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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-10-05 · Heft 41 (5.10.1875) · p. Seite 666

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 41 (5.10.1875)
Date
1875-10-05
Page
Seite 666 (sequence 10)
Language
German
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666 hierzu erforderliche Material, namentlich in diesem Blatte, ergiebig gesammelt werde. — In der Schachtfrage ist vom Bunvesrathe noch immer keine definitive Entscheidung erfloffen, was jedoch für uns mit keiner Jnconvenienz verbunden ist, da ebenso lange das qu. Verbot suspendirt bleibt. Persien. Aus Persien, im September. Die „N. fr. Pr." schreibt: Die persische Hauptstadt war kürzlich der Schauplatz einer empörenden Grauelthat.Ein Jude Namens Pehoudda wurde von der fanatischen Menge bei lebendigem Leibe verbrannt. Wie 1) Nach den bisherigen Berichten ging die entsetzliche That nicht in Theheran, dem Sitze der Regierung, sondern in Bagdad vor sich. man uns nun aus Paris berichtet, soll diese Grausamkeit, welche an die schönsten Zeiten des Mittelalters erinnert, die Cabinette von Versailles, Berlin, Wien und London veranlaßt haben, in Teheran im Namen der Humanität gegen solche Ausschreitungen eines fanatischen Pöbels zu protestiren. Insbesondere soll die französische Regierung Gelegenheit genommen haben, devi persischen Gouvernement nahezulegen, daß sie die Wiederholung solcher, der Civilisation und der Menschlichkeit hohnsprechenden Grausamkeiten nicht dulden und nöthigenfalls alle Mittel aufbieten werde, dieselben zu verhindern. In Teheran wird man hoffentlich nicht verabsäumen, die Schuldigen zur Verantwortung zu ziehen; auf jeden Fall wurden jedoch die Mächte, welche mit Persien diplomatische Verbindung unterhalten, gut daran thun, den Protest Frankreichs nach Kräften zu unterstützen. Feuilleton. Die Treue. Erzählung. IV. > Erwartung empfindet, wenn sich endlich die Besorgniß als eine unnöthige erweist, rief sie aus, indem sie die Arme gegen den Knaben ausstreckte: „Da ist er noch, Gott sei Dank da ist! er! . . Als Mett, sein Sohn Kalonymus und der Fährmann, nachdem der Abgesandte des Schwedeukönigs Stahlmann von den Kroaten überfallen und gefangen genommen worden, in die einsame, verfallene Hütte an der Mündung der Saale eingetreten waren, gab der erstere dem Knaben und dem Fährmann ausführliche Anweisungen, wie sie in der Nacht in die Stadt hineinkommen, Kalonymus den schriftlichen Befehl Stahlmanu's abgeben, nähere Bestimmungen über Zeit und Ort für die Abholung der ausgespeicherten Borräthe in Empfang nehmen und dann mit dem Fährmann wieder aus der Stadt gelangen sollten. Es war Alles sorgfältig berechnet, genau bestimmt und die gegründete Hoffnung vorhanden, daß das Unternehmen in der von Mett geplanten Weise glücklich ausgeführt würde. Hierauf warf sich der Fährmann aus ein Bündel Sttoh in der Ecke der Hütte und sank vor Erschöpfung in tiefen Schlaf. Merr aber ließ sich auf einen Holzklotz nieder und überließ sich seinen Gedanken, während sein Sohn neben ihm stand und durch den schmalen offenen Eingang in die stille Landschaft und den blauen Himmel hinausblickte. Plötzlich verdunkelte sich der Eingang, Merr blickte erschreckt auf, und gewahrte, was er am wenigsten erwartet, seine Frau. Er fuhr von seinem Sitze auf, und rief: „Mirjam, Du hier? weshalb kommst Du? . . ." Mirjam erschien in aufgeregter, leidenschaftlicher Stimmung; ihr Anzug war in Unordnung, unter der festanschließenden Haube quollen einige, sonst so sorgfältig verborgene Locken hervor, und ihre Schuhe waren von dickem Staube bedeckt. Ihr Blick war schnell vom Manne auf den Knaben gefallen, und mit einer Freude, wie sie der geängstigte Mensch nach langer peinlicher! Merr ttat auf seine Gattin zu, und sagte mit mildem Tone: „Liebe Mirjam, was hat Dich so aufgeregt? was hat Dich hier her getrieben? Wir sind ja in Sicherheit . . ."! „Und Du ftägst noch? Du entführst mir meinen Knaben, um ihn, den schwachen, unerfahrenen, in die gefahrvolle Bahn | zu werfen, die Du selbst beschritten, und die Du nicht aufgeben willst, bis Du darin untergegangen und mich zur Wittwe und meine Kinder zu Waisen gemacht hast! Ich will es nicht, ich dulde es nicht, ich will meinen Kalonymus wiederhaben. Ich bin umhergeirrt bis mir Gott den Gedanken an diese Hütte ein-!gab. Ich habe ihn gefunden, und gehe ohne ihn nicht wieder fort! . . j Mett hatte seinem Sohne einen Wink gegeben, daß er vor die Hütte ttete, und erwiderte jetzt ruhig: „Hältst Du mich denn, Mirjam, für einen so gewissenlosen Vater, daß ich den Knaben irgend einer wirklichen Gefahr aussetzen, oder ihn dahin schicken! werde, wo ihm etwas Leides geschehen könnte? Auch mein Herz! hängt mit allen Fasern an dem theuren Kinde und lieber möchte >ich all' mein Blut vergießen, als ihm einen Schaden zufügen ■ lassen. Wozu ich ihn gebrauchen will, das ist ein einfacher Botendienst, nur um ein winziges, aber wichtiges Papier sicher in die rechte Hand zu bringen und unter zuverlässigem Geleite. Es kann ihm nichts passiren." „Das sagst Du; aber wer ist mir Bürge dafür? In dieser Zeit und in diesem Lande ist nichts sicher; überall lauert der Feind, schweift der Tod umher, seine Beute zu erfassen; Niemand ■ kann berechnen und voraussehen, welcher ttaurige Zufall eintteten 'mag. Und da lasse ich ein solches Kind nicht ohne Vater oder

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