Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 38 (14.9.1875)
- Date
- 1875-09-14
- Page
- Seite 613 (sequence 9)
- Language
- German
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- Tunis 1× ep/1048155
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613 des Rabbinerseminars gefaßten Beschlüsse besonders Rücksicht genommen. Das Verfahren bei der Subventionirung von Schulen wurde dermaßen festgestellt, daß die Districtspräsidenten die bei ihnen eingelaufenen mit den nöthigen Belegen versehenen Subventionsgesuche im Monate Januar an die Landeskanzlei einzusenden haben, von wo dieselben sodann zur ordnungsgemäßen Erledigung an das Cultusministerium einzubegleiten sind. Die wohlthätige Einwirkung, welche die allmonatliche Unterstützung der Hörer der israel. Landeslehrerpräparandie auf die Frequenz derselben ausübte, wird zur erfreulichen Kenntniß genommen, und die Beibehaltung dieser Unterstützungen beschlußweise ausgesprochen. In Anbetracht besten, daß die Versammlung die Nothwendigkeit der Heranbildung israelitischer Lehrerinnen bereits in früheren Sitzungen anerkannte, ja sogar die Errichtung einer Landeslehrerinnenpräparandie ausgesprochen hat, welcher Beschluß jedoch mit Rücksicht auf die beschränkten Mittel des Landesschulfonds derzeit nicht durchgeführt werden kann, unv daher die dem Lehrerstande sich widmenden Mädchen, welche zumeist mittellos sind, an den Präparandien des Staates oder anderer Confessionen ihre Studien vollenden müffen, wo sie der Wohlthaten der sonst reich dotirten Internate aus religiösen Rücksichten nicht theilhaftig werden können: wird vorläufig der Betrag von 2000 si. votirt zur Unterstützung solcher israelitischer Lehrerinnrncandiraten, die ihre Mittellosigkeit Nachweisen und durch Fleiß und gute Sitten sich auszeichnen. Es wird berichtet über die Sitzung des Berwaltungscomitvs des israelitischen Landeslehrerpensionsvereins, welche die fernere Aufrechterhaltung dieses Pensionsvereins ausgesprochen unv als selbstverständliche Consequen; den Anschluß an das durch den Reichstag geschaffene Pensionsgesetz abgelehnt har. Da hierdurch die materielle Lage der Lehrer für die Zukunft gesichert erscheint, erübrigte es nur, dafür zu sorgen, daß solche israelitische Lehrer, welche im Amte ergraut sind unv nunmehr dienstunfähig geworden, vermöge obwaltender besonderer Berhältniffe ihre Pensionsansprüche nicht gellend machen können. Die Versammlung beschloß in das Budget des Landesschulsonds 2000 fl. mit der Bestimmung einzusetzen, daß von diesem Betrage verdienstvolle israelitische Lehrer unterstützt werben mögen, welche ununterbrochen an Schulen gewirkt, noch vor dem Jnslebentreten des ungarischen israelitischen Landeslehrerpensionsvereins dienstunfähig geworden und von ihren Gemeinden wegen Armnth derselben die gewünschte Pension nicht erhalten können. Nachdem sonst kein Antrag vorlag, wurde die Sitzung geschloffen. Frankreich. Paris, l. September. iPrivatmitth.) Daß das Princip der Unterrichtsfreiheit für die klerikale Partei nur eine Maske war, nur eine List, um die kurzsichtigen Liberalen durch ihr eigenes Princip zu schlagen, bewährt sich jetzt schon, wo sie nach erlangtem Siege schneller als man es sich gedacht, die Maske fallen läßt. Auf dem Katholikencongreß zu Poitiers har Monsignore Nardi, ein Abgesandter des römischen Stuhles, erklärt, daß die Freiheit des Unterrichts ein verabscheuenswerther Grundsatz sei, und daß das Aussprechen dieses Wortes schon ihn schaudern mache. Er fand allgemeinen Beifall, allgemeine Zustimmung. Aber auch diese Eile ist erklärlich. Denn nachden'. der Klerus diese Freiheit für sich erlangt hat, soll sie eben für keinen anderen bestehen. — Bei der jüngst stattgefundenen Neuwahl der Büreaux der Generalräthe wurden, wie die Arch. isr. berichten, im Departement Herault Herr Lisbonne zum Präsidenten, im Departement Bouches du Rhone Herr Bedarrides und im Departement Gironde Herr Alexander Leon zu Bicepräsidenten ernannt. - Bei Ertheilung von Ehrenmedaillen durch den Präsidenten der Republik wurden jüngst eine silberne Medaille und drei brcncene vier Israeliten für die Leitung wohlthätiger Vereine ertheilt. Tunis. Tunis, im Juli. Aus halbcivilisirten Ländern, aus welchen wir leider so oft betrübende Nachrichten zu bringen haben, erfreut es, auch nur kleine Thatsachen mitzutheilen, welche das Erwachen der Humanität und Gleichachtung bekunden. Der Bey von Tunis hat eine jährliche Unterstützung von 1500 Piastern zur Miethe eines Loeals gewährt, in welchem eine jüdische Schule errichtet werden soll. Rumänien. Braila, 29. Aug. (Privalmilth.) Sonntag den 22. August begann die Prüfung in der hiesigen israelitisch-rumänischen Kabenschule und dauerte vier Tage. Die Schule ist erst vor einem Jahre ins Leben gerufen worden und hat während dieser kurzen Zeit nach dem einstimmigen Zeugniste der Sachverständigen Ausgezeichnetes geleistet. Die Ursache besten liegt in rer glücklich getroffenen Wahl der Lehrer, hauptsächlich aber in der rastlosen Thätigkeit des leitenden Schulcomitös, welches keine Kosten und Mühe scheute, um die Schule in Flor zu bringen. Die Subsistenzmittel derselben sind zwar wie die aller Consessionsschulen der israelitischen Gemeinden in Rumänien sehr beschränkter Natur, da die Regierung den confessionellen Institutionen keine moralische, geschweige denn materielle Stütze gewährt. Allein rem eifrigen Bestreben des hiesigen Zionvereins gelang es aus seiner Mitte einen ziemlich hinreichenden Fond zusammenzuschießen, 38