Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 40 (28.9.1875)
- Date
- 1875-09-28
- Page
- Seite 644 (sequence 4)
- Language
- German
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644 haben die jüdischen Deputirlen sich betheiligt; für die sg. „Maigesetze" hat sogar kein einziger von ihnen gestimmt. Woher also doch dieser sorgfältig und umfaffend vorbereitete Vernichtungskrieg gegen die Inden seitens der kirchlichen Rückschrittspartei? Der Grund scheint mir ein sehr natürlicher. Es geht ein tiefer und breiter Riß durch die christliche Welt; ein erbitterter Kampf tobt zwischen der freisinnigen protestantischen und altkatholischen Richtung auf der einen Seite und den Römlingen und Pietisten — die ja jetzt dem Ultramoutanismus viel näher stehen als dem protestantischen Principe — auf der andern. Die Römlinge, die knechtischen Anbeter des päpstlichen Wunderglaubens. fühlen, daß sie auf dem Punkte stehen, zu unterliegen. Ueberall sind sie im Nachtheile, überall verlieren sie Boden: in Deutschland, Oesterreich, Italien, Spanien; und ihr augenblicklicher Bortheil in Frankreich ist ein so künstlicher und gewaltsamer, daß die stärkste und härteste Reaction offenbar binnen Kurzem bevorsteht. Diesen für sie verderblichen Zwiespalt suchen nun die Ultramontanen und Pietisten zu mildern, indem sie die gesammte christliche Welt als bedroht darsteüen durch daS Häuflein Juden, indem sie der freisinnigen christlichen Bevölkerung zurufen: „Was kämpft ihr gegen uns, dort sind eure wahren Feinde!" Sie stellen sich an, als ob sie die verblendeten Liberalen retten wollten vor dem jüdischen Ungeheuer, daS bereit sei, alles christliche Wesen auszusaugen und sich zu unterwerfen. Ein Doppeltes hoffen sie dadurch zu erreichen: einmal die Entschloffenheit und Erbitterung der liberalen Parteiführer gegen das römisch-muckerliche Wesen zu mindern, andrerseits dem christlichen Volke zu zeigen, daß nicht von den Grundsätzen der freisinnigen Partei — zu denen ja die staatsbürgerliche und sociale Gleichberechtigung aller Religionsparteien gehört — sondern nur von den Dunkelmännern sein Heil und feine Rettung zu erwarten sei. Ich glaube, nicht die Juden allein, alle wahrhaft Freisinnige müffen auf der Wacht sein, damit nicht dieser Plan für die gesammte liberale Sache, auf die im Grunde allein es abgesehen j aus zehn Vierecken, das ganze Heiligthum hat zehnmal Zehn in ist, seine bitteren Früchte ttage! Wer auf Boruriheil und gehässige der Lange. So besteht auch das Fundamentalgesetz der Offen- Leibenschaften speculirt, verrechnet sich leider nur selten. I barung aus zehn Aussprüchen. So zerfällt das israelitische Heer in Abtheilungen von Zehn. Der Zehente wird für die Leviten abgesondert und von diesen der Zehente für die Priester. — Die drei anderen Zahlen, die fünf, sieben und zwölf erscheinen in folgenden Berhältniffen. Die Fünf tritt als die Die Symbolik des Mosaischen Heiligthams. Hälfte der Dekade, als das Streben auf. aus der einfachen yjjj Harmonie der Bier in eine höhere Potenz, deren Schluß die Zehn ist, zukommen. In diesem Sinne ist sie die Zahl der Unvoll- Wir wenden uns zuerst zu den Zahlen. Die am Heilig, thum vorkommenden Zahlen sind: drei, vier, fünf, sieben, zehn, zwölf. *) Die Drei entsteht, wenn zwischen zwei Gegensätze ein Drittes als Vermittelung tritt, ist also die Zahl fcer j*at geradem diesem Theile seines verdienstvollen Werkes Baehr nicht. 3 ' O v i So erklärt er z. B. die Drei unt der viel spateren Deutung als „die -! Signatur Gottes", wobei er sich nur aus die rabbinische Zerlegung des l) Denn Zwanzig ist die verdoppelte. Dreißig die dreimal Zehn,, NiN'' in rrn Kitt fmn und “TT «in stützen kann und achtundzwanzig die viermal Sieben, achtundvierzig die viermal Zwölf,' wodurch er trotz vielem Drehen und Wenden doch zu keiner Erklärung fünfzig die fünfmal, hundert die zehnmal Zehn. i der drei Räume des Heiligtbums kommt. ermittelung.2) Als solche erscheint sie in dem Begriff der drei Räume, in die das Heiligthum zerfällt, in ihren drei Vorhängen, in den dreimal Zehn Ellen der Länge der Wohnung, in den drei Geräthen gerade des Raumes, der speciell der der Vermittelung ist, des „Heiligen", wohingegen das Allerheiligste die strenge Eins des Göttlichen (die Lade) und der Hof die Zwei des Menschlichen (Altar, Becken) enthält. Als solche erscheint sie auch in den drei Festen des Jahres, welche die Verbindung Gottes mit Israel vermitteln sollen. — Wenn die Drei die Vermittelung zweier Gegensätze ist, so bezeichnet die aus der Drei hervorgeheuve Bier die aus der Vermittelung hervorgehende armonie, die allseitige Gleichheit, in welcher alles Gegensätzliche verschwunden ist, sie ist die Zahl der Harmonie. Darum ist die Vier allen Räumen des Heiligthums gegeben, das Allerheiligste ein vollständiger Kubus und durch vier Säulen vom Heiligen gettennt, viereckig auch das Heilige und der Hof, die Lade, der Tisch und die beiden Altäre. Bier Decken liegen auf der Wohnung, vier sind der Farben, aus vier Ingredienzen besteht das Räucherwerk und das Salböl, aus vier Stücken die Kleidung der Priester, aus noch vier die des Hohenpriesters, vier Schaufäden sollten an dem Kleide jedes Israeliten sein. — Die Zehn schließt die Grundordnung der Zahlen, sie ist der Schlußstein alles Räumlichen, alle anderen Zahlen- und Raumverhältniffe gehen in sie auf. Sie enthält darum den Begriff der Abgeschloffenheit, der Vollendung, sie ist die Zahl der Vollendung. Darum erscheint sie mit der Bier an den Räumen res Heiligthums; daS Allerheiligste ist die Zehn im Quadrat, die Höhe und Breite der ganzen Wohnung zehn; wo die Zehn zum länglichen Biereck wird, geschieht es, weil eine Vermittelungsstätte nochwendig war. So haben wir an der Wohnung, die Drei, die Vier, die Zehn, die dreimal Zehn im Viereck als Complex der Vermittelung, Harmonie und Vollendung. So besteht auch der unterste Teppich, d. i. die eigentliche 2) Wir vermeiden bei der Deutung der Zahlen jeden Rückblick auf das heidnische Alterthum und die Mystik, die nur irre führen können, und ebenso bemühen wir uns, jeder Sophistik uns zu enthalten. Beides