Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 40 (28.9.1875)
- Date
- 1875-09-28
- Page
- Seite 649 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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649 Frankreich. Paris, 15. Sept. (Nach den Arch. isr.). Da der Concurs um das Internal der Hospitäler von Paris dieses Jahr auf den 9. October, also den Bersöhnungstag anberaumt war, wandten sich die israelitischen Studirenden an die betreffende Behörde, weil sie unter diesen Umständen an dem Concurs nicht theilnehmen könnten, und erhielten auch die Verlegung auf den 11. October. — Für Algerien sollen von Staatsseiten sechs neue katholische Bicariate, drei protestantische Pastorate und drei Rab- Linate geschaffen werden. Für die Israeliten Algeriens wird hierdurch einem dringlichen Bedürfniß abgeholfen. Man schätzt die Anzahl der Israeliten, welche jeder geistlichen Obhut und Belehrung entbehren, auf 16,000, sowie der Kinder, die keinen Religionsunterricht haben, auf 3000. — Ueber den Antheil, welchen die jüdische Bevölkerung an den öffentlichen Schulen nimmt, werden folgende officielle Notizen mitgetheilt. An der medicinischen Lehranstalt nahmen 1874: 48 Franzosen, 3 Israeliten, 2 Muselmänner Theil. Im Jahre 1873 besuchten den Secuudärunterricht 1522 Franzosen, 226 Israeliten, 181 Muselmänner, im Jahre 1874 stiegen diese Ziffern auf 1660 Franzosen, 283 Israeliten und 185 Muselmänner. In die Primärschulen (Elementarschulen) gingen 23,788 Franzosen, 6054 Israeliten, 1869 Muselmänner. Aus diesen Zahlen geht hervor, daß die Zahl der israelitischen Schüler die der muselmännischen bedeutend übertrifft, und wenn man nun bedenkt, wie enorm die muselmännische Bevölkerung die israelitische an Zahl übersteigt, so erkennt man, wie geneigt die Israeliten sind, ihre Kinder des europäischen Unterrichts theilhaftig zu machen. Hinsichtlich des Militärdienstes seitens der Algerier will die Staatsregierung in einem, der Nationalversammlung bei ihrem Wiederzusammentritt vorzulegenden Gesetzentwurf die Bestimmung treffen laffen, daß die jungen Israeliten und die zum Christenthume übergetretenen Muselmänner ihre Dienstzeit im mittägigen Frankreich versehen sollen. Der Beweggrund liegt offenbar darin, um die fanatischen Muselmänner von den Gegenständen ihrer Gehässigkeit zu trennen. Die Redaction der Arch. isr. meint zwar, es würde wohl ein besseres Mittel sein, das Gefühl der Gleichheit in wilde Geister zu verpflanzen, wenn man sie mit denen zusammen dienen ließe, welche den Gegenstand ihrer Mißachtung bilden. Jnoeß sind bereits in dieser Beziehung so schlimme Erfahrungen gemacht worden, daß die Fürsorge der französischen Regierung uns ganz am Platze erscheint. — Der Großrabbiner von Paris macht abermals bekannt, daß seit einiger Zeit falsche Zeugnisse, die er ausgestellt haben soll, zum Zweck der Bettelei circuliren, und erklärt, daß er, um diesem wiederholten Mißbrauch zu steuern, gar keine Zeugnisse mehr ausstellen werde. Da derartige Bettler nicht selten auch nach Deutschland kommen, machen wir das betreffende Publicum hierauf aufmerksam. Persien. Bagdad, 13. Septbr. Man telegraphirt von hier: Die hiesige Bevölkerung hat einen persischen Juden, welchen sie der Gotteslästerung beschuldigt, verbrannt. Die Regierung von Teheran hat versprochen, Maßregeln deshalb zu treffen. — Wir müssen über diesen grausigen Vorgang nähere Nachrichten erwarten. Aftika. Vom Cap der Guten Hoffnung, im August. (Arch. isr.) Eines der officiellen Organe des Caps, die Diamond News and Griqualand West Government Gazelte, hat die Auslassungen eines Localblattes, Richmond Era, ausgenommen, die verschiedene für die Juden des Caps der Guten Hoffnung injuriöse Ausdrücke enthalten. Herr I. Mosenthal sagt in einer Erwiderung an diese Zeitung: „Ich erwidere einzig und allein auf die Anschuldigung, daß die Israeliten die Feinde des materiellen Fortschritts der Colonie seien. Der Großhandel mit den Colouialernten ist in den Händen eines Israeliten, des Herrn Dreysus. Die Angoraziegen wurden zuerst durch Herrn Mosenthal in die Colonie eingeführt. Mindestens die Hälfte der herrlichen Merinoschaafe kommen aus den israelitischen Pachtgütern von Port-Elisabeth. Ein großer Theil der durch die Landwirthe der Colonie gemachten Fortschritte und Verbesserungen ist den Israeliten zu danken. Die Capcolonie ist auf der letzten Wiener Weltausstellung fast ausschließlich durch Israeliten vertreten gewesen. Diese Thatsache kann ich aus eigener Erfahrung bestaligen, und sie ist so sicher, daß ich es unterlassen kann, in Details einzugehen. Wollen Sie mir nun jetzt erklären, weshalb die Israeliten als größere Feinde des Fortschrittes betrachtet werden können als ihre christlichen Brüder?" (Man sieht, baß es auch an diesem Südende Afrikas nicht an Widersachern gebricht, Personen, welche hinter der jüdischen Thätigkeit und Umsicht Zurückbleiben und sich für ihre eigenen Fehler durch Verleumdungen rächen. Da fehlt es denn auch nicht an Blättern, welche sich zu diesem gemeinen Acte herleihen.) Amerika. Buffalo, im August. (Privrtmitth.) Auch in den Bereinigten Staaten greift unter den Israeliten die Gleichgiltigkeit gegen die religiösen Interessen leider immer weiter um sich. Am Ende des vorige» Monates tagte hier der „Rach des Vereines amerikanischer Jsraelitengemeinden": nun wohl, von allen den zahlreichen, intelligenten und wohlhabenden Gemeinden des Ostens waren nur drei — je eine aus Pittsburg, Buffalo und Rochester — vertreten! Das gesammte Jahreseinkommen der Vereinigung betrug die lächerlich geringfügige Summe von 4400 Dollars! 40