ein Rabbiner hierorts versetzt ist. Die Theilnahme ist daher eine allgemeine, und selbst bei den höchsten Behörden. (Ein ausführlicher Nachruf in einer der nächsten Itummern.) Amerika. New-Aork, im September. Schon manche unsrer Correspondenzen und Mittheilungeu haben die religiösen Zustände bei unsren amerikanischen Glaubensgenossen nicht in den rosigsten Farben gemalt. Allein das muß man ihnen und mit wahrer Befriedigung zugestehen, daß die Wohlthätigkeit bei ihnen in großartiger Blüthe steht, und auf jede mögliche Weise gepflegt wird. Als ein Beispiel führen wir aus dem „Hebr. Lead." folgende Mittheilung an: Wir hören, daß mehrere Knaben im Alter von 12 bis 14 Jahren eine Gesellschaft unter dem Namen „Jung-Israel-Gesellschaft" gegründet haben, mit dem Zwecke der Vertheilung von Almosen. Sie halten ihre Versammlungen Sonntags von drei bis vier Uhr Nachmittags in der Synagoge in der 44. Straße ab. B. Hotzman ist Vorsitzender und E. Levy Schriftführer. Dieser jugendliche Verein wünscht sehnlichst, die Zahl seiner Mitglieder zu vermehren. —. Der „Hebr. Leader" schätzt die Zahl der Israeliten, die alljährlich vom Lande und den kleinen Orten der Umgebung nach dieser Stadt kommen, um dort die hohen Feiertage zu begehen, auf 5000.

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