Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1875)
- Date
- 1875-10-05
- Page
- Seite 662 (sequence 6)
- Language
- German
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662 „Die Jahrbücher für National - Oeconourie und Statistik", herausgegeben von B. Hildebrand, Professor der Staatswiffenschasten zu Jena, bringen in ihrem 11. Bande (Jena, 1868) einen Aufsatz von 0r. Ad. Frantz „Bedeutung der Religionsunlerschiede für das physische Leben der Bevölkerung". Diesem entnehme ich folgende Daten: Es mehrten sich von 1858/64: in Provinz die Protest. Kathol. Juden 1) Preußen um 8,86 pCt. 11,87 pCt. 10,56 pCt. 2) Posen - 8,00 - 7,94 - 3,63 - ve rmindert 3) Brandenburg - 11,08 - 60,92 - 3,30 - 4) Pommern - 7,57 - 22,27 - 9,50 - 5) Schlesien - 4,47 - 10,15 - 10,54 - 6) Sachsen - 6,66 - 10,82 - 7,47 - 7) Westphalen - 8,55 - 5,06 - 5,04 - 8) Rheinland - 8,29 - 7,49 - 7,32 - „Der numerische Aufschwung der Katholiken fallt in den Beginn der Censusperiode 1855/57. Noch auffallender als die relative Minderung der Protestanten seit 1855 ist der Umstand, daß die Juden, welche von 1816, 58 beiden christlichen Confessionen in der Mehrung weit vorangeschritten, seitdem hinter beide zurückgeblieben sind. Es kommen 1858/64 auf in Provinz 100 Prot. Kath. Juden 1) Preußen 4,43 Geburten 5.22 Geb. 3,7 6 Geb. 2) Posen 4,43 - 4,88 - 3,03 - 3) Brandenburg 4,06 - 4,13 - 3,76 - 4) Pommern 4,24 - 3,54 - 4,04 - 5) Schlesien 3,82 4,74 - 4,35 - 61 Sachsen 4,05 - 4,06 - 2,76 - 7) Westphalen 4,07 - 3,58 - 3,27 - S) Rheinland 3,99 3.86 - 3,08 - im ganzen Staat 4,18 Gebürter l 4,34 Geb. 3,50 Geburten - - 2,7 6 Todesfälle 2,87 Tovesf. 1,74 Todesfälle." Hierzu bemerkt vl. Frantz: „Preußen ist der Staat, in welchem sich nächst Sachsen die Katholiken am stärksten in Europa vermehrten. Auffallend ist dagegen der beträchliche Abgang der Juden. In Brandenburg und Sachsen mehrten sie sich um 6334 über den Geburtsüberschuß, zeigen dafür in den übrigen Provinzen' einen Abgang von 12,412 Seelen, so daß sie noch 6078 von ihrem Geburtsüberschuß verloren." Richten wir unfern Blick auf die Geburtsverhältnisse der einzelnen Eonfessionen in Berlin, so kommen nach dem Berliner stadt. Jahrbuch von Dr. H. Schwabe (7. Jahrgang, Berlin, 1874) im Jahre 1872 auf eine Bevölkerung von 732,617 Evangel. 32,172 evangel. Kinder oder 4,40 pCt. 51,722 Kathol. 1,698 kathol. - - 3,28 - 36,015 Juden 1,058 jüd. - - 2,93 - Das Berhältniß der unehelichen zu den ehelichen Geburten ergab: Evangel. 13,98 pCt. Kathol. 10,90 pCt. Juden 2,36 pCt. Vergleichen Sie nun hiermit die Behauptung der „Germania". Ich habe vorhin gesagt, daß die Juden nicht besser sein wollen als ihre christlichen Mitbürger, aber auch nicht schlechter sind, und berufe mich zum Beweise dessen auf Alexander von Dettingen, Prof, der Theologie in Dorpat, der seinen streng christlichen Standpunkt wiederholt hervorhebt und gegen die Juden eher ei» gewisses Voruriheil zeigt. In seinem großen Werke „Die Moralstatistik" Jnductiver Nachweis der Gesetzmäßigkeit sittlicher Lebensbewegung im Organismus der Menschheit (Erlangen 1868) sagt er: „Wir sehen, daß auf die Juden, mit wenigen Ausnahmen, fast in allen Ländern ver relativ kleinste Procentsatz der Verbrecher fällt und daß sie selbst in den bei ihnen häufigsten Realen die Durchschnittszahl nicht übersteigen. — In Baden betrugen 1855/59 die angeklagten Juden nur 0,62 pCt. gegen den Durchschnittssatz von 1,00 pCt.; in Bayern kam ein angeklagter Jude auf 315 Juden - - - - - Christ - 265 Christen." Für Preußen soll sich das Verhältniß nicht .so günstig gestalten, doch fehlt es mir an dem nöthigen Nachweise, da die Statistik der preuß. Schwurgerichte nur als Manuscript gedruckt wurde und der mir zugängliche Extract aus derselben im Archiv für preuß. Strafrecht keine Trennung der Eonfessionen aufweist. Dagegen will ich zum Schluffe aus der „Statistik der gerichtlichen Polizei im Königreich Bayern" (bearbeitet von Ür. Georg Mayr) einige Daten anführen. — „Ober- und Niederbayern, das Eldorado und die eigentliche Domaiue der Ultramontauen ü Ja Germania zeigte von 1835/61, die höchste relative Berbrecherfrequenz. Es zählten 1852: Juden Protestanten Katholiken Niederbayern 15 2595 547,000 also 99,50 pCt. Oberbayern 1252 16,550 716,334 - 97,50 - Es wurden in ganz Bayern 1850/57 — 183 Todesurtheile gefällt, davon kommen 60 auf Oberbayern, 42 auf Niederbayern, je 20 auf Oberfranken und Schwaben. „Der verbrecherische Hang zu Angriffen gegen das Leben, sagt Dr. Mayr, der gefährlichste aller criminellen Triebe, ist am intensivsten in Ober- und Niederbayern, im ersteren noch einmal so stark als in Mittelfranken." In Diesen Zahlen offenbaren sich die Früchte der BolkSerziehung nach dem Herzen der „Germania", und solch' Gelichter erdreistet sich, den Sittenrichter zu spielen und für alle möglichen Schandthaten die Juden verantwortlich zu machen.