Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 42 (12.10.1875)
- Date
- 1875-10-12
- Page
- Seite 680 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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680 vielen Cultusgemeinden noch immer herrschende Praxis, der gemäß der Lehrer nicht als stabil, sondern nur für eine gewisse Zeit ausgenommen wird, hat daher als eine unwürdige, mit dem Lehrerstand unverträgliche und rechtswidrige Verfahrungsweise aufzuhören. Obigem zufolge fordere ich Sie daher auf, in ihrem competenten autonomen behördlichen Wirkungskreise unverzüglich Anstalt zu treffen: 1. daß in den innerhalb ihres Amtsbereiches bestehenden Volksschulen die auf Grund der abverlangten Daten constatirten Mängel aufgehoben werden, und 2. daß ein Entwurf, der zur Regelung des Verfahrens bei der Aufnahme der amtlichen Suspendirung und definitiven Entlassung der bei den Volksschulen israelitischer Confession angestellten Lehrer zu dienen haben wird, angefertigt werde. Ich erwarte seiner Zeit mit Gewißheit Ihren Bericht über die in beiden Richtungen von Ihnen zu treffenden Anstalten sammt dem Entwurf des bezüglich der Lehreraufnahme und Entlassung zu bringenden Reglements. Der Cultus- und Unterrichtsminister hat aus den Revenuen des israelitischen Landesfonds am 17. Mai l. I. unter Z. 23,346 zum Zwecke der Förderung des Unterrichts 17,700 fl. mit gleicher Vertheilung unter die israelitischen Schulen beider Fractionen angewiesen und vertheilt. — Da jedoch noch zahlreiche Schulen von israelitischen Cultusgemeinden beider Fractionen ohne Subvention blieben, so hat der Minister aus dem Heuer ersparten Einkommen des israelitischen Landesfonds am 23. September l. I. zur Verbesserung der israelitischen Schulen und nm den Unterricht in bessern Stand zu versetzen, neuerdings 16,000 fl. angewiesen und unter die beiden Fractionen gleich vertheilt unter der Bedingung, daß die Präsidenten sowohl der israelitffchen Centralkanzlei, als der Vermittlungscommission die ihnen angewiesenen je 8000 fl. unter die gute Lehrer besitzenden und zugleich unterstützungswürdigen und bedürftigen israelitischen Cultusgemeinden vertheilen, von jeder, einer Unterstützung theilhaftig gewordenen Cultusgemeinde eine vorschriftsmäßig gestempelte Quittung verlangen, und diese Quittung seiner Zeit dem Ministerium zu unterbreitenden Rechnungslegung beizuschließen; darüber aber gehörig wachen, daß die Unterstützungsgelder von den betreffenden Cultusgemeinden ausschließlich zu Schulzwecken benützt werden. —. Am 30. October wird der sehr verdiente Obercantor, Herr Moritz Friedmann, sein 23jähriges Amtsjubiläum begehen. Es ist hier ein Comitv zusammengetreten, um dem im Gottesdienste so wirksamen Manne, der auch mehrere Compositionen veröffentlicht hat, eine würdige Feier zu bereiten. Aus Oberungarn, im October. (Privatmitth.) Wohl wird von den hervorragendsten Mitgliedern unserer Orthodoxen seit Monaten in Budapest stark gearbeitet, wohl verweilten bei der orthodoxen Kanzlei vor Kurzem die angesehensten Männer des Landes, um auf die Deputirten zu wirken, und doch ist der Bau des Seminars eine beschlossene Sache, und har es den Anschein als ob sich unsere Orthodoxen mit Resignation in das Unvermeidliche fügen. Wie man uns aus competenter Quelle mittheilt, denkt die Orthodoxie auch nicht daran, für die Folge das Seminar zu bekämpfen, wohl aber hofft sie, noch in der letzten Stunde eine Theilung des Schulfonds zu Gunsten der orthodoxen Gemeinde zu erzielen. Wie wir aus den veröffentlichten Berichten der Congreßkanzlei ersehen, wirkt diese Behörde in humaner Weise für das Bolksschulwesen des Landes, und wenn die Resultate dem Nichtfachmann als nicht greifbar erscheinen, so hat dieses in den Culturverhaltnissen Ungarns seinen Grund. Die Saat, die hier ausgestreut wird, muß aufgehen, und jene Jünglinge und Jungfrauen, die dermalen aus dem Landesschulfonds Unterstützung erhalten, werden mit uns dem emsigen Schaffen des seligen Eötvös Gerechtigkeit widerfahren lassen. Abgerechnet einiger Beamten des ungarischen Rechnungshofes, erfuhr bis vor Kurzem Niemand etwas vom Gebühren der Verwaltung des ungarischen israelitischen Schulfonds, und heute ist ein Pensionsverein für israelitische Lehrer geschaffen, ein Fonds für israelitische Lehramtscandidaten und Candidatinnen gebildet, und werden israelitische Volksschulen in hinlänglicher Zahl unterstützt. Daß die Orthodoxie das Rabbinerseminar, wenn es einmal eröffnet ist, am meisten unterstützen werden, ist für diejenigen Personen, welche gleich uns den orthodoxen Kreisen naher stehen, einleuchtend, und hören wir sehr oft von Jeschibajüngern die naive Frage: wird das Seminar noch nicht eröffnet? Ja es wird uns aus einem obscuren Marktflecken Zemplins (Stropkü) berichtet, daß vor Kurzem ein Jeschibajünger sein Weib sitzen ließ, um seinen Wissensdurst an der Donau zu Men. In manchen Gemeinden Oberungarns herrscht auf dem Gebiete der Schule ein rüstiges Vorwärtsschreiten, und erhielten die benachbarten Schulen in Eperies, Kaschau, Szebes-Kelemes, Homonna rc. rc. Unterstützungen aus dem israelitischen Schulfonds. In Kaschau wird ein Schulhaus aufgebaut und Tolcsva erhielt soeben 8000 fl. als Vorschuß zum Bau eines Schulhauses. Die Hauptschule in Homonna, an welcher auch der in weiteren Kreisen rühmlichst bekannte 0r. meä. Ungür das Ehrenamt eines Schuldirectors bekleidet, und der Gefertigte als leitender Lehrer fungirt, wird von Zöglingen ohne Unterschied der Confession aus Nahe und Ferne besucht, und hat die Schülerzahl in der 6klassigen Knaben- und Mädchenschule die Zahl 200 überstiegen. Aber auch auf dem Gebiete des höheren Schulwesens können wir das Erfreulichste berichten: so werden die höheren Lehranstalten in Kaschau, Eperies, Ujhely von israelitischen Zöglingen sehr zahlreich besucht, so waren im katholischen Staatsgymnasium in Eperies 25 o/o Israeliten und in der evangelischen Lehranstalr daselbst 30 °/o. Von der evangelischen Rechtsakademie in Eperies wurde ein Israelit, Herr Dr. juris S. Horovits, seitens des Convents als Professor des römischen Rechtes gewählt. Es ist