Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 39 (21.9.1875)
- Date
- 1875-09-21
- Page
- Seite 632 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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632 Inquisition betreffe nur die Bekenner der katholischen Kirche, alle die, welche in dieser geboren und getauft worden. Mit Andersgläubigen habe sie nichts zu thun. Sehr wohl. Man weiß von den Beispielen, die an den Juden, Mauren, Hugenotten u. s. w. verübt wurden, wie man verfährt. Man zwingt sie durch Feuer und Schwert, durch Verbannung und Confiscation, so weit sie sich zwingen laffen, zur katholischen Kirche überzugehen, und dann hat die Inquisition das volle Recht über sie, und wie dann Lies an ihnen ausgeführt wird, lehrt die Geschichte in so ausgedehntem Maße, daß selbst die Jesuiten sie nicht verdunkeln können. Alsdann , sagt der „Monde", daß die Kirche zu ihren weltlichen Strafen nur Gefängniß und Verbannung anwende — Confiscation der Güter, so daß die Frauen und Kinder zu Bettlern werden, verschweigt das fromme Blatt; Len Tod verhänge die Kirche nie, der sei Sache des Staates. Auch sehr wohl. Die Inquisition wußte, daß sie es mit dem Staate verabredet hatte, in allen solchen Fällen den Delinquenten dem Staate zu übergeben. der das Henkeramt vollführte. Wo die Inquisition die Hinrichtung nicht wollte, verfuhr sie mit dem Verurtheilten selbst. Die war die traurige Comödie, die man mit dem Staate spielte. Aber waren die Priester bei den Autodafes nicht zugegen? wurden Liese nicht mit dem ganzen Pompe der Kirche gefeiert? War das Ganze nicht ein kirchliches Schauspiel, zu großer Erbauung des fürstlichen und des bürgerlichen Pöbels? Fürwahr, auf solche Weise kann die grausame Wirklichkeit nicht mehr überfirnißt werden. Mögen Liese Anbeter der Inquisition ihre Forderung stellen: wehe dem Geschlechts, das ihnen nachgiebt. Aber die Augen kann vor solchem Treiben Niemand mehr schließen. Es ist wahrlich nicht zu unterschätzen, daß das gegenwärtige Frankreich sich zur Operationsbasis für die Hierarchie und die Jesuiten hergiebt, zu einem Mittelpunkte, an welchen sich die hierarchischen Reste aus allen anderen Ländern anschließen können. Die Aussichten, die sich daraus für die Zukunft eröffnen, sind düster und es kann uns heute noch keinen Trost gewähren, daß der dereinstige Sieg auf der Seite der Vernunft und des Brechts stehen werde. Jedenfalls war es ein Meisterzug der Jesuiten, sich sofort 1871 der französischen Nation in ihrer furchtbaren Erregung zu bemächtigen. Holland. Amsterdam, 9. Sept. (Privatmittheil.) Wer irgend bezweifelte, daß in unsren Tagen die religiöse oder vielmehr die kirchliche Frage den Vordergrund einnimmt, der konnte davon sich so recht überzeugen bei Gelegenheit des zweihundertjährigen Jubiläums unsrer portugiesischen Synagoge. So unschuldig an sich dieses Fest war, so wenig an demselben auch nur im Entferntesten eine polemische Richtung hervortrat, da mit ihm ja nur eine ununterbrochene Toleranz gefeiert werden konnte: so gab es dennoch den extremen kirchlichen Parteiführern Stoff und Gelegenheit genug, um in der Preffe in's Feld zu rücken. Ich könnte mi einem Referate darüber viele Spalten füllen; will jedoch nur als ein Curiosum Folgendes hervorheben. Unsre Gegner gingen so weit, auch bei dieser Gelegenheit an die Kreuzigung Jesu durch die Juden zu erinnern. Hiergegen suchte ein Blatt die portugiesischen Juden in Schutz zu nehmen, indem es behauptete, die portugiesischen (spanischen) Juden hätten das h. Land schon nach der Zerstörung des ersten Tempels verlaffen, und wären so an der Kreuzigung unschuldig. Biele hiesige portugiesische Juden laffen sich dies auch gefallen und stimmen dem bei. Nun, sie hätten es auch bequemer, denn selbst spanische Geschichtsschreiber laffen mehrere spanische Städte durch die Israeliten seit des Königs Salomo Zeit gründen, und Tharschisch - Schiffe, d. h. solche, die nach Tarteffus in Spanien gingen, waren in Jaffo, dem Hafen Palästinas, keine Seltenheit. Allein ebenso sicher sind von den nach dem zweiten Falle Jerusalems zerstreuten Juden recht viele auch nach Spanien gekommen, und die Freunde obiger Meinung müßten daher nachforschen, welche von den heutigen portugiesischen Juden von den früheren, und welche von den späteren jüdischen Eolonisten in Spanien abstammen. Daß bei dieser Gelegenheit auch wieder an Ihre Broschüre über die Kreuzigung, die gleich nach ihrem Erscheinen in holländischer Ueberfetzung erschien, erinnert wurde, versteht sich von selbst. Rumänien. Bukarest, 7. September. (Privatmitth.) In den letzten Tagen war in hiesiger Stadt eine Ersatzwahl zu treffen, und es gab dies den Radikalen Gelegenheit, ihre ganze Wuth wieder zu entfeffeln, die jedoch durch die Wahl selbst ein glänzendes Dementi seitens der Bevölkerung erhielt, denn es wurde mit überwiegender Mehrheit ein Conservativer gewählt. Hierbei zeigte es sich abermals, daß zwischen den Ultramontanen und den Rothen in der Wahl ihrer Mittel kein Unterschied stattfindet. Immer werden dieselben Karten ausgespielt. Zuerst fachen sie mit aller Kraft im Volke den Judenhaß an, und dann soll dieser ihnen den Weg zu ihrem Ziele ebenen. Der berüchtigte Bratiano erließ ein schwülstiges Wahlmanifest, in welchem die Juden und die Deutschen, die Juden und der Kaiser von Oesterreich den Hauptimpuls abgeben sollten, um die Wähler in die Arme der Rothen zu treiben. Das Ministerium sei ein Ministerium der Juden, hieß es darin — wahrscheinlich, weil die gegenwärtige Regierung den Juden nicht die geringste Erleichterung gewährt, sie aber bis jetzt noch nicht mit einer neuen erdrückenden Beschränkung belastet hat. Das Ministerium liefere das ganze Volk mit gebundenen Händen den Juden und den Deutschen aus, und der Kaiser von Oesterreich werde Rumänien bald in seine Tasche stecken! Wir befanden uns also diesmal in guter Gesellschaft. Nun, es scheint doch für den Augenblick die Verblendung des Volkes gewichen zu sein, so daß es einsieht, wie es