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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-10-05 · Heft 41 (5.10.1875) · p. Seite 665

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 41 (5.10.1875)
Date
1875-10-05
Page
Seite 665 (sequence 9)
Language
German
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ehrendem Andenken behalten. — M. E. Cunow Hai das Alter von 76 Jahren erreicht. Geistig und körperlich frisch, war er zum Besuche seiner hier wohnenden Tochter eingetroffen; fand aber nach mehrwöchentlichem Krankenlager in der Start die ewige Ruhe, wo er rie längste Zeit seines Lebens, — 33 Jahre hindurch, — so segensreich gewirkt hatte. Hinterlafsenen Bestimmungen gemäß wurde seine Leiche von seinen Kindern nach Berlin überführt, und dort an der Seite seiner ihm vorangegangenen Gattin bestattet. In Berlin hat, wie wir hören, eine große Anzahl von dort wohnenden ehemaligen Schülern dem verehrten Lehrer das letzte Geleit gegeben. 8. Holland. Haag, 24. Sept. lPrivatmitth.) Was man auch über die Mangelhaftigkeit in den Zuständen bei den holländischen Juden sagen mag: Eines zeichnet sie aus, die freudige Opserwilligkeit, mit der sie zur Ausschmückung ihr Synagogen Spenden und Gaben in Fülle darbielen. In den größern Gemeinden sieht man durch begüterte Privatleute Jahr für Jahr an kostbaren Vorhängen, Thoramänteln und gottesdienstlichen Ornamenten aller Art den Vorrath wachsen. In kleinen Gemeinden bilden sich Männer-, Jünglings- und Frauenvereine, um durch ihre nach und nach angesammelten Scherflein die Kosten solcher Ausschmückung zu tragen. Viele dieser Vorhänge und Thoramänrel mit schönen und kostbaren Stickereien werden in dem Atelier der Herren Ban Oven gefertigt, in welchem man stets eine Anzahl derselben friedlich neben den Ornamenten anderer Religionsgesellschaften und den Emblemen der Freimaurer beschauen kann. In diesen Tagen vollendeten die genannten Herren einen überaus kostbaren und geschmackvoll in Gold- und Silberstickereien aus weißem Moiree auiiquc verfertigten Vorhang, welchen Herr B. B. Jacobson in Rotterdam der Niederländischen Jsraelitengemeinde daselbst zum Andenken des 150jährigen Bestandes ihrer Synagoge verehrt hat. Ihre Majestät die Königin der Niederlande nahm diesen Vorhang in Augenschein und sprach ihren Beifall über die künstlerisch schöne Arbeit aus. Schweiz. Vom Bodensee, 21. Sept. <Privatmitth.) Daß von der obersten Leitung der ultramontanen Partei das Losungswort, aller Orten zur Judenverfolgung auszuhetzen, erlheilt, und, wie man es von dieser gewohnt, pünktlich ausgeführt ist, erweist sich ganz besonders in der Schweiz. Hier, wo die Juden nur in sehr geringer Anzahl wohnen, kann selbstverständlich auch nicht im Entferntesten von einem Einfluß politischer, socialer oder sittlicher Art die Rede sein. Alle jene hohlen Phrasen von jüdischer Herrschaft, Entchristlichung durch den jüdischen Geist u. s. w. können hier auch nicht mit einem Scheine von Begründung verwendet werden. Die schweizerischen Ultramontanen haben daher auch nicht die geringste Veranlaffung, mit den Juden anzubinden. Thun sie es also dennoch', so ist es klar, daß sie es aus höheren Befehl thun, und wie in allen Stücken die gehorsamen Knechte gegen die Anordnungen ihrer Oberen spielen. Um so wichtiger ist es, dies gerade von hier aus der Oefsentlichkeit zur Erkenntniß zu bringen, damit man allgemein anerkenne, der Feldzug der Ullramontanen gegen die Juden sei eben nichts weiter als ein Stück ihres Kriegsplanes gegen ren Staat und die allgemeine Cultur. Schon im vorigen Jahre versuchte die „Thurgauer Volkszeitung" in einigen Artikeln „Das Judenthum in der Gesellschaft" rie öffentliche Meinung gegen die Juden auszuhetzen und diesen die gröbsten Schändlichkeiten und verwerflichsten Tendenzen aufzubürden. Ter Verfaffer verschmähete es sogar nicht, sein ultramontanes Gesicht durch eine Maske zu verdecken. Die Antwort blieb nicht aus, und rer Rabbiner Di-. Engelbert zu St. Gallen leuchtete in der „Thurgauer Zeitung" dem Angreifer in so nachdrücklicher Weise heim, daß dieser verstummte. Tie jüngsten Wuthausbrüche der „Germania" regten rie Ullramontanen des Cantons Sr. Gallen aus, zu versuchen, ob jenen nicht ein Wiederhall in den Alpen zu verschaffen sei, und mit Benutzung des Materials an Gift ünd Galle, welches ras Berliner Jesuitenblatt reichlich spendete, auch hier eine Judenverfolgung in Scene zu setzen. Sehr geschickt waren die Artikel in rer in St. Gallen erscheinenden Ostschweiz „Synagoge und Kirche" nicht abgefaßt, da sie;. B. die Freimaurer in den Vordergrund schoben und Len Juden einem diesen Orden beherrschenden Geheimbund zutheilten, ganz wie die „Germania", Nun weiß aber das große schweizerische Volk gar wenig von den Freimaurern, und har sich seine freisinnigen Gesetze durch seine überwiegende Majorität selbst gegeben. Jede Verdächtigung, daß die schweizerische Bundes- und Cantonalverfassung und die ihr entflossenen Gesetze nur ras Werk eines kleinen verborgenen Bundes seien, ist daher ebenso lächerlich. wie eine Beleidigung für das Schweizervolk. Herr Dr. Engelbert übernahm es abermals in der „Tr. Galler Zeitung", dem ullramontanen Zeitungsschreiber Schritt vor Schrill eine einschneidende Widerlegung zu Theil werden zu lasten. Er hielt sich auch nicht bloß aus der DefensiouSlinie, sondern zeigte sonnenklar in welchem Maße rie ultramontanen Autoren sich Fälschung aller Art, Verdrehung und Entstellung der Thatsachen schuldig machen. Er führte z. B. jenen Versuch des Wiener „Vaterland", die Beschlüsse der israelitischen Synode zu Leipzig durch Einschmuggelung vollständig anderer Worte zu fälschen, ausführlich an, und brachte es so weit, daß der Gegner wenigstens zugestand, die israelitische Gemeinde zu St. Gallen nicht beleidigt haben zu wollen. Wir glauben, daß auch diesmal die Absicht dieser Judenfreffer vereitelt worden ist, und sie ihren Versuch nicht sobald wiederholen werden. Es zeigte sich auch an diesem Beispiel, wie wichtig es ist, aus locale Angriffe sofort local zu antworten, wie nothwendig aber auch, daß das

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