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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-09-14 · Heft 38 (14.9.1875) · p. Seite 614

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 38 (14.9.1875)
Date
1875-09-14
Page
Seite 614 (sequence 10)
Language
German
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614 welcher fammt den direkten Schulbeisteuern der bemittelten Eltern den Bestand der Schule aus die Dauer sichert. Die Gesammtzahl der Schüler beträgt circa hundertzwanzig, welche auf drei Classen nebst einer Vorbereitungsclaffe vertheilt sind. Die rumänische und die deutsche Sprache sind die obligaten Unterrichtssprachen,- in welchen die Lehrobjecte: Lesen, Schreiben, Rechnen, Grammatik, Geographie, Geschichte des Landes, Geschichte der Juden, Bibel und Religion, vorgetragen werden. Die Schüler der dritten Elaste waren aller drei Sprachen derart mächtig, daß sie nicht nur gegenseitig von einer Sprache in die andere mit bewunderungswürdiger Geläufigkeit sehlerfrei zu übersetzen verstanden, sondern auch selbst schriftliche Aufsätze anfertigten. Die allgemeine Anerkennung, welche die Leistungen der Schule bei der hiesigen Bevölkerung fanden, ist ein Beweis des zum innigen Bewußtsein des Volkes gelangten Bedürfnistes des Unterrichtes und der Erziehung, und somit eine Gewahr für den Bestand und die Entwickelung der Lehranstalt. Heute findet die Feierlichkeit der Prämienvertheilung statt. F. Bukarest, 1. Sept. (Privatmitth.) Der in der Herzegowina und in Bosnien ausgebrochene Aufstand hat selbstverständlich auch in unserem Lande große Aufregung hervvrge bracht. Was man selbst erlangt hat, die Unabhängigkeit bis auf den Schein von Souzerainetät, welcher noch den Türken zusteht, wünscht man auch den Christen jener Provinzen, noch dazu, da man hoffen kann, daß auch jener Schein von Abhängigkeit noch verschwinden werde, je mehr die Macht der Türken gebrochen wird. Dennoch ist man dem Aufftand abhold, weil man fürchtet, daß die insurgirten Landschaften Serbien zufallen würden, gegen welches man in Rumänien eine starke Eifersucht hegt und das man nicht noch stärker haben will. Ein gleiches Schwanken findet auch in den Ansichten der einsichtsvolleren Juden unseres Landes statt. Wir wiffen, daß die türkische Regierung gegen unsere Glaubensgenosien viel toleranter ist, als die sämmtlichen osteuropäischen Staaten, und daß sie für die Juden keine Ausnahmegesetze hat. Obschon nun in den insurgirten Landschaften kaum Juden wohnen, so können wir doch aus diesem Gesichtspunkte mit der Türkei nur sympathisiren. Dahingegen ist es ebenso gewiß, daß unter der türkischen Herrschaft die Bevölkerung, welches Namens und Glaubens sie auch sei, keine wesentlichen CulMrfortschritte machen werde, und daß unter solchen Umständen die jüdische Bevölkerung, die feit Alters vom Grundbesitz, also der Bodencultur ausgeschloffen ist, geistig und materiell immer tiefer sinken muß, zeigen uns die orientalischen Länder in traurigster Weise. Nur durch wirkliche Culturbewegung vermögen die Juden in allen Ländern, besonders aber in den orientalischen sich zu erhalten und vor dem Versinken in das tiefste Elend zu bewahren. So tief nun auch das christliche Volk in allen diesen nordtürkischen Provinzen in der Cultur steht, so läßt sich doch voraussehen, daß, wenn diese selbstständig geworden, der westeuropäische Geist in sie eindringen und wenn auch langsam eine höhere Cultur erwirken werde, in welche dann auch die Juden willig, ja eifrig eintreten würden. So trübe auch unsere Aussichten selbst noch in Rumänien sind, so halten wir uns doch überzeugt, daß, wenn unsere Glaubensgenoffen an Bildung und Gesittung immer mehr erstarken, auch der rumänische Staat den gesellschaftlichen europäischen Derhältniffen auf die Dauer nicht wird widerstehen können und unsere Gleichberechtigung allmalig durchführen muß. Diese Fernsicht muß schließlich die Wünsche und Ansichten des Augenblicks überwinden. I e u i l Michel Angelo. Zum 14. September. Die alttestamentlichen Deckengemälde in der Sixtinischen Kapelle zu Rom. In diesen Tagen feiert die Welt den vierhundertjährigen Erinnerungstag eines ihrer größten Geister, des gewaltigen Mannes, der in Malerei und Bildhauerkunst wenige Ebenbürtige im ganzen Lauf der Kunstgeschichte zählt, der sich den besten Sonnettendichtern Italiens anreiht, und der in seinem 71. Jahre die erhabenste Architectur der modernen Zeit schuf. Wenn auf einmal, den Weg ziehend, den seit Winkelmann und Goethe Tausende von nordischen, schönheitsdurstigen Pilgern zogen, — wenn auf einmal die große, gewaltige Roma vor den trunkenen Blicken erscheint, da schwebt über ihr, ein hochherrliches Wahrzeichen, ein in die Lüfte gehobenes Pantheon, Michelangelos Kuppel der l e 1 o n. Peterskirche, und die Nahenden, die ausbrechen in den Zauberruf: „Eccola Roma, das ist Romsie schauen vor Allem nach ihr hin, die in den reinsten Umrissen der Welt sich abhebt vom tiefblauen Himmel Italiens. Und dieser Michelangelo ist es, dessen Erinnerungstag im September dieses Jahres die gebildete Welt zur Feier mahnt, deffen Name verehrt und begeistert von taufend Lippen tönt. Warum wir hier ihn nennen? aus dem Rahmen der allgemeinen Kunst- und Menschheitsgeschichte ihn lösend, ihm hier in diesen, einem bestimmten Cultus, einer bestimmten Wissenschaft und Geschichte geweihten Blättern einen Platz einräumen? Neben anderen hohen Schöpfungen seines Pinsels und Meißels, die ihm ein Recht erwerben, specielles Interesse in jüdischen Kreisen zu beanspruchen, sind es besonders die Deckengemälde der Sixtinischen Capelle, auf die wir die Aufmerksamkeit unserer ■ Leser Hinweisen, da sie direct aus der tiefsinnigen Schöpfungs-

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