Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 39 (21.9.1875)
- Date
- 1875-09-21
- Page
- Seite 627 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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627 dieselbe mit ihrer Gegenwart beehrten, sowie der darin begangenen! dem Verfasser zu Gebote, und somit bildet diese elegant auSgenationalen Fest-, Dank- und Bettage. In einem Anhänge be-! stattete, mit einer gut ausgesührten photographischen Ansicht der finden sich in holländischer Uebersetzung die ältesten Gemeinde-! Synagoge versehenen Schrift einen sehr interessanten Beitrag zur Synagogenfiatuten, ein alphabetisches Verzeichniß sämmtlicher! Specialgeschichte der Juden. Zum Schluffe können wir den Gemeindemitglieder im Jahre 1675, ferner die von dem Ehacham! Wunsch nicht unterdrücken, daß der Verfasser bald in den Stand Isaak Abrab verfaßten hebräischen Gesänge zur Einweihung,' gesetzt sei, seine Arbeit über den Portugiesisch-Israelitischen Be- sowie die hebräischen Gedichte, welche Franco Mendes zur Feier1 grabnißplatz, von der bis jetzt 'Mi Nummern erschienen sind, zu des hundertjährigen Bestandes der Synagoge schrieb. Handvollenden und die einzelnen Artikel gesammelt erscheinen zu lassen, schriftliche Quellen aus städtischen und Gemeindearchiven standen! Kayserling. Deutschland. Berlin, 8. September. (Privatmitth.) Man kann es nur billigen, wenn zwar die bekannten Artikel der „Kreuzzeitung" in der A. Z. d. I. abgefertigt worden sind, dagegen die Schmähungen der „Germania" mit Stillschweigen übergangen werden. Die Kreuzzeitung hatte diesmal doch wenigstens einen bestimmten Zweck und ein umschriebenes Gebiet, beobachtete auch im Berhältniß zu früheren Auslassungen gegen die Juden in ihren Spalten über und unter dem Strich eine gewisse Anständigkeit. Bei der „Germania" ist aber Alles brutal und von der gemeinsten Art; sie ist in voller Berserkerwuth, und ihre Hände füllen sich ebenso gut mit Koth wie mit Steinen. Solche Leute muß man austoben lassen. Hätten sie die Macht, so wissen wir, was wir von ihnen zu erwarten hätten. Jetzt wollen sie die ihnen entgegenstehende Macht aus dem Wege räumen; wäre dies gelungen, so würden sie Alles vernichten, was ihrer Herrschaft jemals wieder gefährlich werden könnte. Mit solchen Menschen kann man den Wortstreit sparen. Und was soll man auch mit Männern der Unfehlbarkeit, der unbefleckten Empfängniß, der Latteau und von Lourdes streiten? Soll man Vernunft und Recht anrufen, wo diese gar nicht anerkannt werden? Was aus Disputationen mit diesem Gelichter herauskommt, haben unsre Väter schon vor Jahrhunderten erfahren. Man muß sie also bellen lassen bis sie heiser geworden. Berlin, io. September. (Privatmitth.) Ueber die Mängel und dunkeln Flecken, die jeder Gegenwart anhaften, erhebt man sich, wenn die allgemeine Tendenz einer Zeit eine günstige ist, am ehesten, sobald man eine längere Reihe von Jahren überblickt und sich deren Resultate zum Bewußtsein bringt. So sehen wir denn auch, daß die jüdische Religion trotz aller gegnerischen und hinderlichen Momente in ihrer Verkündigung und Unterweisung wesentliche Fortschritte gemacht, sich gleichsam wieder auf festen Fuß gesetzt hat. Zuerst ttat die jüdische Predigt auf, und verbreitete sich von einzelnen Stätten durch alle Welt bis in die schickt sich auch Frankreich an, die Predigt als einen unentbehrlichen Theil des jüdischen Gottesdienstes zu pflegen. Alsdann kam der Religionsunterricht, der sich in Religionsschulen zu organisiren suchte. Nunmehr aber tritt der jüdische Religionsunterricht in die öffentlichen Schulen ein, und wird auf allen Stufen derselben dem Unterrichte eingeordnet. Je schwankender der Unterricht in den Religionsschulen war, je mehr sich die Zöglinge der höheren Lehranstalten von derselben fernhiellen, desto wichtiger ist diese neue Phase. Wir können also nach dieser Seite hin mit Befriedigung blicken. Das Judenthum ist nicht mehr stumm, und sein Wort findet Zugang und Gehör. Es versteht sich von selbst, daß es gilt, diese neue Gunst mit frischer Kraft und Einsicht zu benutzen und allseitig der Pflicht zu genügen. Berlin, 10. September. (Privatmitth.) C. Die durch Den Hingang des verewigten Iw. Geiger entstandene Vacanz in der hiesigen Gemeinde scheint in nächster Zeit nicht wieder besetzt werden zu sollen. Zieht man in Betracht, aus welchen verschiedenen Elementen nach allgemeiner und religiöser Bildung die hiesige, durch Zuzug innerhalb weniger Jahre an Zahl verdreifachte Gemeinde zusammengesetzt ist, so begreift man die ungemeine Schwierigkeit, die offene Stelle, zumal nach einem solchen Vorgänger auf geeignete Weise wieder auszusüllen. In maßgebenden Kreisen hat man l>r. Iellinek in's Auge gefaßt. Aber die hiesige Gemeinde dotirt nicht so glänzend, wie die Wiener, und würde es, das fühlt man wohl, der Berliner Gemeinde schlecht anstehen, von dem Anzustellenden ein Opfer zu verlangen. Inzwischen repräsentirt lw. Aub, der sich, wegen seiner Pflichttreue und milden Gesinnung, eines hohen Ansehens erfreut, das halb verwaiste Rabbinat. Hat man sich erst über die crz* hinweggeholfen, so dürfte die Wiederbesetzung der Vacanz wohl noch gemächlicher betrieben werden. Was die hiesige „Reformgemeinde" anbelangt, so giebt sich aus ihr, seit dem Tode lln. Holdheim's, nicht mehr die frühere geistige Energie zu erkennen. In Hinsickt der äußern Mittel kleinsten Flecken aus. Deutschland gebührt der Ruhm, hierin und der Mitgliederzahl, deren sie ungefähr 600 zählt, i|t |ie un angestrengt vorangegangen zu sein, Nordamerika folgte, und jetzt I besten Fortgange. Viel Schuld an der extern Erscheinung dürfte 2beLtLUlCj ÖULCCC&tU&beM.