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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1875-09-07 · Heft 37 (7.9.1875) · p. Seite 598

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
39 (1875)
Issue
Heft 37 (7.9.1875)
Date
1875-09-07
Page
Seite 598 (sequence 10)
Language
German
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598 auf welchen ihn Christian Wilhelm angewiesen Halle. Er war ihm, der Obristlieutenant Nicolaus Bock, wohlbekannt, der jetzt vier Corporalschafte», welche der Administrator geworben hatte, commandirte. War doch dieser Bock ein Kind jenes alten wendischen Stammes, der seit urvordenklichen Zeiten an den Salzquelle» bei der Stadt Halle saß, die Soole siedele und das silberblinkende Salz fertigstellte, das damals fast den ganzen Norden Deutschlands versorgte. In ununterbrochener Folge hatten die Halloren die ererbten Sitten, die Tracht, die Beschäftigung, die Mannhaftigkeit und die Vorrechte ihres Geschlechts bewahrt. Aber den kräftigen unbändigen Nicolaus hatte es in dem beschrankten Kreise nicht geduldet; er war aus dem elterlichen Hause entwichen und hinausgestürmt in den Krieg, den er bald in diesem, bald in jenem Heere, immer aber auf der Seite der Verfechter seines Glaubens, der Evangelischen, mitmachte. Seine Tapferkeit, Verwegenheit und die Schlauheit, mit welcher er wiederholt in kleinen Zugen den Feinden großen Schaden zugefügt, zeichneten ihn bald aus, und ließen ihn seinen nunmehrigen Rang erreichen, obschon die Feldzüge der Evangelischen meist unglücklich für diese ausfielen. Me>r, der in seinem Gewerbe viel mit den Halloren verkehrte, hatte Nicolaus noch als Jüngling in seines Vaters Hause, der ein angesehener Vorsteher dieses Völkchens war, schon gekannt. Sie erneuerten daher schnell und herzlich ihre Bekanntschaft. Aber über den zu faffenden Plan waren sie nicht einig. Merr hielt die Besetzung der Stadt für leicht, weil nur sehr geringes kaiserliches Kriegsvolk in ihr lag, und die Bürger auf Seiten des Administrators standen; dagegen die Einnahme der Moritzburg, dieses starken, an der Nordwestseite der Stadt befindlichen und von der Saale bespülten Forts für sehr schwierig, und Loch hätte jene ohne diese keinen besonderen Wenh. Metr hatte daher gerathen. Laß Bock mit seiner ganzen Truppe und Len fünf Geschützen, die in Querfurt sich befanden, so geräuschlos wie möglich gegen Halle vorrücken, daß zuvor ein Einverständniß mit den Halloren herbeigeführt werden solle, welche den Heranziehenden die Saalpforte zu öffnen hätten, damit sie in die Stadt ohne Kampf eindringen könnten. Selbst auf die Gefahr hin, daß die Feinde etwas von dem Heranziehen des kleinen evangelischen Heeres erfahren könnten, hielt er dies für vochweudig, um die Moritzburg beschießen und den Feind durch das imposante Auftreten des Gegners in großen Schrecken setzen zu können. Anders vermeinte Bock. Allzusehr an Handstreiche und Parteigängerkrieg gewöhnt und durch seinen persönlichen Muth verleitet, wollte er von diesem förmlichen Kriegszuge nichts wissen, da feine ganze Macht doch nur eine verhältnißmäßig geringfügige sei, und legte alles Gewicht auf eine schnelle ungeahnte Ueberrumpelung. Er könne mit den fünf Geschützen erst in zwei Tagemärschen nach Halle gelangen, und unterdeß hätten die Feinde volle Kunde von seinem Anmarsch erhalten. In der Burg waren keine Geschütze, und was nur Menschen vertheidigten, könnten Menschen erobern. Es wäre nur erforderlich, daß die Halloren auch mit Einem oder dem Anderen von der Besatzung der Burg selbst, und zwar am besten an der Thorwache im Einverständniß waren, und dies könnte man durch einige Goldstücke erlangen. Er selbst wolle daher in einer der nächsten zu bestimmenden Nächte mit zwei Corporalschaften nach Halle kommen, und Alles werde durch die Raschheit und Kühnheit der Thal auf's Beste gelingen. Was konnte Me'l'r thun? Dem feldkundigen Bandenführer gegenüber hatte sein Rath nur wenig Nachdruck, und ein Mann wie Bock fragte wenig nach den Befehlen seines Soldherrn, wenn er nur ausführte, was dieser beabsichtigte. Me>r begab sich daher noch selbigen Tages nach Halle, um den Verabredungen gemäß die Halloren zur Mithilfe zu bestimmen. (Fortsetzung folgt.) Vermischtes. Notizen über Palästina und Syrien. Wir haben in einem Leitartikel über das Erscheinen eines Bädeker für Palästina und Syrien berichtet und versprochen, einige unsre Glaubensgenoffen alldort betreffende Notizen daraus hervorzuheben, obgleich, wie wir an jener Stelle bemerkten, in dem reichhaltigen Reisebuche die Bemerkungen gerade über die Juden dürftig sind. Bei dem Mangel jüdischer Monumente aus früherer Zeit, namentlich was den Schl älterer Synagogen betrifft, wird aus dem Capitel „Zur Kunstgeschichte" folgende Mittheilung interessiren (S. 125): „Eine eigenihümliche Bauart zeigen die Synagogen, welche in Galiläa vom 3. bis 6. Jahrhundert entstanden. Sie sind viereckig, das Innere durch vier Säulenreihen in fünf Schiffe getheilt; die derben Säulen trugen Steinarchittave; das Dach bestand aus Holz, und die ganze Ornamentirung, besonders der Gesimse, war sehr reich. Die zwei letzten inneren Stützen des Nordendes dieser Synagogen bestehen durchgehends aus viereckigen Pfeilern." — Es wäre zu wünschen, über diese Ueberreste einige genauere Schilderungen zu erhalten. Wenn wir in der heiligen Schrift wiederholt das Ueberhandnehmen von Raubthieren angedroht finden, wie z. B. 3 Mos. 16, 22: „Und ich lasse los über Euch das Gewild des Feldes, daß es Euch kinderlos mache, und Euer Bieh verzehre, und Euch mindere und veröden Eure Straßen" — so findet doch gegenwärttg trotz der Verödung des ganzen Landes und vielleicht gerade durch sie das Gegentheil statt. Der in der Schrift so oft erwähnte Löwe ist gänzlich aus Palästina und Syrien verschwunden; ebenso ist der Leopard beinahe gänzlich erloschen; Bär und Wolf werden nur bisweilen im Libanon angettoffen; die Hyäne kommt manchmal bis an die Thore Jerusalems, fällt aber niemals einen Menschen an; wilde Katzen bekommt man nicht zu Gesicht, Schakal und Fuchs machen sich bisweilen verspürbar. Bon

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