Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 41 (5.10.1875)
- Date
- 1875-10-05
- Page
- Seite 660 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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660 ruft förmlich hierzu auf. In ihrer Beilage zu Nr. 192 vom 25. August sagt sie: „Ohne Sachkenntniß ist keine Frucht der Mitarbeiterschaft abzusehen. Dabei aber wollen wir ausdrücklich bemerken, daß das Wichtigste gerade Einzelbelege für ras jüdische Treiben sind. Da wird also mancher Arbeiter, Handwerker und Bauersmann bester dienen können, als mancher Gebildete oder gar Gelehrte. Wer frappante Beispiele jüdischen Wuchers beobachtet oder erlebt, wer an Gerichtsverhandlungen über solche Falle theilnimmt, wer den jüdischen Haß gegen das Christenthum in Wort und Schrift sich besonders eclatant äußern und jüdischen Uebermulh und jüdische Genußsucht Orgien feiern sieht: der möge uns einen wahrheitsgetreuen möglichst mit Beweismitteln ausgestatteten, eingehenden Bericht nicht vorenthalten: Auch Sachen, die zum Druck aus irgend einem Grunde sich nicht eignen — und wir werden selbstverständlich Auslese halten muffen — können doch zu unsrer Information dienen und werden, wenn das Facit gezogen wird, in Anschlag kommen". — Wie. ist dies nicht die ganze römische und spanische Inquisition? war deren reichstes Hülfsmittel nicht die Denunciantenwirthschaft aus dem Dunkel und der Anonymität heraus? Was man also dem Staate nicht auszwingen kann, das etablirt man für sich selbst, ein Inquisitionstribunälchen, expreß für die Juden gemacht. Doch es kann Niemand aus seiner Natur herauskommen und lieber brandmarken diese Menschen sich, ihre Genosten, ihre Beweise und Geschichtchen mit dem Makel der gemeinsten Unsittlichkeit.. Nun, wer die Annalen der Criminalstatistik durchginge und nebenbei alle die verbrecherischen und unsauber« Geschichten sammeln wollte, die irgendwo in der christlichen Bevölkerung vor sich gehen — nein! das kann Niemand, dazu reichen die Augen und Hände unzähliger Inquisitoren nicht aus — und würde man den nicht für wahnwitzig erklären, der hieraus den sittlichen Charakter der gesummten christlichen Bevölkerung Lemonstriren wollte? In der That, jeder Mensch, der geraden Verstand und richtiges Gefühl hat, muß sich mit Ekel von solchem Treiben abwenden. Und dies ist die gerechte Vergeltung, wie man zu sagen pflegt, die Nemesis. Denn dieses Verfahren der „Germania" und aller ihrer Genosten charakterisirr und verurtheilt ihr Streben und Thun nach allen Richtungen, und macht es verworfen vor Len Augen der ganzen Welt. Wie gesagt, wir wollen die „Germania" nicht widerlegen und nicht mit ihr streiten. Denn wie sehr und oft man sie auch widerlegte, sie würde sich doch nicht für widerlegt ausgeben. Wollten wir aber mit ihr streiten, so müßten wir den Speer umdrehen. Denn in welche dunkele Dinte die ulrramontane Presse ihre Feder auch taucht, um die Juden zu schildern — viel schwärzer und zugleich blutig roth würde die Farbe sein müssen, um die Geschichte des Ultramontanismus wahrheitsgetreu zu malen. Dabei ist die „Germania" doch nur ein kleines Glied der langen Kette, welche die ultramontane Presse geschmiedet hat, und sie täglich vor unsren Ohren klirren läßt, um uns so recht verständlich zu machen: mit dieser Kette würden wir Euch fesseln, hundertfach fesseln', wenn wir erst die Völker, den modernen Staat und die ganze Cultur gefesselt hätten'. Berlin, 20. September 1875. Lerichtigrmg falscher Angaben über -ie Luden. Von U. J. Von einer Reise zurückgekehrt finde ich in der „Germania" einen Theil meiner Correspondenz in Ihrem Blatte wiedergegeben, während der Passus über die bisher vom Arme des Staatsanwalts ereilten Gründer von dem edlen Blatte natürlich unterdrückt wird. Ein gleiches Schicksal erleidet die Zurückweisung der Verleumdung, daß von den mit Recht angegriffenen Rückkaufs- und Pfandleihgeschäften sich hier in Berlin 902/y pCt. in den Händen von Juden befindet, obgleich ein Blick in das neueste Berliner Adreßbuch den säubern Scribenten bald überzeugen würde, daß von 140 Pfandleih- und Rückkaufsgeschäften nur circa 27 oder 19 pCt. von Juden betrieben werden. Sie sehen also, daß in beiden Fällen, wo das Blatt gewagt hat, seine Angriffe durch Ziffern zu erhärten, ihm sofort Leichtfertigkeit oder Fälschung nachgewiesen ist; danach können Sie den Werth seines übrigen Materials bemessen. Trotzdem wird mit einer Unverschämtheit sonder Gleichen von der „Germania" behauptet, ihre Angaben wären streng sachlich und stützten sich auf gewissenhafte Forschungen. — Betrachten wir einmal die trüben Quellen näher, aus welchen der Strom der Verleumdung quillt. Da kommt zuerst Herr vr. Glagau mit einer vielleicht gar nicht so schlimm gemeinten, doch völlig unbegründeten Behauptung, die „Kreuzzeitung" beutet sie zu ihren Zwecken aus, und auf ihr fußt wiederum die „Germania" — ein vollständiger Rattenkönig. — Dann kommen anonyme Pamphlete aus einem pechschwarzen Amberger Verlag, der auf der letzten Seite seine Artikel zum Kaufe anpreist, während für sie vorn Reclame gemacht wird, — ferner eine hirnverbrannte, vorsorglich nur als Manuscript gedruckte Brochüre aus der Conflictszeit „Freimaurer und Juden", die wahrscheinlich im Redactionsbureau der „Germania" selbst die größte Heiterkeit hervorgerufen hat und nur aus Speculation auf das „credo quia absurdum“ abgedruckt wurde. Zuletzt wird das grobe Geschütz der Zuschriften von Land- und Stadtpfarrern aufgefahren, von concurrenzneidigen Krämern und Pferdehändlern, die aus augenscheinlichem Mangel an reinem Gewissen ihre Denunciationen bei der tugendhaften „Germania" anbringen, anstatt bei dem ihnen viel näher stehenden Staatsanwalt. Gewiß giebt es räudige Schafe genug unter den Juden; letztere beanspruchen durchaus nicht besser zu fein als ihre christlichen Mitbürger; daß sie nicht schlechter sind, dafür liefert die Statistik hinreichenden Beweis. — Die einzigen verläßlichen statistischen