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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-10-19 · Heft 43 (19.10.1875) · p. Seite 693

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 43 (19.10.1875)
Date
1875-10-19
Page
Seite 693 (sequence 5)
Language
German
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693 Anderes als dessen Berufung' zum Prophetenamte geben will. Sie lehnt sich an die Vision Jesaias', weshalb im Talmud (Chag. l3, 2) beide Visionen identificirt wurden, wobei Jecheskel nur mehr in's Detail eingegangen sei. Jndeß ist es eben nur eine allgemeine Aehnlichkeit, die zuzugestehen wäre. (Fortsetzung folgt.) 6itcxc&uxr6tea. Deutschland. Berlin, 4. October. Da es die Natur der Sache mit sich bringt, daß der Staat diejenigen Einrichtungen, die auf einer religiösen Unterlage beruhen, wie Sonn- und Feiertage, nach der Religion der Mehrheit, also nach der christlichen Kirche ordnet: so bethätigt sich der Grundsatz der Glaubensfreiheit und der Gleichstellung der Culte dadurch, daß durch jene so wenig wie möglich die freie Religionsübung jedes Einzelnen beschrankt werde. Dies wird denn auch gegenwärtig im preußischen Staate in wünschenswerthester Weise ausgeübt. Als ein Beispiel davon führen wir folgendes Factum an: An Len letzten Schwurgerichtshof des hiesigen Stadtgerichts hatten sich vier israelitische Geschworene mit der Bitte gewendet, sie von der Theilnahme an den Sitzungen wahrend der jüdischen Feiertage zu dispensiren. Am vorigen Mittwoch hat der Gerichtshof über den Antrag Beschluß gefaßt und dem Gesuche in bereitwilliger Weise stattgegeben. Einer der Herren nur wurde dahin beschieden, daß er, weil sonst nicht die gesetzlich vorgeschriebene Anzahl von auszuloosenden Geschworenen erscheinen könne, also erst neun Ersatzgefchworene desiznirt werden müßten, zur Ausloosung mit zur Stelle komme, daß er aber gleichzeitig mit Bestimmtheit darauf rechnen könne, im Falle rer Ausloosung abgelehnt zu werden. Berlin, 6. October. (Privatmiltheil.) Die „Gegenwart" vom 2. d. enthält einen geharnischten Artikel gegen die „Kreuzzeitung" und „Germania" von H. B. Oppenheim unter der Ueberschrift „Ueber das Niederträchtige". Hauptsächlich wendet sich Herr Oppenheim gegen die erstere. die, wie bekannt, ihn selbst mit in den Streit gezogen und zwar in unbegründetster Weise. Es kommt dem Verfasser des Aufsatzes besonders darauf an, die Motive der beiden sympathisirenden Organe aufzudecken, und er findet es bei der „Kreuzzeitung" in dem Bedürfniß, die Aufmerksamkeit einmal wieder auf sich zu lenken, da sie fühlt, daß sie „Las wenig mehr beachtete Organ einer untergehenden Partei" sei. Sie benutzte daher die finanziellen Vorgänge, um die auf dem Grundsätze der freien Bewegung beruhende Gesetzgebung bei denen zu verdächtigen, welche gewohnt sind, für die traurigen Folgen ihrer Habgier und Gewinnsucht die Gesetze anzuklagen, und wiederum diese letzteren den Juden zuzuschreiben. Bei der „Kreuzzeitung" zeigt er, war und ist Alles nur Standesintereffenpolitik. Er sagt da: „Diese Art von Geistesverwirrung ist der Psychiattie wohl bekannt: in den fünfziger Jahren! gab es Individuen, welche Alles, was geschah, auf Lord Palmerston zurückführten und überall eine Jnttigue desselben witterten; der französische Journalismus macht es jetzt mit dem Fürsten Bismarck so. und der nothleidende Rittergutsbesitzer in unfern östlichen Provinzen, der bei schwerem Rothwein über die Noth der Zeiten seufzt, sieht überall die verheerenden Wirkungen des „jüdischen Capitals."" Für die „Germania" findet Herr Oppenheim das Motiv, da man bei einer Partei, „die sich den heuchlerischen Anschein giebt, im Namen einer unterdrückten Glaubensgenoffenschaft und im Sinne allgemeiner Glaubensfreiheit zu reden", voraussetzen sollte, daß sie confessionelle Hetzereien vermeiden werde, darin, daß dieses Blatt „mit seiner Anhängerschaft und seiner Propaganda auf die blinden Leidenschaften und die blöden Voruriheile der rohen Masse angewiesen ist. In dem großen Culturkampse, der uns alle wohl überleben wird, beruhen die Aussichten und Hoffnungen der ultramontanen Partei aus dem Nachweise, wie viele Millionen Seelen sich der Cultur und Aufklärung unzugänglich erweisen, wie viele Millionen Seelen ihr blind gehorchen, ihre Wahnvorstellungen und Urtheile direct von ihr beziehen. In dem seit Jahren entbrannten Kampfe hat sie an die Verblendung und Verwilderung der Massen appellirt, sie triumphirt blos durch den Beweis, daß Louise Lateau, Lourdes, Paray-le- Monial und vieles andere Derartige, in unserem Jahrhunderte nicht blos möglich ist, sondern sogar noch Massen zu electrisiren vermag. In dieselbe Kategorie gehört der Judenhaß: man führt den Pöbel nur, indem man zu ihm herabsteigt". — Diese kurze und scharfe Charakteristik ist gewiß zutreffend, wenn sie auch nicht so tief eingeht, wie es der Verfasser des Artikels „vom Rheine" in Nummer 40 dieser Zeitung gethan. —. Es sei hier die betrübende Mittheilung gemacht, daß vr. Nascher, Prediger an einer kleinen hiesigen Gemeinde, der vor einiger Zeit in eine Irrenanstalt gebracht werden mußte, vierzehn Tage darauf verstorben ist. Berlin, 10. October. (Privatmitth.) Neulichst berichtete die „Nordd. Ztg.", daß das Ministerium gegenwärtig Erhebungen über die Verhältnisse der jüdischen Gemeinden durch die Regierungen machen lasse. In der That ist an die Vorstände der jüdischen Gemeinden durch ihre Ortsbehörden eine Reihe von Fragen zur Beantwortung vorgelegt worden, nämlich folgende: 1) Zahl der im Eigenthum der Gemeinde befindlichen, dem Gottesdienste gewidmeten Gebäude: 2) Desgleichen dem Unterrichte gewidmeten Gebäude:

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