Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 39 (1875)
- Issue
- Heft 37 (7.9.1875)
- Date
- 1875-09-07
- Page
- Seite 596 (sequence 8)
- Language
- German
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596 von vorzugsweise die Juden seines Reiches betroffen würden, machte er sich kein großes Gewissen daraus. (Wir lassen noch dahingestellt, ob dies nicht eine zu pessimistische Ansicht sei, die, wie gewöhnlich, der zu optimistischen auf den Fuß gefolgt ist. Redact. d. A. Ztg. d. I.) — Aus Marokko lauten die Nachrichten so düster wie früher. Mißhandlungen von Juden kommen allzuhäufig vor. Besonders der Vertreter Italiens hat bei dem jetzigen Kaiser von Marokko Schritte gethan, um seinem Wohlwollen seine jüdischen Unterthanen zu empfehlen. Aber ihm selbst fehlt noch die Vollgewalt über sein Reich, und die Barbarei des Volkes kommt überall zu Tage, wo es das eiserne Joch auf seinem Nacken nicht fühlt. Die meisten Beamten gehören derselben Roheit an. — Am Ende des Heftes gewahren wir eine besondere Piece mit der Überschrift „Aufforderung an die Herren Lehrer". Wir wurden durch dieselbe an den ersten Leitartikel in Nr. 35 Ihres Blattes erinnert, der im Grunde denselben Gegenstand, und zwar auf directe Weise behandelt. Das Counts der Alliance ersucht nämlich alle Vorsteher einer Schule, ihm folgende Fragen zu beantworten: 1> Betreiben in Ihrer Stadt Juden Handwerke, und welche? 2) Wie groß ist die Zahl der israeliüschen Handwerker und Arbeiter auf hundert Israeliten der Stabt? 3) Wie groß ist die Zahl der nichtisraelittschen Handwerker und Arbeiter auf hundert Bewohner des Ortes? 4) Welche Handwerke böten den Israeliten die besten Vortheile? 5) Würde man für Lehrlinge gute israelitische oder nichtisraelitische Meister finden und zu welchen Bedingungen? 6) Welche sind die Wege und Mittel um die israelitischen Kinder, wenn sie die Schule verlassen, aufzumuntern, in die Lehre zu gehen? Welche würden die Kosten sein, um eine bestimmte Anzahl Knaben in die Lehre zu bringen, und wie viel wurde die Gemeinde dazu beisteuern? — Inwiefern diese Aufforderung eine Beantwortung finden werde, müssen wir abwarten, im Ganzen haben sich gewöhnlich derartige Aufforderungen wenig wirksam gezeigt; es ist auf ein nur irgend annäherndes statistisches Material nicht zu rechnen. Jnveß, wenn auch nur in einzelnen Fällen für den besprochenen Zweck etwas Gutes geschähe, Ware es schon dankbar anzunehmen. Schweden. Stockholm, 24. August. (Privatmitth.) Herrn Professor Rubenson, Vorsteher der königl. meteorologischen Centtalanstalt hier, ist von der Jury der internationalen geographischen Ausstellung in Paris eine der seltensten höchsten Auszeichnungen zuerkannt worden. Die verliehene Decoration, ein goldener Palmkranz, wird sonst nur denen ertheilt, die bereits den Orden der Ehrenlegion besitzen. Von dieser Bedingung hat mau indeß bei Herrn Pros. Rubenson, der eine überaus künstliche Darstellung des Nordlichts vorführte, abgesehen. Mit besonderem Vergnügen haben wir von dieser Auszeichnung Notiz genommen, als erneutem Beweis dafür, daß Israels Söhne, seitdem die hemmenden Schranken gefallen, auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens und der Wissenschaft Außerordentliches zu leisten vermögen. R. Ie « il Die Treue. Erzählung. m. Mit der Rückkehr nach Barby war in Meir's stattliches Haus der Friede nicht wieder in dem Maße eingekehrt wie er darin vor dem Ueberfall der Kaiserlichen gewaltet. Mirjam, das Weib Meir's, war eine jener innerlichen weiblichen Naturen, welche voll Liebe, Hingebung und Zärtlichkeit, sich tief verletzt fühlen, wenn sie sich einmal in einem ihrer natürlichen Rechte gekränkt glauben, und in deren Herzen eine solche Verletzung niemals wieder ganz verharrscht. Auch ist es so, wenn schöne und ftiedliche Verhältnisse durch ein plötzliches Ereigniß und eine verworrene Situation abgerissen wurden, knüpfen sie sich niemals wieder in unveränderter Weise an. und die Erinnerung an das ehemalige Glück stört den Genuß des Glückes, das man sich herausgerettet hat. Mirjam konnte es ihrem Gatten nicht vergeben, daß er nur einen Augenblick geschwankt, und ihr und ihrer Kinder Leben durch eine Weigerung auf's Spiel setzte, und daß («Ion. sie ihn erst hatte anflehen müssen, bis er sich entschloß, durch sein Nachgeben die blutigen Schwerter der feindlichen Soldaten von der Brust der Seinigen zu enssernen. Auch sah sie mit Kummer den Erwerb ihres Mannes Larniederliegen, diesen immerfort in unruhiger Thätigkeit, ohne daß sie einen Bortheil daraus erwachsen gewahrte, sondern wie vielmehr ihr Hab und Gut allmählig zusammenschmolz. Sie blickte auf ihre Kinder, und sah sie schon der Armuth, dem Mangel, der Entbehrung anheimfallen. „Wie?" rief sie eines Abends aus, als Me>r seine Vorbereitungen ttaf, um noch vor Mitternacht eine Wanderung zu beginnen. Er hatte sie unterrichtet, daß seine Abwesenheit eine längere Zeit andauern dürfte, und daß sie diejenigen, welche nach ihm fragen würden, durch Ausreden und Vorwänve Hinhalten sollte. „Wie? Du willst also schon wieder in eine Deiner beliebten Abenteuer Dich stürzen, die ebenso gefährlich wie nutzlos sind? Denkst Du denn gar nicht mehr an mich und Deine Kinder? Was soll denn aus uns werden, wenn Du einmal in die Schlinge fällst, die Du für andere legst? Und wenn Du