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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-09-28 · Heft 40 (28.9.1875) · p. Seite 647

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 40 (28.9.1875)
Date
1875-09-28
Page
Seite 647 (sequence 7)
Language
German
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647 Scholastik", im zweiten „die arabische Philosophie", und schneidet Er giebt hier kein klares und übersichtliches Bild, versäumt, dem gerade ab, als die letztere vorzugsweise mit Avicebron, d. i. Jbnj Sefer eine deutliche Erklärung der sich bekämpfenden Parteien zu Gebirol, in die Hände der jüdischen Philosophen, die ihr schon'geben, bewegt sich mehr in dem äußeren Gange der Entwickelung, vorher als Vermittler große Dienste geleistet, überging. Wir wie er sich zum Beispiel sehr lange bei der Persönlichkeit Abälards mülien nun unser allgemeines Urtheil über die Arbeit des Verj aushält und schließlich gegen reffen Ansichten ziemlich ungerecht faffers, soweit wir sie bis jetzt kennen aus den beiden angegebenen i ist. Sehr wohl gelingt es ihm zu zeigen, wie außerordentlich Momenten feststellen. Die Darstellungsweise ist lebhaft und i scharf die Kirche stets in der Ketzerriecherei war. Was den Verzeichnet vortrefflich; sie geht möglichst in das Detail ein und faffer im Allgemeinen auszeichnet, ist seine Unparteilichkeit betreffs gruppirt dies in anziehender Weise. Weniger unbedingt können der Confessionen, er läßt den Mohammedaner, sowie den Juden wir inhaltlich zustimmen. Während er in der arabischen Philo- Gerechtigkeit widerfahren. Die Endzeilen der Lieferung sagen: sophie den Leser recht gut auf den Standpunkt zu versetzen ver-i,.Die Rolle, welche die Juden als Aerzre, als Kaufieute und steht, auf welchen es Len mohammedanischen Philosophen am! Banquiers gespielt haben, ist oft anerkannt worden; weniger meisten ankam und uns recht gut die verschiedenen Richtungen j häufig die, welche sie als Denker gespielt haben; und doch ist zeichnet, welche jene auf dem immerhin engen Gebiete einschlagen, diese bedeutend gewesen." Wir erwarten daher gern die weitere daö sie einnahmen, gelingt ihm dies bei der Scholastik weniger.! Ausführung in der nächsten Lieferung. ^Schluß folgt.) S&eituttg Äiioc-cßu^ßteii. Deutschland. Berlin, 16. September. lPrivatmitth.j Die „Germania" setzt ihre Schmähartikel gegen die Juden fort. Sie gerath dabei immer mehr in die Gesellschaftskreise hinein, die ihr am meisten zusazen, denen sie selbst angehort. Denn sie fing zwar mit Fichte, Kant, Schopenhauer u. s. w. — warum nicht mit Luther, der ihr doch der „aufgeklärteste" dünken mußte — an; da sie sich aber in dieser Gesellschaft sehr unbehaglich fühlen mußte, ging sie mit Vergnügen zu den Pferde- und Leinewandhandlern über. Wenn man übrigens sie einer Antwort würdigen wollte, so müßte dem Bilde, welches sie von den Juden entwirft, nur eine Schilderung deffen gegenübergestellt werden, was die römische Hierarchie von ihrem Beginne an bis auf den heutigen Tag gethan und an der Menschheit verübt hat. Man finge etwa mit der Ausrottung der Arianer und anderer christlichen Sekten an, ginge zu den falschen Decretalien und Documenten über, welche die Rechrslitel des Kirchenstaats ausmachen, und fahre dann Jahrhundert nach Jahrhundert fort. Die spanische Inquisition, die Bartolomäusnacht unv die Dragonaden wurden nur einzelne Schlaglichter in das Schauergemälde bringen. Denn noch viel größere und blutigere Partien würden hervortreten, und sich namentlich das vollständige Gewebe, das über die ganze Menschheit gelegt ward und werden sollte und gegenwärtig wieder soll, würde sich dem blödesten Auge erkennbar machen. Was wollen hiergegen die Betrügereien einiger jüdischen Leinen- und Pferdehändler sagen? was überhaupt alle Bezüchtigungen, welche die „Germania" gegen die Juden erhebt, bedeuten? Und hierzu kommt, daß die Skribenten der „Germania" die äußersten Uebertreibungen und Verdrehungen verwenden müffen, um ihre Schildereien zu Stande zu bringen, während man für die Geschichte der römischen Hierarchie bei der strengsten historischen Treue verbleiben kann. Berlin, 17. September. Die Zeitungen bringen über einen Gegenstand, der uns in diesem Blatte schon wiederholt beschäftigt hat, folgende Mittheilung: „Die Fortschrittspartei wird in der nächsten Landlagssession den bereits in der vorigen Session mit großer Majorität angenommenen Antrag wiederholen, welcher den Cultusminister um Vorlage eines Gesetzentwurfs, betreffend den Fortfall des consessionellen Charakters der Kirchhöfe ersucht. Bis in die Zeit Falk's hatte die preußische Regierung nach Kräften dahin gewirkt, daß auch die neu entstehenden Begräbnißplätze in das Eigenthum der Kirchengemeinden übergehen sollten, wie das bei den alten gemäß der landrechtlichen Bestimmungen bereits der Fall war. So erließ Herr v. Wühler im Jahre 1564 ein Rescript, wonach bei Anlegung neuer Kirchhöfe soviel als möglich auf die Errichtung von Confessionskirchhöfen Bedacht zu nehmen sei. Von diesem Standpunkte ist man in den Kreisen der Regierung neuerdings glücklicherweise und aus sehr guten Gründen zurückgekommen, und es kann sich nur darum handeln, ob das betreffende Gesetz bereits in nächster Session zur Vorlage gelangt, was allerdings sehr wünschenswerlh, aber nicht wahrscheinlich ist, und ferner, ob es den Anforderungen, die an daffelbe gestellt werden, entspricht. Dieselben lasten sich im wesentlichen in folgenden Sätzen fixiren. Sämmtliche Friedhöfe, mit Ausnahme der um die Kirchen belegenen, aber nicht mehr zu benutzenden Begräbnißstätten gehen in das Eigenlhum und in die ausschließliche Verwaltung der politischen Gemeinden über. Die Gemeindekirchhöfe sind sämmtlich confessionslos derart, daß das religiöse Bekenntniß des Verstorbenen nicht den mindesten Einfluß auf die Aufnahme der Leiche oder die Anweisung einer bestimmten Begräbnißstatte ausübt. Bezüglich dieser Sätze herrscht

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