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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-09-28 · Heft 40 (28.9.1875) · p. Seite 648

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 40 (28.9.1875)
Date
1875-09-28
Page
Seite 648 (sequence 8)
Language
German
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648 in der gesummten liberalen Partei keinerlei verschiedene Ansicht, und so wird auch die betreffende Vorlage, wenn sie auf die Genehmigung des Hauses rechnen soll, Diesen Anschauungen entsprechen müssen. Daß man daneben gern bereit ist, dem religiösen Sinn der verschiedenen Religionsgesellschaften in jeder Weise Rechnung zu tragen, braucht nicht bemerk! zu werden. Handelt es sich doch in erster Linie um die Abstellung der widerwärtigen Vorkommnisse, durch welche unsere Kirchhöfe ft» Folge klerikaler Unduldsamkeit, namentlich in den letzten Jahren, so häufig entwürdigt wurden." (Sobald der Nachsatz in der obigen Mittheilung verwirklicht wird, d. h. wenn man den Religionsgesellschaften die Befriedigung ihres religiösen Bedürfniffes betreffs der Friedhöfe zugesteht, kann man sich mit dem beabsichtigten Anträge einverstanden erklären. Wir verstehen dies so, daß man den einzelnen Religionsgesellschaflen, z. B. den Juden einraumt, auf ihre Kosten ihre Begräbnißplatze zu erhalten und zu errichten, selbstverständlich unter Einhaltung der landespolizeilichen Vorschriften. Redaction der A. Z. d. I.) Köln, 15. Sept. Bei einem Brande, der in der Nahe unserer prachtvollen Synagoge fiattfand, wurde diese — nun bereits zum zweiten Male — vom Feuer bedroht und nicht unwesentlich beschädigt. Doch wird die AuSbefferung bis zu den hohen Feiertagen beendet sein. Es ist immer ein Uebelstand, wenn solche Gebäude zwischen gewerbliche Hauser eingeklemmt sind, und nicht ftei stehe». Düsseldorf, 11. Sept. Gestern fand die feierliche Einweihung der hier auf der Kasernenstraße erbauten neuen Synagoge statt. Der in gochischem Styl erbaute Tempel ist entschieden einer der schönsten Monumentalbauten unserer Stadt, und gereicht dem Opfersinn der kleinen Gemeinde — dieselbe zählt bloß 200 Familien — zu hoher Ehre. Geldern (Niederrhein), 15. Sept. (Privatmitth.) In einer Zeit, wie die unsrige, wo man überall nach materiellem Gewinn ausspähr, kann es nur erheoenv für ein wahrhaft jüdisches Herz sein, thalsächliche Beweise zu sehen, die davon Zeugniß geben, daß der religiöse Sinn trotzdem bei unfern Glaubensgeuoffen noch nicht in dem Maße erloschen, wie so vielfach behauptet wird. — Oder sind nicht etwa die herrlichen Synagogen, die sich emporheben und oft nur durch schwere Opferthätigkeit seitens der Gemeinden entstehen, sprechende Zeugen von einem tief eingewurzelten religiösen Gefühle! Wahrlich, wo mau keine Opfer scheut, oft sogar über seine Kräfte hinauSgeht, um ein würdiges Gotteshaus und eine Schule zu errichten, da kann doch nur allein ein heiliges Gefühl die Triebfeder dazu gewesen sei»! So giebt auch hier in schöner Weise eine neuerbante Synagoge und Schule davon Zeugniß, daß man sein ganzes Trachten doch nicht allein auf persönlichen Gewinn legt, sondern seinem religiösen Gefühle Rechnung tragt, nat-i 'e fand hier die Einweihung des neuen Gotteshauses in erhebendster Weise statt. Schon am Freitag Morgen hatte die Stadt ihr festliches Gewand angelegt, und nicht allein die jüdischen, sondern auch sehr viele christliche Häuser kündigten durch bunten Fahnenschmuck dieses langersehnte Fest an. Die Gemeinde hatte seit langen Jahren miethweise ein nothdürfliges Betlocal, von dem unter tiefernsten und erhebend schönen Worten des Oberrabbiners Herrn Dr. Horowitz aus Crefelv Abschied genommen wurde. Bon hier aus bewegte sich ein wahrhaft imposanter Zug, an dem sich die Spitzen der Behörden betheiligten, nach dem neuen Tempel. Die Weihe selbst ging mit gutem Chorgesang, einer schonen Rede deS Vorstehers und vortrefflicher Festpredigl des vr. Horowitz vor sich, und reihte sich später ein heileres Festmahl daran. — In der neuen Synagoge sind die Männer- und Frauensitze zu ebener Erde, und befinden sich einander gegenüber. Groß-Strehlitz (Schlesien), 17. Sept. iPrivatm.) Durch Verfügung des Provinzial-Schulcollegiums zu Breslau v. 9. d. M. ist an Stelle des von hier geschiedenen Rabbiner vr. Groß, der Cantor, Herr Eduard Hamburger, als Religionslehrer für die jüd. Schüler am Kgl. Gymnasium hierfelbst ernannt worden. Potsdam, 19. Sept. (Privatmitth.) In hiesiger Stadt besteht seit sehr langer Zeit die „Literaria", eine wiffenschaftliche Gesellschaft, welcher ein großer Theil des hiesigen gebildeten Publikums angehört, und in der wiffenschaftliche Bortrage von den Mitgliedern gehalten werden. Der langjährige Präsident derselben, Herr Hofprediger a.D. Griffon, verstarb vor Kurzem, und die Literaria ersuchte den Rabbiner Herrn vr. Tobias Cohn Hierselbst, die für ihren verstorbenen Vorsitzenden abzuhaltende Trauerfeier zu leiten und die Gevächtnißrede zu halten, was derselbe auch bei dem fteuudschaftlichen Verhältnisse, welches zwischen dem Verstorbenen und ihm stattgeftmden, gern übernommen hat. Aus der Provinz Posen, 16. Sept. (Privatmitth.) K. Der Vorsteher Tartan, Schwiegersohn des verstorbenen, als Wuu-- derthäter von Juden der russischen Provinzen verehrten Gutmacher in Grätz, der bei der Thatigkeit res Verstorbenen sehr betheiligt war, hat jüngst einen auf dem dortigen Friedhof gesetzten Grabstein Herausreißen und niederwerfen lassen, weil auf dessen Rückseite eine deutsche Inschrift stand, wahrend auf der Vorderseite die hebräische Grabschrist sich befand. Es ist dies in allen Gemeinden der Provinz Posen längst üblich. Der Trrlau wird deshalb vor dem kgl. Kreisgerichte erscheinen muffen und die ihm zukommende Strafe erleiden. Als Motiv wird angegeben, daß Tarlau, der im Widerspruch mit der Gemeinde ein sg. bni« (Zelt) über dem Grabe seines Schwiegervaters hat anbringen laffen, worin ein wahrer Götzendienst mit der Person des Verstorbenen getrieben wird, befürchtet, die etlichen Polen, welche kommen, um an diesem Grabe zu beten, den Friedhof durch die verrtsche Inschrift entweiht ansehen und nicht wieder kommen würden. — Der Rabbiner Dr. Glück in Samt« ist zum Landrabbiuer in Oldenburg ernannt worden.

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