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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-09-28 · Heft 40 (28.9.1875) · p. Seite 645

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 40 (28.9.1875)
Date
1875-09-28
Page
Seite 645 (sequence 5)
Language
German
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645 endung, des Bestrebens, aus Einfachheit und Gegensatz zu einem noch unerreichten Höheren zu kommen, kurz die Zahl des Menschlichen. Daher erscheint die Fünf insonders am Hofe und an Aeußerlichkeiten der Wohnung. Die Säulen und Umhänge des Hofes sind fünf Ellen hoch, seine Breite zehnmal Fünf, fünf Säulen trennen das Heilige vom Hofe, fünf Riegel sind an den Bohlen, zehnmal fünf Schleifen und Haken an den Teppichen, fünf ist die Länge und Breite des Altars im Hofe. Bei zum Bewußtsein gekommener Schuld wird ein Fünftel zum Ersatz zugelegt, fünf Schekel ist das Lösegeld der Erstgeburt. — Die Leiden letzten endlich, die Sieben und die Zwölf, lasten sich nur aus ihrer Zusammensetzung verstehen, die Sieben aus drei und vier, die Zwölf aus viermal drei. Die Sieben wird so als der Proceß, der aus der Vermittelung zur Harmonie führt, und die Zwölf als das Object dieses Procestes zu erklären sein. Deshalb haben beide an dem Heiligthume keine eigentliche Anwendung, weil eS als Gottesstätte weder einen solchen Proceß vollführen, noch deffen Gegenstand sein kann. Dieser Proceß ist nämlich mit anderen Worten: die Loslösung des Geistes vom materiellen Leben vermittelst der Offenbarung, der Religion. Dies ist der eigentliche Inhalt des Sabbath, an welchem die Sieben so recht verwirklicht ist, die dann zur Jahrwoche (7 Jahre) und endlich zum Jobeljahre «siebenmal sieben) sich erweitert. So waren ferner alle Mittel der Religion zur Loslösung des Geistes vom materiellen Leben an die Sieben gebunden, die hohen Feste, die Sühnungen, Reinigungen, Einweihungen und viele Opferungen. Deshalb erscheint im Heiligthume die Sieben ganz allein an dem Geräthe, welches diese LoSlösung des Geistes vermittelst der religiösen Erkenntniß symbolisch darstellt, dem Leuchter. Das Object dieses Procestes ist aber das Volk Israel, und an diesem wird die Zwölf so streng festgehalten, daß als für Joseph zwei Stämme eintraten. der Stamm Levi ausgesondert ward. Die Zwölf tritt daher am Heiligthume nur auf, wo das Volk Israel unmittelbar repräfentirt werden soll, in den Broden des Tisches und in den Edelsteinen am Brustschilv; so auch an den achtundvierzig Bohlen als den Trägern der Wohnung in echter symbolischer Beziehung. Es ergiebt sich hieraus, daß der Gedanke in der symbolischen Bedeutung der Zahlenbestimmungen einfach ist. Daß Heiligthum zerfällt in drei Räume, um das Göttliche und Menschliche (im Allerheiligsten und im Hof) getrennt und deren Vermittelung (im Heiligen) bei gegenseitigem Zueinanderstreben darzustellen. Die Form der Wohnung ist überall die Bier, welche sich in den Maßen der Zehn bewegt, um den Charakter der Harmonie in der Abgeschloffenheit und Vollendung zu verleihen. Der Hof hingegen ist in den Maßen der Fünf befangen, welche das Unvollendete in seinem Streben nach höherer Potenz, das Menschliche, das sich auf den Boden der Religion stellt, repräfentirt. Gehen wir nun zu den Stoffen über, welche zum Heiligthume verwendet wurden, und trennen davon die Zeuge, welche nur durch ihre Farben hier in Betracht kommen, so haben wir auch derer vier: Schittimholz, Gold, Silber und Kupfer. Den Gedanken an Pracht und Schmuck muffen wir hier ganz fahren lasten, da gerade die mit kostbarem Metall überzogenen oder aus solchem gefertigten Theile gar nicht sichtbar wurden, an den dem Volke sichtbaren aber solches nicht angebracht war. Die Wohnung stellte sich den Blicken mit Tachaschfellen bedeckt dar, der Opferaltar war mit Kupfer überzogen, die Säulen des Hofes von Holz und nur mit silbernen Kapitälern geziert. Da aber dennoch die Verwendung der Metalle auf's sorgfältigste vorgeschrieben war, so liegt die symbolische Bedeutung auch hierin auf der Hand. Das Schittimholz 5) zeichnet sich, abgesehen von seiner Leichtigkeit, durch die es für ein transpvrtabeles Gebäude sehr paffend war, durch seine Unverweslichkeit aus, nach welcher es sogar von den Septuaginta und Äosephus stets benannt wird. Das Verwesende, Faulende ist aber in der Symbolik das Zeichen des Bösen, Unreinen, des Todes, und so war das Akazienholz auch nach dieser Seite hin geschickt, die Offenbarungsstätte zu tragen. Da es jedoch immerhin der irdischen, dunklen Natur angehört, mußte es überall (sogar an den Riegeln) mit Metall überzogen werden, die eigentliche Offenbarungsstätte (die Sühnplatte auf der Lade) blos von Gold, dagegen die Säulen des Hofes, die nur das Heiligthum vom Irdischen abgrenzen, lediglich von Holz sein. — Hinsichtlich der Metalle führt uns schon die Vertheilung derselben auf ihre innere Bedeutung. Das Gold, meist durch den Zusatz -in« „rein" hervorgehoben, mit seinem Hellem gelben Sonnenlicht (vgl. Hiob 37, 21 f.) tragt die höchste Stufe der Heiligkeit und Reinheit und ist das reinste und lauterste Berbindungsmittel zwischen Göttlichem und Irdischem. Das Silber hingegen tritt in der h. Schrift immer mit dem Nebengedanken der Schlacken auf, von denen es zu reinigen, die aus ihm herauszuschmelzen seien (vgl. Jes. 1, 22. 25.). Das gereinigte Silber mit seinem weißen einfachen Lichte ist daher das Symbol des völlig geläuterten Menschen, während das Kupfer, zum Golde sich verhaltend, wie die Fünf zur Zehn mit seinem düsteren, rochen, erdigen Strahle, das Göttliche repräfentirt, wie es im Menschen noch ganz vom Irdischen befangen und getrübt ist. Hiernach sind die Sühnplatte, der Leuchter, die drei Kränze um Lade, Tisch und Räucheraltar ganz von Golde, die anderen Geräthe der Wohnung und diese selbst mit Gold überzogen, um den Begriff zu symbolisiren, daß die Offenbarung Gottes in der höchsten Reinheit, im Lichtglanz der Heiligkeit in die Erscheinung tritt, und zugleich, wie die Wohnung auf silbernen Fußgestellen ruht, so im Menschen auf der reinsten und geläutertsten Gesinnung. Im Hofe hingegen ist Alles von Kupfer, weil hier der Mensch mit seinen Elementen des Göttlichen aber noch im Irdischen im getrübten Lichte des Jrrthmns und der Leidenschaft befangen erscheint. Ein schöner und bezeichnender Gedanke ist es endlich, daß die 3) HE«, nicht Zeder s. Zes. 41, 19 Aracia arabica Willd., welche ein leichtes, überaus dauerhaftes, im Alterthum sehr geschätztes Holz bieret. Mit unserer Akazie hat der Baum nichts gemein.

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