Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 42 (12.10.1875)
- Date
- 1875-10-12
- Page
- Seite 676 (sequence 4)
- Language
- German
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676 Len beiden obersten Decken, welche zum Schutze gegen die Einwirkung der Elemente dienten, wie denn auch beim Transport die in blaue Tücher geschlagenen Heiligthümer mit Thachaschfellen bedeckt wurden. Aus Ziegenhaaren *) war die dritte Decke gefertigt, welche der Wohnung, wie schon bemerkt, den Charakter des Zeltes geben sollte, um anzudeuten, daß das Heiligthum nicht an einen Ort fixirt gedacht werden sollte, sondern daß es sich da befände, wo die Offenbarungs- und Opferstätte sei. (Vgl. 2 Mos. 20, 24.) Die beiden anderen Zeuge, Leinen und Wolle, erscheinen vorzugsweise mit den vier Farben verbunden: weiß, karmoisinroth, purpurroth und tiefblau. Weiß ist das feine Linnen, welches im Alterthum unter dem Namen Byffus berühmt war.'-) Der Byffus allein befand sich an den Umhängen des Hofes, sowie an den Beinkleidern, dem Rock und dem Kopfbunve der Priester und des Hohenpriesters, die unmittelbar den Leib bedeckten. Am Versöhnungstage mußte der Hohepriester seine hvhenpriesterlichen Gewänder ablegen und nur in weißer leinener Kleidung im Allerheiligsten zum Vollzüge der Sühnung erscheinen. Diese letzteren Kleider heißen: „die Kleider des Heiligen" (3 Mos. 10, 4. 32.) Hieraus geht die Bedeutung rer weißen Farbe deutlich hervor. Der Mensch soll, Gott gegenüber, in seiner sich sühnenden, versöhnenden Heiligung erscheinen. Der weiße Byffus ist demnach die symbolische Farbe der menschlichen Heiligkeit und Reinheit, darum am Hofe und an den Priestern, und trifft hierin mit der Bedeutung des Silbers zusammen (vgl. Jes. 1, 18). — Auch die Bedeutung der karmoisinrothen Wolle wie der r o t h e n Farbe überhaupt wird uns durch einen besondern Gebrauch erkennbar. 3) In das Blut eines geschlachteten Vogels wurde ein lebender mit Zedernholz, Mop und karmoisinrother Wolle getaucht und damit gegen den geheilten Aussätzigen und das aussätzige Haus gesprengt, um sie von ihrer Unreinlichkeit frei zu erklären. Mit der ganz rothen Kuh, mit deren Asche das Reinigungswaffer für den, der einen Tovten berührt hatte, bereitet wurde, mußte karmoisinrothe Wolle mit verbrannt werden (vgl. Jes. 1, 18 und Jos. 6, 17. 2, 18.). So erscheint die rvthe Farbe überhaupt, insonders aber die karmoisinrothe als Farbe des Reinwerdens von aller Ber- 1) Bei den v'is Ziegenhaaren ist, wie auch Philo und Josephus angeben, nicht an die schwarzen Haare der o'ny®, die noch jetzt zu groben Regen- und Zelttüchern verarbeitet werden, zu denken, sondern an die glänzend weißen Haare der Angoraziegen, die zu kostbaren Gewändern verarbeitet wurden. 2) ao Byffus, Linnen, da es mit in und rtnas synonym gebraucht wird <z. B. 2 Mos. 28, 39. 3 Mos. 6, 3. Ezechiel 47, 17); derselben Ansicht sind Sept., Philo, Josephus, der Talmud, z. B. Chilaim 9, 1, die weiße Farbe wird ihm durch die Dialecte und nahestehenden Worte oo, ■joicj gesichert. 3) nybm ist unzweifelhaft die hochrothe Farbe, die „karmoisin" heißt, wie sie aus den pulverisitten Körpern und Eiernestern der weiblichen Schildlaus, Kermes, bereitet wird (vgl. Rambam zu Chilaim 32, 2). unreinigung. Wie aber sich nun in ihrer symbolischen Bedeutung die purpurrothe Farbe 4) von der karmoisinrothe« unterscheidet und schattirt, dafür fehlt uns jeder Anhaltspunkt. In unserem Kreise erscheint das purpurroth allein nur an einer Decke über dem Opferaltar. — Desto sicherer ist uns die Bedeutung der tiefblauen Wolle 5) durch die heilige Schrift selbst gegeben. Nach 4 Mos. 15. 37 ff. soll jeder Israelit Schaufäden an den vier Ecken seines Gewandes tragen, und an jedem dieser Schaufaden sich eine Schnur von tiefblauer Wolle befinden, bei deren Anblick er sich aller Gebote des Herrn erinnern, sie aussühren und alle Abweichung nach dem Gelüste des Herzens und der Augen von sich weisen solle. Ebenso sollte das Oberkleid des Hohenpriesters ganz von tiefblauer Wolle sein. Die heil. Gerathe außer dem Opferaltar, wenn sie beim Transport in die Oeffentlichkeit ttaten, wurden mit Hüllen von tiefblauer Wolle bedeckt. So sind endlich die 50 Schleifen, welche die beiden Stücke des untersten die Wohnung bekleidenden Teppichs verbinden, von tiefblauer Wolle. Es ist hieraus unzweifelhaft, daß diese Farbe die Empfängniß und die Ausführung der Offenbarung, des geoffenbarten Gesetzes symbolisirt. Wir haben also in der weißen Farbe, die menschliche Heiligung, in der rochen, die Reinigung des Menschen und in der tiefblauen, die Ausführung des Gesetzes dargestelll. Die vier Farben verschmelzen sich harmonisch in dem innersten Teppich, in den Vorhängen, sowie im Ephod und Choschen des Hohenpriesters, um den Gedanken zu tragen, daß durch die Heiligung, die Reinigung und die Ausführung des Gesetzes der Mensch zu der durch die Offenbarung gettagenen Verbindung mit Gott gelangt. Wir sehen also auch in diesen Stoffen und Farben den das ganze Heiligthum erfüllenden Gedanken zur symbolischen Darstellung gebracht. — Wir haben unsre Aufgabe, soweit es im Rahmen dieser Zeitschrift angemeffen, zu lösen versucht. Wir glauben, daß sich 4) 173M* ist unzweifelhaft das im Altetthume hochbelobte Purpurroch, das ttopfenweise aus der Purpurschnecke gewonnen wurde. Wolle war gewöhnlich der Stoff, der mit ihm gefärbt wurde. Wenn Baehr in der purpurrothen Farbe die Bedeutung der Erhabenheit königlicher Majestät finden wollte, so hatte er dafür keinen Beweis, als aus dem Heidenthume und in der h. Schrift von der Tracht heidnischer oder heidnisch gesinnter Könige, wogegen der mosaischen Zeit der Byffus der egyptischen Könige viel näher lag (1 Mos. 41, 42.). 5) nbsn wird ebenso von alten Uebersetzern und Erklärer«, wie auch vom Talmud <Menachoch 43) als meer- oder himmelblau, und zwar in's schwärzliche fallend, wie der Himmel in wärmeren Zonen, namentlich in Asien aussieht, erklärt. Die ersteren geben es vuxtv&ov, welches von den gewichtigsten Autoren als Himmel- oder meerblau angegeben wird. Daß Aben-Esra allein es für gelb ausgiebt, ist von keiner BedeuMng. Glücklich widerlegte Baehr einige neuere, welche violet anuahmen.