Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 42 (12.10.1875)
- Date
- 1875-10-12
- Page
- Seite 678 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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678 selbst ihren Erweis findet. Wir haben diese beiden Bedingungen gänzt werden können, die wesentlichen Gedanken erscheinen uns einzuhalten uns sorgfältig bemüht, und geben daher willig zu, aber völlig begründet, daß Einzelnheiten in unsrer Auslegung noch berichtigt und erduoccßuxrßteu/. Deutschland. Berlin, 4. October. lPrivatmittheil.) Die „Germania" sährt getrost in ihren Schandartikeln fort; aber ebenso fährt die gesammre liberale Presse fort, gar keine Notiz davon zu nehmen. Auch wir Juden werden endlich so gescheit werden, auf die Schmähungen eines solchen Blattes gerade so viel zu hören, wie auf das Keifen eines alten Marktweibes. Bon jeher hatten unsre Glaubensgenossen die Schwäche, die gegen sie veröffentlichten Druckschriften mehr zu kaufen und zu lesen als Nichtjuden es thun. Denn in dem einen Punkte hat das Jesuitenblatt Recht, nämlich, daß die Juden äußerst empfindlich seien. An sich wäre dies eher ein Lob als ein Tadel. Denn da so unendlich viel schon auf die Juden losgehauen worden, früher mit Geißel und Schwert, jetzt mit Worten, so müßten sie nach der Art gewöhnlicher Menschenkinver völlig abgehärtet sein. Aber das Ehrgefühl ist trotzdem in ihnen so rege geblieben, daß sie einen Angriff, deffen Ungerechtigkeit und Uebermaß sie erkennen, sie immer wieder reizt. In den meisten Fällen jedoch ist diese Empfindlichkeit eine Schwäche, da sie eben den Gegnern die leichte Gelegenheit giebt, unsre Glaubensgenoffen zu ärgern, so ihrem Haffe zu fröhnen, unv ihren Auslastungen eine Wichtigkeit beigelegt zu sehen, die sie in der Thal gar nicht besitzen. Wenn Männer von Autorität, wenn Schriften oder Blatter von entschiedener Ehrenhaftigkeit sich gegen uns auslaffen, fv haben wir wohl darauf zu achten, zu widerlegen, worin jene geirrt, und wahrzunehmen, worin sie uns belehren. Denn da ein Volk, eine städtische oder religiöse Corporation ebensowenig wie ein Individuum von Fehlern und Mängeln frei ist, so erfährt man öfter von Gegnern, wohin man sich zu dirigiren habe, als von Freunden und Gönnern. Tritt aber eine hinlänglich charakterisirte Partei, welche allen humanen und liberalen Institutionen den Tod geschworen, tritt sie mit der entschiedenen Tendenz, Alles, was ihr und ihrer Herrschsucht widersteht, in den Staub zu werfen, tritt sie endlich so gewiffenslos auf, alle Mittel zu verwenden, welchen sittlichen Werthes diese auch seien, die sie für ihre Absichten nützlich hält, tritt sie also wie die „Germania" aus: so mögen wir sie unbeachtet lasten und sie der Verutheilung und dem Schicksal überweisen, die ihrer doch über Kurz oder Lang harren. — Darum hinweg mit dieser Empfindlichkeit, z. B. einer „Germania" gegenüber! Zieht diese ihr Gift aus Allem, was Wiffenschaft, Bildung, Humanität, Entwickelung des Rechts unv der Freiheit, Unterweisung und Veredlung des Volkes, was Deutschland, deuffches Reich und deuffche Institutionen umfaßt, mag sie auch Judenthum und Juden dazu verwenden — wird sie doch diese so wenig wie jene aus der Welt schaffen. — Uebrigens würde selbst ein Herkules nicht im Stande sein, den Augiasstall ihrer lügenhaften Behauptungen zu reinigen; und wenn man eine derselben widerlegt, tritt sie mit zehn anderen dafür auf, und thut schließlich, als ob man dadurch, daß man eine widerlegt, zugebe, daß die anderen richtig seien. Weist man, um nur ein kleines Beispiel hervorzuheben, nach, daß die von den Ultramontanen immer wiederholte Behauptung, in Italien seien die meisten der eingezogenen Kirchen- und Klöstergüter von Juden gekauft worden, völlig lügenhaft ist, da nach den officiellen Nachweisen kaum ein Procent von Juden erstanden sind: so sind sie mit einem Dutzend anderer Erfindungen bei der Hand, abgesehen davon, daß sie sich durchaus nicht stören lasten, die ftöhere Lüge zu wiederholen. — . Die neue, von Privatleuten errichtete Synagoge an der Potsdamer Brücke wurde letzten Sonntag eingeweiht. Der Weihe wohnten der Oberbürgermeister und die sämmtlichen Rabbiner und Vorstände der hiesigen Gemeinde und Genoffenschaften bei. Die mit dieser Synagoge gebildete Gemeinde hat den bisherigen Mecklenburgischen Landesrabbiner Dr. Cohn als Rabbiner berufen, und dieser hat die Weihepredigt gehalten. —. Auch in diesem Jahre, wie in vielen früheren, sind die jüdischen Familien in Berlin aus Anlaß der hohen Feiertage von auswärtigen Bettlern, die, fast ausschließlich aus Polen, schaarenweise hierher strömten, belästigt worden. Es ist bisher nicht gelungen, sich dieser zudringlichen Müssiggänger, von denen nur der kleinste Theil wirklich leidend und hülfsbedürftig ist, durch polizeiliche Maßregeln zu erwehren. Man will nun, wie die „Trib." mittheilt, seitens einer Anzahl begüterter Gemeindemitglieder und unter Hinzunahme vorhandener Fonds für solche Zwecke, versuchen, durch Stiftung einen Verein, ähnlich dem bestehenden zum Schutze gegen Verarmung und Bettelei, zu gründen und auf dieses jene Bettler anzuweisen. Cottbus, 30. Septbr. (V. Z.) Gestern wurde hier die neue Synagoge eingeweiht. Es waren dazu die Staats-und städtischen Behörden eingeladen und auch erschienen. Nur Einer hatte abgelehnt und zwar der hiesige Superintendent Ebel in g, welcher wörtlich folgende Antwort absanvte: „Dem Verwaltungsvorstande für die durch die gütige Einladung zu der heutigen Synagogeneinweihung mir erwiesene Aufmerksamkeit ergebenst